Kremer-Porsche 935 K3 im Fahrbericht: Der Jägermeister-Rennporsche

Kremer-Porsche 935 K3, Front

Die erfolgreichste Porsche-935-Version war der K3 der Kölner Kremer-Brüder: Sieg in Le Mans und Gewinn der Deutschen Rennsport Meisterschaft 1979. Am schönsten aber war und ist der Jägermeister-K3 von 1980.

Die 24 Stunden von Le Mans 1979 waren ein Rennen in bester, nämlich nervenaufreibendster Tradition des französischen Langstreckenklassikers: 21 der 55 gestarteten Teams setzten auf Porsche, da konnte aus Stuttgarter Sicht schon mal nicht viel schief gehen - zumal die beiden Werks-936 von Platz eins und zwei ins Rennen gingen.

Kundenteams ziehen an den Werks-Porsche vorbei

Dann aber fiel der erste Porsche 936 aus, der zweite wurde wegen unerlaubter Hilfe disqualifiziert. Damit war der Weg frei für die Kundenteams mit ihren Porsche 935, insbesondere von Georg Loos und den Kremer-Brüdern; Klaus Ludwig (im Team mit Don und Bill Whittington) hatte im Kremer-Porsche 935 K3 hinter den Werks-Sportwagen Typ 936 die drittschnellste Trainingszeit gefahren.

So lag der Kremer-Porsche 935 K3 also nach einem Viertel der Distanz in Führung (mit einem zweiten Kremer-935 unter Plankenhorn/ Winter/Guardijan auf Rang vier) und hätte das Rennen bequem nach Hause fahren können, spätestens als die beiden Loos-Porsche 935 K3 in den frühen Morgenstunden einen Motorschaden erlitten. Dann aber riss beim führenden Porsche 935 der Zahnriemen der Einspritzpumpe. Don Whittington baute einen extra mitgeführten Zahnriemen ein, doch der Ersatz riss ebenfalls. Anstatt nun den Porsche 935 wutentbrannt anzuzünden und drumherum zu tanzen, kam der Amerikaner zum Glück auf die Idee, den Zahnriemenantrieb der Lichtmaschine ab- und halbwegs passend umzubauen. Das funktionierte zwar nicht perfekt, doch es reichte, um an die Box zurückzuhumpeln und den Sieg zu retten.

Der K3 sorgt für die größten Erfolge

Das Siegerauto - und auch das Auto, in dem Klaus Ludwig anschließend in der Deutschen Rennsport Meisterschaft elf von zwölf Rennen gewann und den Titel holte - hört eigentlich auf den Namen Porsche 923 K3, sprich: Die dritte Version des Porsche 935 aus dem Kölner Hause Kremer. Die Gebrüder Erwin und Manfred Kremer mischten (unterstützt von Vater Nikolaus) seit 1962 im Motorsport mit, Erwin Kremer wurde 1970 Sechster in Le Mans auf einem Porsche 911 S und gewann im darauffolgenden Jahr den Porsche-Cup.

In den Siebzigern setzte Kremer Racing Maßstäbe in Sachen Professionalität, und mit dem Erscheinen des Porsche 934 Turbo begannen sie, eigene Konzepte zu verwirklichen. Dann folgte der erste nach Gruppe 5-Spezifikation aufgebaute und stark modifizierte Porsche 935, genannt K1. Die Weiterentwicklung hieß Kremer-Porsche 935 K2, der eigentliche Erfolg aber kam 1979 mit dem Kremer-Porsche 935 K3.

Volle Leistung dank Luftkühlung für den Lader

Als Grundlage für den Kremer-Porsche 935 K3 dienten aus Stuttgart angelieferten Basis-Karosserien des Porsche 930 Turbo, die mit Kotflügeln, Frontschürzen, Seitenteilen und Heckschürzen aus GFK von DP Motorsport komplettiert wurden. Trickreiche Lufteinlässe lenkten am Kremer-Porsche 935 K3 Kühlluft und Ansaugluft zu den Kühlern, zum Motor und zu den Bremsen, die gesamte Aerodynamik des Porsche 935 K3 zielte auf möglichst viel Abtrieb.

Dazu verlängerten die Kölner die Rohre des Überrollkäfigs ihres Kremer-Porsche 935 K3 hin zu den Aufhängungen, um diese weiter zu verstärken und das gesamte Auto steifer zu machen. Als Nebeneffekt konnten sie einige Teile der ursprünglichen Karosserie entfernen und durch leichte und leicht demontierbare Teile für Sevicearbeiten etwa am Motor ersetzen. Das eigentliche Erfolgsgeheimnis des Kremer-Porsche 935 K3 aber war der Ladeluftkühler, der die Ansaugluft für die beiden KKK-Lader im Unterschied zu den Werksautos nicht mit Wasser, sondern mit Luft herunterkühlte.

In der Folge konnten die Dreiliter-Boxermotoren des Kremer-Porsche 935 K3 über das gesamte Rennen ihre volle Leistung von rund 800 PS bei 8.000 Touren zur Verfügung stellen, während die Kraft bei der Konkurrenz mit Zunahme der Ansaugluft- Temperatur abnahm.

"Wasser heizt sich irgendwann auf, unser Luft-Luft-Kühler senkte die Temperatur konstant um 30 Grad", erklärt Uwe Sauer. Er hat damals als Techniker die Kremer-Porsche 935 K3 mit aufgebaut und ist heute zusammen mit Eberhard Baunach Geschäftsführer von Kremer Racing. "Damals hatten wir einfach zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Einfall und dazu ein Quäntchen Glück", meint der 58-Jährige. Und gute Beziehungen: Bilstein etwa fertigte für den Kremer-Porsche 935 K3 spezielle Dämpfer, Behr lieferte die Netze für die Kühler.

