Dodge Coronet 500: US-Cabriolet im XXL-Format: Einladung zur Mitfahrt

Dodge Coronet 500

Ich mag Cabrios, fahre aber ungern offen. Der Wind bläst einem kalt und bevorzugt von hinten in den Nacken und aufs Lenkrad. Bei großer Hitze in der Stadt droht dagegen ein Sonnenstich, wenn man keine Baseball-Mütze trägt. Man sitzt völlig ungeschützt vor Lastwagen-Abgasen, Vogeldreck und neugierigen Blicken in der dicken Luft. Manche Leute, die sich interessant finden, mögen das. Ich nicht.

Cabrios haben aber den Vorteil, zwei Autos in einem zu sein - einmal mit und einmal ohne Dach, was die Optik und auch den Umgang mit dem Auto radikal verändert. So zum Beispiel das Einsteigen oder Rückwärtsfahren mit und ohne Dach.

Fünf-Meter-Schlitten mit 7,2-Liter-V8

Wer kann, der grätscht beim offenen Auto auch mal elegant über die Tür oder wirft zumindest seine Jacke lässig auf den Rücksitz. Und beim Rückwärtsfahren geht der Blick wohlgefällig über eine ausladende Polster- und Blechlandschaft hinweg - alles meins. Ist aber das Dach geschlossen, fährt man quasi inkognito, mit schwarzem Hut und einer Augenmaske, wie sie Zorro trägt. Außerdem steigt man nicht mehr, sondern kriecht jetzt in das Auto hinein.

Dieses Wechselspiel funktioniert natürlich am besten mit einem großen, mit einem amerikanischen Cabrio. Kein kleiner Flitzer wie Mustang oder Corvette, sondern ein Fünf-Meter-Schlitten wie der Dodge Coronet 500. Hier sitzt der Chauffeur exakt in der Mitte und beherrscht so perfekt die Lage. Vor sich ein 7,2 Liter großer V8-Motor und hinter sich eine breite, angenehm gepolsterte Sitzbank. Beide besitzen einen hohen Unterhaltungswert. Und beim Fahren ist es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass hinten noch etwas Blech nachkommt, dass beim Flanieren etwas mehr Nachhaltigkeit erzeugt wird als in einem winzigen MG Midget. Offen und geschlossen.

Drei Mädels passen immer rein

Wenn man in diesem üppigen Ami offen unterwegs ist, wirkt das stets wie eine Einladung: Es sind noch drei bequeme Plätze frei. Drei Mädels passen immer rein und sind lockerer als nur eine - zu dritt kann ja nichts passieren. Auch wenn der Fahrer einmal kräftig aufs Gas tritt und die schmalen Hinterräder qualmen lässt, um zu zeigen, was er, der Wagen natürlich, so drauf hat. Gut 300 PS sind sogar heute kein Pappenstiel.

Aber auch alleine fahren, das spielerische Beherrschen von gut 1,6 Tonnen Lebendgewicht, untermalt vom kräftigen Brummen des V8, hat seine Reize. Richtig zähmen lässt sich so ein Dodge-Brocken jedoch nicht. Er ist eben kein Spitfire, sondern ein Lancaster-Langstreckenbomber, der ruhig seine Bahn ziehen will. Dies zeigt sich beim schnellen Offenfahren, wenn sich im Rückspiegel das gigantische Heck am Rande eines Drehers in voller Breite beobachten lässt. Wer schwache Nerven hat, der sollte besser geschlossen fahren.

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Franz-Peter Hudek

Autor:

Motor Klassik, Heft 04 / 2009

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