Alfa Romeo 2600 Touring Spider

Als Alfa Romeo noch wahrhaft aristokratische Autos baute

Alfa Romeo 2600 Touring Spider

Noch heute zehrt die Marke Alfa Romeo von einem Ruf, dessen Grundstein in den dreißiger und fünfziger Jahren gelegt wurde: Damals, als die Mailänder elf Mal die Mille Miglia gewannen (Rekord!) und 1950/1951 die ersten beiden F1-Weltmeisterschaften (Farina und Fangio), als sich die besten Karossiers Italiens unendlich Mühe gaben, die wunderbaren, gern kompressorgeladenen Motoren mit ihren feinen Gehäusen und stets zwei obenliegenden Nockenwellen adäquat zu umhüllen.

Einer der letzte Überlebenden dieser untergegangenen Zivilisation ist der bei Touring eingekleidete 2600 Spider , zwischen 1962 und 1965 in einer kleinen Auflage von 2.253 Exemplaren und selbstverständlich von Hand gefertigt.

Unter der langen Haube mit dem Lufteinlassschlitz kam nach längerer Zeit wieder ein stolzer Reihensechszylindermotor zum Einsatz. Er wurde, anders als im Schwestermodell Limousine, von drei geräuschvoll ansaugenden Weber-Doppelvergasern versorgt - was die Leistung auf 145 PS anhob. Damit war man auf deutschen Autobahnen schon in der Einfahrzeit schneller als die meisten Bundesbürger bei Volllast, bei sorgfältig warmgefahrener Maschine schob sich die weiße Nadel des Veglia-Tachometers problemlos über die 200 km/h-Marke. Wobei die bevorzugten Einsatzgebiete der solventen Erstbesitzer sicherlich eher die kurvenreichen Straßen am Gardasee oder die Auffahrt zur Villa d'Este waren.

In seiner gesamten Anmutung ähnelt der 2600 Spider seinen damaligen Konkurrenten Lancia Flaminia Cabriolet oder Maserati 3500. Und das gilt damals wie heute - nur dass der Alfa heute deutlich günstiger zu haben ist, weil ihn wegen der geringen Stückzahl kaum jemand kennt und er vielleicht auch von den späteren, volkstümlicheren Spidern überstrahlt wird. "Nicht viel mehr als 40 bis 50 Exemplare sind auf deutschen Straßen zu finden", schätzt Hartmut Stöppel.

Kaum zu finden: 2600 Spider in gutem Zustand

Für den Spezialisten aus Bonn zählt der 2600 Spider zu den Schönsten seiner Art. Das größte Problem dürfte darin bestehen, überhaupt einen zu finden, vom dem sich der Besitzer trennen möchte. 40.000 bis 45.000 Euro wären dann für ein ordentliches Exemplar zu bezahlen, sagt Stöppel, für besonders originale Fahrzeuge darf es auch deutlich mehr sein.

Der letzte echte Alfa-Reihensechser

Absolut gesehen eine geringe Summe für ein außergewöhnliches Cabriolet, das zum automobilen Adel gehört und auf kurvenreichen Küstenstraßen ebenso viel Freude bereitet wie auf gekiesten Auffahrten oder schnellen Kurierfahrten auf der Autobahn. Es besitzt den letzten echten Alfa-Reihensechszylinder (kommen Sie mir jetzt nicht mit dem V6!), und es erinnert mit jedem Kilometer an die großen Zeiten einer der größten Marken.

Mehr zum Thema 100 Jahre Alfa gibt‘s bei unserer Schwesterseite www.auto-motor-und-sport.de - mit aktuellen Autotests, News und Stories rund um die Marke Alfa Romeo.

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Hans-Jörg Götzl

Autor:

Motor Klassik, Heft 04 / 2009

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