13 originale Kremer-Porsche und zahlreiche Karosseriekits

Der Erfolg kam dann nicht nur auf der Rennstrecke mit dem Sieg in Le Mans und dem Titel der DRM, sondern auch geschäftlich: Insgesamt baute Kremer 13 Exemplare des Porsche 935 K3 und verkaufte sie je nach Ausführung für 350.000 bis 375.000 Mark. Dazu gab es Umbaukits für Teams, die einen normalen Porsche 935 einsetzten und auf K3-Spezifikation umbauen wollten. Nach der Siegesserie 1979 sollte es dann im folgenden Jahr mit dem leicht modifizierten Porsche 935 K3/80 so weitergehen.

Mit Jägermeister war auch ein attraktiver Sponsor im Boot, der für die in den Augen vieler Fans schönste, auf jeden Fall aber auffälligste Kremer-Porsche 935 K3-Lackierung sorgte. Doch irgendwie klebte dem nun vom Nummer-Zwei- zum Nummer- Eins-Fahrer gewordenen Axel Plankenhorn (Ludwig war zu Ford gewechselt) in dieser Saison das Pech am Lenkrad seines Kremer-Porsche 935 K3, weshalb Kremer Racing mitten in der Saison John Fitzpatrick anheuerte, der noch drei Siege am Norisring, in Zolder und Hockenheim herausfuhr.

Für 1981 brachte Kremer dann den Porsche 935 K4, der sogar über einen Gitterrohrrahmen verfügte, sich ebenfalls gut verkaufte und nach dem Ende der Gruppe 5 in Europa noch eine Weile in den USA erfolgreich war. Der Jägermeister-Porsche 935 K3 mit der Chassis-Nummer 000 00011 aber ging ab 1981 in den Besitz von John Fitzpatrick Racing über. Dieser setzte den Wagen in der IMSA-Serie ein und räumte noch einige Pokale damit ab.

Anschließend fuhr der Kremer-Porsche 935 K3 unter verschiedenen Flaggen, bis er vor fünf Jahren wieder von Kremer betreut wurde, nun im historischen Motorsport. Und als 00011 vor zwei Jahren einen neuen Besitzer suchte, griff Eberhard Baunach (auch aus Köln, klar) zu. "Ich hatte zuvor bereits einen K2", sagt der 46-jährige Unternehmer: "1977 war ich 13, da hat sich der Porsche 935 K2 auf meine Festplatte gebrannt, auch durch die Artikel in auto motor und sport." Zudem war der Porsche 935 K2 der Grund dafür, dass Baunach 2007 überhaupt eine Rennlizenz machte, schließlich will so ein Rennauto ja auch gefahren werden und nicht als Museumsobjekt Standschäden bekommen.

Klassensieg zum Einstieg

"Ich bin gewissermaßen ein Spätberufener", grinst Baunach. Auf jeden Fall ein kluger: Zunächst übte er viel mit einem 1976er 911, nahm sich einen Könner als Fahrlehrer und nutzte jede Gelegenheit, um bei Track-Days in Spa, Zolder oder am Nürburgring weiter zu üben. Im Mai 2008 dann das erste Rennen mit dem Porsche 935 K2 in Assen - Platz 4 gesamt und Erster in der Klasse. Kein schlechter Einstieg. Das Debüt mit dem Porsche 935 K3 folgte beim Oldtimer-Grand Prix 2009 im vollbesetzten Starterfeld des DRM-Revival; diesmal kam Baunach als 14. nach Hause. "Im Vergleich zum K2 fährt sich der Porsche 935 K3 mit seinen beiden Turboladern viel angenehmer, das Turboloch ist bei Weitem nicht so schlimm", meint er. "Außerdem hat der Kremer-Porsche 935 K3 rund 120 PS mehr Leistung."

Heute wird die Leistung auf 750 PS gedrosselt

Wobei die Kremer-Techniker die Leistungsfähigkeit des Dreiliter-Triebwerks im Porsche 935 K3 zugunsten längerer Lebensdauer heute ohnehin nicht voll ausreizen und es bei rund 750 PS bei 7.800 Umdrehungen bewenden lassen. Und selbst die ruft Baunach nicht immer ab: "Ich schalte meist bei 7.000 bis 7.500 Touren; der Motor hat schließlich bereits ab 4.000 Leistung und geht bei 5.500 richtig los."

Zudem will er den Wagen ohnehin respektvoll behandeln: "Ich hole den Kremer-Porsche 935 K3 nicht für jedes Rennen raus, nur für Gelegenheiten wie den Oldtimer-GP oder das Eifelrennen." Und er ergänzt: "Unterm Strich fahre ich eher Material schonend." Schließlich handelt es sich hier um historisch wertvolles Material, was allerdings wie üblich von manchen angezweifelt wird: Immerhin gibt es echte Porsche 935 und nicht ganz so echte, und vom Kremer-Porsche 935 K3 mit der Nummer 00011 existiert noch ein Exemplar in Amerika.

Uwe Sauer aber ist sicher, dass der Kremer-Porsche 935 K3 in Köln der echte Jägermeister-Wagen ist: "Da sind beispielsweise ein paar Lüftungskanäle so gemacht, wie nur wir sie damals gemacht haben", sagt er. Die Expertise beruhigt auch Eberhard Baunach, der zurzeit ohnehin andere Dinge im Kopf hat: Seit rund einem Jahr ist er Vorsitzender der Fahrergemeinschaft historischer Rennsport, und vergangenen August hat er Kremer Racing gekauft. Der Mann hat noch viel vor, nicht nur mit seinem Kremer-Porsche 935 K.

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Hans-Jörg Götzl

Autor:

Motor Klassik, Heft 02 / 2011

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