Jaguar Mark VII im Fahrbericht : Fliegender Engländer mit Tarnkleid

Jaguar Mark VII

Mit dem Jaguar Mark VII entwickelten die Briten bis zu den 60er Jahren die schnellste viertürige Limousine in Europa. Wer an sportliche Nachkriegs-Klassiker von Jaguar denkt, dem fallen in der Regel zwei Modelle ein: Mark II und E-Type. Dem Mark VII von 1951 traut man dagegen aufgrund seines herrschaftlichen Gutsherren-Auftritts keine Renn-Ambitionen zu. Ein gewaltiger Irrtum.

Sieht so eine Renn-Limousine aus? Der Gesamtsieger bei der Rallye Monte Carlo? Ein Klassensieger der Tour de France? Schon die Länge von fünf Meter und 1,7 Tonnen Gewicht sind eine gewaltige Herausforderung für den Piloten - auch für die Bremsen, die Lenkung und das Fahrwerk. Die herrschaftliche Jaguar Mark VII-Karosserie mit abgedeckten Hinterrädern, mit reichlich Chromschmuck und rundlichem Dachaufbau sowie Heckabschluss wirkt außerdem nicht sehr rasant. Sie gibt sich elegant bis elitär und sagt: bloß keine Hektik.

Außen elegant und elitär, innen schlägt ein Rallye-Herz

In der Seitenlinie entdecken wir als eingearbeitetes Relief die Roadster-Kontur des 1948 vorgestellten Jaguar-Sportwagens XK 120. Ein stilistischer Genie-Streich von Jaguar-Chef William Lyons, denn im Jaguar Mark VII schlägt das Herz des 200 km/h schnellen Straßensportwagens, dessen 3,4 Liter großer Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen 160 PS leistet und den Mark VII bis auf 165 km/h beschleunigt.

Der 1954 präsentierte Nachfolger Jaguar Mark VII M (Modified) mit 190 PS trieb die Tempospitze auf 175 km/h. Damit gelang 1956 dem Drei-Mann-Team von Rony Adams, Frank Bigger und Erik Johnstone der Gesamtsieg bei der Rallye Monte Carlo vor dem Mercedes-Benz 220 mit Walter Schock und Rolf Moll.

Jaguar Mark VII war der fliegende Engländer

Um die Überlegenheit des fünfsitzigen Jaguar Mark VII von 1953 zu dokumentieren - aus dem Jahr stammt unser Foto-Fahrzeug - genügt ein Blick in den damaligen Auto-Katalog. Dort finden wir zum Beispiel den Käfer-Aufsteiger Ford 12 M mit 38 PS und 110 km/h Spitze. Oder den Mercedes 170 V mit 45 PS und 116 km/h. Beide bewegten sich im Vergleich zum Mark VII mit Zeitlupentempo. Auch der große Mercedes 300 mit seinen mageren 115 PS musste sich vom fliegenden Engländer überholen lassen.

Das Besondere am Jaguar Mark VII ist eben, wie schon das Fachblatt „The Motor“ damals festhielt, dass viele Autos, die schneller als 160 km/h laufen, „einen starken Motor mit einem geringen Platzangebot für Passagiere und Gepäck kombinieren“. Der Mark VII sei dagegen „ein geräumiger, bequemer Fünfsitzer“.

Nicht nur schnell - auch geräumig

Tatsächlich ist man auf dem Ledersofa im Fond des Jaguar Mark VII gut aufgehoben, hat viel Platz für die Beine und genießt den Blick auf massives Echtholz der Türoberkanten und des Armaturenbretts sowie auf verchromtes Hartmetall der Fensterrahmen, Aschenbecher, Türöffner und Fensterkurbeln.

Hinter dem großen Lenkrad herrscht noch die typische Vorkriegs-Optik: Bedienelemente und Kontrollinstrumente sind hübsch symmetrisch in der Mitte des Armaturenbretts platziert, das Lenkrad selbst nahe der Windschutzscheibe. Ein kurzer Mittelschalthebel und der große, bis 5.500/min reichende Drehzahlmesser sind Hinweise auf die vom XK 120 übernommene Antriebsmechanik. Je nach Nationalität und Lenkradposition hat der Fahrer des Jaguar Mark VII entweder den Drehzahlmesser oder den Tachometer besser im Blickfeld.

Der vibrationsarm laufende DOHC-Sechszylinder zieht auch bei niedrigen Drehzahlen kräftig durch und erlaubt lässiges Dahingleiten ebenso wie spurtstarkes Überholen. Doch am meisten überzeugen beim Jaguar Mark VII die relativ direkte (4,5 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag) und präzise arbeitende Lenkung sowie die standhaften Trommelbremsen. Die leicht nach hinten versetzt eingebaute Antriebseinheit verhindert ein schwerfälliges Untersteuern.

Der Jaguar Mark VII ist für einen heißen Rallye-Ritt also gut gewappnet - wenn es sein muss auch mit vier anstatt nur zwei Copiloten.

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Franz-Peter Hudek

Autor:

Motor Klassik, Heft 12 / 2011

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