Dass zu Lebzeiten kaum jemand seine wahren Qualitäten als Raum-Fahrzeug erkannte, macht den Multipla 600 heute umso sympathischer. Wie der legendäre Fiat-Chefkonstrukteur Dante Giacosa auf die Idee kam, den Fahrersitz über die Vorderräder zu verlegen, um auf der knappen Bodengruppe des Fiat 600 mit ganzen zwei Metern Radstand mehr Platz für Passagiere und Ladung zu schaffen, ist nicht überliefert. Jedenfalls nahm Giacosa das 600-Chassis samt Motor und Hinterachse, baute die Vorderachse des Fiat 1100 mit Schraubenfedern und breiterer Spur ein und umhüllte das Ganze mit genau so viel Blech, wie er es für nötig erachtete.
Kein Publikumsrenner
Dass das Resultat sämtlichen automobilen Schönheitsvorstellungen der Zeit widersprach, störte ihn nicht.
Die ungewöhnliche Anordnung des Fahrersitzes ermöglichte nicht nur drei komplette Sitzreihen auf 2.000 Millimetern Radstand. Sie zwang die Lenksäule auch zu abenteuerlichen Verrenkungen auf dem Weg vom Lenkrad zum Lenkgetriebe. Doch abgesehen von der als Lenksäule getarnten Stolperfalle zwischen den Pedalen gibt es an der Sitzposition wenig auszusetzen. Vielleicht bis auf die Tatsache, dass die Kopffreiheit nur für Passagiere im italienischen Normformat einigermaßen passt und das vordere Gestühl völlig unverstellbar ist. Nur das Fahrgefühl ist neu: Unmittelbar vor den Knien des Fahrers hört das Auto auf. Man fühlt sich ein wenig so wie auf einem Vespa-Roller mit Lenkrad, der beim Stehenbleiben nicht umkippt. In rund zehn Jahren Bauzeit waren nur etwa zehn Prozent der 600-Produktion Multiplas. Auch in Deutschland wurde der kleine Transporter trotz der sehr positiven Testberichte in der Fachpresse kein Publikumsrenner.




