Einsteiger-Tipp: Saab 900 Turbo Cabriolet: "Cabrio-Turbo-Alltags-Familien-Klassiker"

Saab 900 Turbo S 16V Cabriolet Monte Carlo

Das Saab 900 Turbo Cabrio empfiehlt Motor Klassik-Redakteur Michael Schröder als ideales Einsteiger-Auto: Alltagstauglich dank vier Sitzen und großem Kofferraum und mit 175 PS ausreichend motorisiert, dazu ein echter Hingucker und nicht zu häufig im Straßenverkehr zu finden.

Es soll also ein familientaugliches Vollcabriolet sein. Ein Auto, das zudem den Alltag meistert und dabei nicht die Haushaltskasse überfordert - womit ein offener Rolls-Royce Corniche oder ein Ferrari Mondial Cabriolet bereits nicht mehr in Frage kommen. Mit rund 12.000 Euro sind gute Exemplare des Saab 900 Cabriolets außerdem deutlich günstiger.

Sportlich, komfortabel und wenn's sein muss, heiß wie eine Sauna

Was aber, wenn ein Mercedes-Benz zu perfektionistisch, ein Dreier-BMW nicht exklusiv genug und ein Käfer zu unsportlich erscheint? Dann könnte es sich durchaus lohnen, einen Blick in Richtung eines Saab 900 Cabriolet zu werfen. Natürlich sollte es sich dabei um die Top-Turbo-Version handeln. Die 175 PS bieten am meisten Fahrspaß und sind zugleich eine klare Ansage an die Sportwagenfraktion, denn viel schneller als ein 900er-Turbo sprintet auch die Empfehlung des Kollegen Hans-Jörg Götzl - ein Porscge 944 - nicht auf Tempo 100.

Ein offener Saab 900 verfügt zudem über vier vollwertige Ledersitze, einen Kofferraum, der Urlaubsreisen nicht ausschließt sowie ein dicklagiges Verdeck, das elektrohydraulisch öffnet und schließt und die Besatzung erwiesenermaßen sogar vor skandinavischen Winterstürmen schützt. Aber selbst ohne Dach würde man an solchen Tagen nicht erfrieren, weil die Heizungsanlage das Auto bei Bedarf in eine mobile Sauna verwandelt - was niemanden wirklich verwundert, weil das Cabriolet während der gesamten Produktionszeit von 1986 bis 1993 ausschließlich im nach Schwitzhütten verrückten Finnland gebaut wurde.

Sonderschichten für das begehrte Saab 900-Cabrio

Und zwar so solide, dass die gegenüber der Limousine mit 90 Kilo zusätzlichem Blech versteifte Karosserie selbst nach 200.000 Kilometern kaum Ermüdungserscheinungen aufweist. Dem Saab-Konzern war anfangs jedoch gar nicht klar, was für ein heißes Eisen er da im Feuer hatte. Ursprünglich nur als Kleinserie für den US-Markt vorgesehen, mussten rasch Sonderschichten gefahren werden, um der großen Nachfrage zumindest einigermaßen gerecht zu werden.

Nach Deutschland kam das Auto erst im Jahr 1987 - und obwohl es mit einem Grundpreis von 67.100 Mark definitiv kein Sonderangebot war, hatten die Schweden am Ende knapp 50.000 Exemplare der ersten Cabrio-Serie abgesetzt. Von denen genossen die meisten ein Leben als gepflegtes Zweitauto für den Sommer, wodurch der Bestand an guten Fahrzeugen bis heute als gesichert gilt.

Gutes Fahrwerk und hohe Qualität

Der Spaß beginnt, sobald der Fahrer am Steuer eines 900 Cabriolets sitzt und sich die schweren Türen mit einem Geräusch geschlossen haben, bei dem selbst Mercedes-Fans neidisch rüberschielen. Gleich darauf ertönt jenes Saab-typische, kernige Motorgrummeln, und sobald 3.000 Touren anstehen, sorgt die Turbine im Zusammenspiel mit der elektronischen Ladedruckregelung APC (Automatic Performance Control) für mächtig Druck.

Das Fahrwerk lässt sich von den 175 PS dabei nur wenig beeindrucken - es kann durchaus passieren, dass der Pilot für einen Moment vergisst, dass so ein elegantes Cabrio viel mehr ein Gleiter als ein Racer ist. Wie gesagt, es könnte sich lohnen, einen Blick in Richtung Saab zu werfen.

Für und Wider: Saab 900 Turbo Cabrio von 1989

Pro:  Grundsolides, weil wenig rostanfälliges sowie alltags- und wintertaugliches Cabriolet mit Klassikerstatus. Gute Exemplare gelten inzwischen als sichere Wertanlage

Kontra:  Hohe Ersatzteilpreise (vor allem für das Verdeck und die Turbomotoren), Getriebe bei den Turbos zu schwach ausgelegt, hoher Kupplungsverschleiß.

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Michael Schröder

Autor:

Motor Klassik, Heft 04 / 2010

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