Glas 1700 GT Cabriolet: Garant für Fahrspaß: Der Porsche aus Niederbayern

Glas 1700 GT Cabriolet

Erst der schöne Glas GT verschaffte dem Dingolfinger Kleinwagenhersteller mit Landmaschinen-Vergangenheit den Respekt der Etablierten. Jetzt war das Glas endlich voll - eine attraktiv gestylte Coupé- Karosserie, modelliert vom Maserati-Hofcouturier Pietro Frua.

Ein modern konstruierter, leistungsfähiger Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und Zahnriemenantrieb und ein sportwagenmäßiges Interieur mit sechs schönen Rundinstrumenten und sogar einem Fünfgang-Sportgetriebe auf Wunsch. Da liegt der erste Gang links unten wie beim Porsche 911 .

Der Glas 1700 GT bietet spielerisches Handling

Letztlich hat das provinzielle Image der Marke Glas den von auto motor und sport klar prophezeiten Erfolg des GT verhindert: "Die interessanteste Sportwagen-Alternative unterhalb der Preisklasse", schrieb das Fachblatt anerkennend. Trotzdem wurden bis 1967 nur knapp 6.000 Exemplare des hübschen und begabten Sportwagens hergestellt, 323 Cabriolets inklusive. Als Nachschlag gab es dann noch 1.261 Exemplare vom BMW 1600 GT. Das ist ein liebenswerter kleiner Bastard mit BMW-Schräglenkerachse hinten und mit dem drehfreudigen, 105 PS starken 1600 Ti-Motor mitten auf der Vorderachse.
 
Die günstige Gewichtsverteilung von 52 zu 48 Prozent gilt als großer Vorzug des zierlichen Glas GT. Sein Handling ist spielerisch, sein Kurvenverhalten benimmt sich trotz des kurzen Radstands von nur 2,32 Meter gutmütig bis leicht übersteuernd. Es verträgt problemlos die bayerische Hausmannskost in Gestalt einer Doppelquerlenker-Achse vorn und einer exakt geführten Blattfeder-Starrachse hinten. Selbst ein Maserati Ghibli vertraut dieser rustikalen Rezeptur. Vorn sorgt ein Fahrschemel beim Glas GT für mehr Verwindungssteifigkeit, das zahlt sich spätestens beim Cabriolet aus.

Nur 122 GT-Modelle entstanden

Dass dieses Fahrwerk auch im Glas mehr Leistung verträgt, beweist der 100 PS starke 1700 GT, dessen Zweivergaser Motor auf einmal zum bulligen Langhuber mutierte. Anders als bei der forschen 1300er-Drehorgel passt entspanntes Cruisen gerade zum offenen GT einfach besser. Nur rund 1.100 Mark mehr kostete damals das Roadster-Vergnügen à la Frua. Dennoch blieb es bei nur 122 Exemplaren. Die kleine Karosseriebaufirma Maggiora schweißte die GT-Modelle zusammen.

Sie kamen per Zug nach Dingolfing, die Verarbeitungsqualität streute stark, das Publikum blieb skeptisch. So verpasste man einen pfiffigen 60er-Jahre-Sportwagen. Mehr Instrumente als im 300 SL, die Lenkung angenehm direkt, die Schaltung so knackig zu bedienen wie in einem britischen Roadster.
 
Der Glas GT hätte ein Erfolg werden können. Aber die Zeit für phantasievolle Nischenmodelle war einfach noch nicht reif.

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Alf Cremers

Autor:

Motor Klassik, Heft 04 / 2009

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