Jaguar E-Type Roadster Serie 1

Der einzig wahre E-Type ist ein Flatfloor-Roadster mit 3,8-Liter, Alu-Instrumentenbrett und Moss-Getriebe. Punkt.

Der blaugraue Roadster füllt die enge Garage fast so gut wie die Lollo damals ihren Bikini. Mit vorsichtigem Standgas rollt er ans Tageslicht, bollert leise aus dem Auspuff und wirkt ganz unschuldig.

Unschuldiger jedenfalls als 1961 auf dem Genfer Salon. Damals war der neue Jaguar das Tier. Ein Sportwagen mit 265 SAE-PS und einem Drehmoment von 36 Meterkilogramm, verpackt in einer Karosserie, die mehr als nur flüchtig an Le Mans-Siegerautos erinnerte.

Hohen Auffälligkeitsfaktor

Die vor Juni 1962 gebauten Flatfloor-Modelle wurden damals schon wegen ihres dürftigen Platzangebots kritisiert. Zeitgenössische Tester lästerten gern, die Sitzposition sei auf die Körpergröße von Jaguar-Versuchsfahrer Norman Dewis zugeschnitten gewesen: 1,65 Meter. Eine der ersten Modellpflege-Maßnahmen betraf dann auch den zu bescheidenen Verstellbereich des Fahrersitzes. An die Eigenheiten des Flatfloor-Roadsters hat man sich schnell gewöhnt: die schwergängige Kupplung, den äußerst schmalen Grat zwischen Rückwärtsgang und der ersten sowie dritten Gangstufe.

Wobei sich das berüchtigte Moss-Getriebe recht umgänglich zeigt. Mit ein wenig Gefühl und Zwischengas lässt sich selbst der erste Gang bei fahrendem Auto geräuschlos und sanft einlegen. Und ja, man gewöhnt sich auch an den hohen Auffälligkeitsfaktor des E-Type, selbst in einer so unauffälligen Farbe wie Iceblue.

Kein beinharter britischer Roadster

Der E-Type ist selbst in seiner pursten, reinen Form kein beinharter britischer Roadster alter Schule, sondern ein feiner, kultivierter Reisewagen mit einem samtweich laufenden Sechszylinder und einer sensibel ansprechenden Federung, die sich im direkten Vergleich zu modernen, niederquerschnittsbereiften Sportwagen richtig sänftenartig ausnimmt. Ja, er kann auch anders. Aber man muss nicht unter acht Sekunden auf 100 km/h beschleunigen oder über 200 schnell fahren, um dem Reiz des E-Type zu erliegen. Womöglich liegt genau darin das Geheimnis seiner Renaissance.

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Heinrich Lingner

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