Ford Capri II: Capri Wonne

Sie verkörpern die gegensätzlichen Capri-Charaktere ideal. Auf der einen Seite der brave behäbige Vierzylinder, ein früher 74er 1600 XL in Diamantweiß und als milde Antithese dazu ein luxuriöser Sechszylinder - ein 76er 2.0 GL in schrillem Jadegrünmetalic mit schwarzem Vinyldach und üppigem Chromschmuck.

Der weiße Vierzylinder mit dem zahmen 72-PS-OHC-Motor trägt noch die zierlichen Spiegel mit schmalem Fuß, die alten Seitenembleme, die wie Phantasie-Wappen aussehen, und auf denen schlicht "1600" geschrieben steht. Marc Keiterlings jadegrüner Capri II 2.0 GL ist ein Hingucker, ein absolut originales Auto im Super-Zustand, ungeschweißt zwar, aber schon einmal lackiert, weil das zeitgenössische Ford-Einschicht-Metallic im Lauf der Jahre selbst bei bester Pflege ermattet.

Capris aus drei Generationen

Der Zeitungsjournalist aus Oberhausen ist Capri-Abonnent. Wie früher seine Eltern besitzt er Autos aus allen drei Capri-Generationen. Sein erstes eigenes Auto war ein Capri III. Marc und Ehefrau Beate unternehmen im Sommer gern weite Touren durch Deutschland mit dem grünen Sechszylinder- Coupé. Nie käme er auf die Idee, aus dem Zweiliter einen Dreiliter zu machen - wie so viele in der Ford-Szene, die das geniale Baukastensytem zum preiswerten Tuning nutzen.

Der Fahrer sitzt tief im Capri II, das steile Lenkrad liegt gut in der Hand, die Innenbreite ist beachtlich. Das karge Instrumentarium ohne Drehzahlmesser hat auch Marcs Sechszylinder nebenan. Vor einem liegt die leicht gewölbte Motorhaube, in der Mitte zeichnet sich eine fein angedeutete Hutze ab.

Ein kurzer Dreh am Zündschlüssel

Das vertraute Geräusch des Vierzylinders dringt ans Ohr. Der Auspuffton klingt satt und nach mehr Hubraum. Der elastische Motor will früh geschaltet werden, hoch gedreht tut er seinen Unmut lautstark kund. In schnell gefahrenen Autobahnabfahrten, davon gibt es im Ruhrgebiet viele, untersteuert der Capri mit den schmalen 185/70 R 13-Reifen deutlich.

Trotz schwerer, aber von zusätzlichen Längslenkern gebändigter Starrachse, fühlt er sich hinten ziemlich leicht an. Das spürbar höhere Motorgewicht des Sechszylinders verstärkt die Kurvenunwilligkeit, das straffe S-Paket mit Gasdruckdämpfern würde für mehr Neutralität und eine höhere Kurvengeschwindigkeiten sorgen.

Der V6 klingt wunderbar

Der Zweiliter-Sechszylinder ist mit milden 90 PS bei nur 5.000 Touren zwar kein Ausbund an Temperament, aber er macht das Fahren in Marcs jadegrünem Capri II stets zum erfreulichen Erlebnis. Der gusseiserne, unechte V-Motor mit den versetzten Zylinderbänken klingt nach außen hin wunderbar, bleibt bis in höhere Drehzahlregionen leise und kultiviert und lässt sich schon bei niedrigsten Touren im großen Gang willig hochdrehen. Bei mittleren Drehzahlen sorgt die zweiflutige Auspuffanlage, die von hinten an Schubkarrengriffe erinnert, für einen dumpfen, kraftvollen Klang.

Zum Schluss verrät Marc uns noch ein Geheimnis: "Ich habe noch einen Capri 1300, einen Einser von 69 mit V4-Motor, der geht gar nicht so schlecht."

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Alf Cremers

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