Mazda MX-5: Pust-Objekt

Und ja, der MX-5 driftet. Ein entschlossener Ruck am kleinen Lenkrad, und das Heck schwenkt aus - scheu zuerst, dann zunehmend mutiger und ausladender.

Die Leichtigkeit des drastischen Fahrens fördert der 1,6-Liter-Motor. Sein Drehmomentmaximum kommt spät, aber ungewaltig. Dafür dreht er gern.

Motorisierung passt perfekt

Wie erfreulich, dass er es mit 115 PS gut sein lässt. Damit motorisiert er den MX-5 vollendet. Jedes PS mehr würde nur den Fahrfluss stören, weil es sich nicht mehr elektronisch unkontrolliert zügeln ließe. Ein Hubraum-Plus hätte weniger Schaltarbeit zur Folge, und das wäre nun wirklich ein Drama.

Puristische Ausstattung

Wie auch eine umfangreichere Ausstattung. Ja, die Außenspiegel lassen sich verstellen, aber nur von Hand und nicht von innen. Das Verdeck klappt selbstverständlich nicht automatisch. Nur die Fensterheber sind überflüssigerweise elektrifiziert. So bleibt der MX-5 pur und schlank. Das Ergreifende am Cockpit ist seine Schlichtheit. Nichts lässt sich verstellen, nur damit man eben etwas zum Verstellen hat. Statt dessen passt alles auf Anhieb. Sogar die Fahrposition - auch ohne Höhenregulierung von Lenkrad und Sitzen.

Als der halbe Nachmittag verfahren ist, weiß ich, dass es klappen wird mit dem Mazda und mir. Für verwinkelte Sträßchen gibt es kaum etwas Besseres als den frühen MX-5, der sich großartiger über den Asphalt wirbeln lässt als jedes Auto, das ich zuvor besaß.

Zwar auf das Wesentliche reduziert, vermeidet es der Japaner dennoch, den Fahrer zu quälen. Das mögen windgegerbte Traditions- Roadsterfahrer als schwer wiegende Charakterschwäche auslegen. Sollen sie halt. Dafür nervt der MX-5 nicht im Alltag.

Ich fahre bis weit in den Abend mit meinem MX-5 übers Land. Selbst als es abkühlt, bleibt das Dach offen. Denn die Heizung brodelt mit dem Ehrgeiz eines Vulkans, speit Heißluftstürme in den Fußraum, dass es mir schon in der niedrigsten Lüftungsstufe fast die Gummisohlen von den Pumas schmilzt.


Klappscheinwerfer nur bei der ersten Generation

Als die Dämmerung einsetzt, klappen die Scheinwerfer auf. Nur die erste MX-5-Generation trägt Schlafaugen, und sie allein sind schon ein Grund, sich für die frühen Modelle zu entscheiden. Sie stehen hart im Fahrtwind und auch deutlich im Sichtfeld. Aber sie lassen die Motorhaube noch länger, die Sitzposition noch niedriger und den Mazda noch roadsteriger wirken. An diesem Abend des Frühlinganfangs komme ich erst spät nach Hause. Der MX-5 kühlt tickernd auf dem Stellplatz ab. Ich ziehe ihm vom Fahrersitz aus das Dach über und flätze mich noch ein bisschen im Auto. Voller Freude, dass ich mir den Jugendtraum doch jetzt und erst jetzt gekauft habe. Hätte ich ihn mir früher erfüllt, ich hätte ihn vielleicht nicht so leidenschaftlich genossen. Wahre Liebe wartet.

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Sebastian Renz

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