Ford Mustang G.T. 500 Shelby Convertible

U.S. Open - Das Fitness-Studio auf Rädern

Ford Mustang G.T.500 Shelby Convertible

Dieser Shelby G.T. 500 bietet 482 PS - und eine neue Lust der Landstraße. Motor Klassik fuhr einen von 47 offenen Ford Mustang, die der Schlangenbeschwörer Carroll Shelby 1968 mit dem 427er-V8 der Cobra präparierte.

Der Anlasser zieht den Siebenliter-V8 nur zäh über die Kompression. 12,25:1 sind ein gewaltiges Wort bei 875 Kubikzentimetern pro Zylinder. Und das mal acht. Aber zwei oder drei der riesigen Töpfe zünden eigentlich immer. Und das reicht, um der geschmiedeten Stahl-Kurbelwelle den nötigen Spin zu verleihen.

Muskeln zum Reißen gespannt - Mustang G.T. 500 Shelby

Röchelnd mischen sich auch die restlichen Arbeitseinheiten in einen Leerlauf, der bei kaltem Motor humpelt wie Quasimodo im Dienst. Jetzt gilt es, den Shelby G.T. 500 auf den ersten paar Kilometern sachte zu zügeln. Hier bereitet sich ein cooles Muscle-Car auf seinen großen Auftritt vor, und kalte Muskeln wollen sorgfältig auf Betriebstemperatur gebracht werden. Sonst könnten sie reißen.

Auf eine Servo-Lenkung wird bei diesem Shelby verzichtet, und auch die knappere Übersetzung des Lenkgetriebes stählt die Oberarme des Piloten: Fahren mit einem Muscle-Car ersetzt ein halbes Fitness-Studio. Ansonsten benimmt sich das im Originalton dunkelgrünmetallic lackierte Cabrio manierlicher als vermutet. Die stramme Kupplung lässt sich brauchbar dosieren, die vier Vorwärtsgänge lassen sich brauchbar sortieren, und auch die Auspuffanlage scheint bei niedrigen Drehzahlen brauchbar gedämpft.

Das also soll der wildeste 2+2-Sitzer sein, den die Vereinigten Staaten 1968 auf die Räder gestellt haben? Beat Walti, Chefverkäufer der Züricher Lukas-Hüni-AG, in deren Boxen der deutsche Besitzer sein mechanisches Wildpferd zu Pflege und Wartung eingestellt hat, mögliche Höchstgeschwindigkeit soll jenseits der 210 km/h liegen.
 
Wie der Shelby G.T. 500 einst das warme Licht Kaliforniens erblickte
 
Ford ist Mitte der 60er Jahre sehr sportinteressiert und will den Speed-Freaks unter den Kunden einen aussichtsreichen Untersatz für Rennen in der amerikanischen Sportwagen-Kategorie B bieten. Also schickt man den 1964 vorgestellten Mustang zur Kur nach Venice im Großraum Los Angeles, zu Carroll Shelby.
 
Der Meister senkt den Anlenkpunkt der oberen Querlenker an der Vorderachse um 2,5 Zentimeter ab. Dadurch bekommt der Mustang vorn negativen Sturz. Straffere Federn, einstellbare Koni-Stoßdämpfer, ein dickerer Stabilisator vorn, eine kräftige Domstrebe und zwei an der Hinterachse längs montierte Druckstreben zum Zügeln der unter Last herumzappelnden Blattfedern zählen zu den Fahrwerksmodifikationen.
 
Dazu ein kräftiges Hurst-Viergang-Getriebe im Aluminium-Gehäuse. Die vordere Motorhaube weicht einer GFK-Version, und die schwere Batterie wandert in das Heck. Bleibt nur noch die Quelle der Kraft. Die stammt zunächst aus der 289er-Cobra, ein V8 mit 4,7 Liter Hubraum und 306 PS - mehr als zehn Prozent über der kräftigsten Ford-Version mit 271 PS. Innenbelüftete Scheibenbremsen von Kelsey-Hayes verzögern vorn; hinten tun es verbreiterte Trommeln.

Die Kugelumlauf-Lenkung wird extrem gestrafft, von einem Verhältnis von 27:1 auf 19:1. Das Resultat: Von Anschlag zu Anschlag sind es statt fünf nur noch 3,5 Umdrehungen.

Mehr Hubraum - weniger Geld: Der Siebenliter-V8 kostet nur 300 Dollar

Die ersten zwölf Shelby-Fastbacks, in den amerikanischen Rennfarben Wimbledon-Weiß mit Guardsman-blauen Streifen, entstehen bis Weihnachten 1964. Bis zum 1. Januar 1965 folgen die restlichen 88 für die Homologationsanzahl 100.

Die sportiven Coupés heißen 350 und laufen wirklich gut. Als Shelby über private Kontakte der Autovermietung Hertz 30 Autos verkaufen will, ordert sie 1.000. Die Automatikgewohnten Kunden müssen allerdings erst einen Test bestehen, ob sie mit dem Schaltgetriebe umgehen können. Wer den Test besteht, wird in den Hertz-Sportscar-Club aufgenommen.

1968 bietet Shelby als G.T. 500 die ersten Cabrios an, in denen nicht nur der kleine V8, sondern auch der inzwischen hinzugekommene Siebenliter-Motor der Ford-Serie 428 arbeitet. Diese Motoren sind deutlich billiger als die 427er-Aggregate der Cobra-Reihe, für die Shelby pro Stück 800 Dollar blechen muss. Der 428er kostet nur 300 Dollar, besitzt andererseits weder eine geschmiedete Kurbelwelle noch Schmiedepleuel. Von Hochleistungskolben ganz zu schweigen.

Nur 47 der schärfsten Shelby-Cabrios werden gebaut

402, nach anderen Quellen 404 Mustang-G.T. 500-Cabrios modifiziert Shelby 1968. Genau 47 werden auf Kundenwunsch jedoch mit den Kurzhub-Innereien des 427er-Cobra-Motors bestückt. Sideoiler-Block, Shelbys MR-Alu-Zylinderköpfe sowie die Le Mans-Kurbelwelle gehören dazu wie die Hochverdichtungskolben von Arias, der Damon-Vierfach-Vergaser und rollengelagerte Kipphebelwellen.

Verstärkte Competition-Halbwellen, die Centerforce Dual Friction-Kupplung und das Fangband um die Kardanwelle gibt es ebenfalls serienmäßig. Abscherende Kreuzgelenke gehören offenbar zur Tagesordnung, wenn die Fahrer eines Shelby G.T. 500 die Drosselklappe sprechen lassen.

Gepflegte Exemplare wie das hier vorgestellte braten heute wie damals schnelle Zeiten auf den Asphalt. Nur der Einstandspreis hat sich geändert: Gab es den G.T. 500 einst für 4.438 Dollar, sind es heute weit mehr als 50.000, die für ein Fastback-Coupé des Muscle-Machos angelegt werden müssen. Falls man einen findet.

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Malte Jürgens

Autor:

Motor Klassik, Heft 07 / 2004

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