Extrem spartanisch ist der RS 1000 möbliert, gelb abgestepptes Kunstleder bringt ein bisschen Noblesse ins Spiel. Wie es sich für so ein Auto gehört, dominiert ein großer Drehzahlmesser den Instrumententräger. Sein roter Bereich beginnt bei 5.500 Touren. Der Tacho reicht bis 250 km/h - eine Geschwindigkeit, die auch bergab und mit Rückenwind nie erreichbar ist.
Hinter den Sitzen kauert der Motor, der beim ersten Startversuch mit immenser Lautstärke und heftig schüttelnd zum Leben erwacht. Das nun losbrechende Soundspektakel scheint nicht zu einem Sportmobil zu passen: Der RS 1000 wird wie einst zu DDR-Zeiten von einem ein Liter großen Dreizylinder-Zweitakter befeuert, der aus dem Wartburg 353 stammt. Allmählich beruhigt sich das hektische Rengdengdeng-Getöse, der Abgasnebel lichtet sich.
Hartes Fahrwerk, heftiges Übersteuern
Knatternd und dröhnend setzt sich das "Plaste-Coupé" - so wurde es seinerzeit in der Ost-Presse genannt - in Bewegung. Tatsächlich besteht nur die Außenhaut aus glasfaserverstärktem Kunststoff, Rahmen und Fahrgastzelle sind aus solidem Stahl. Es empfiehlt sich, die Gänge auszufahren, um auf Tempo zu kommen. Wenn der Motor bis 4.000 Touren hochjubelt, macht das Auto zunehmend Spaß. Obwohl das Fahrwerk hart und stößig ist und der Abrollkomfort der breiten 205er-Reifen schlecht.
Die kurvige Piste des ehemaligen "Großdeutschlandrings" ist genau das Richtige für den heftig übersteuernden Mittelmotor-Sportler, der permanent volle Konzentration erfordert. Zunächst scheinen die Räder an der Fahrbahn zu kleben, dann drängt das Heck nach außen. Unbedingt auf dem Gas bleiben, nicht bremsen - dann stabilisiert sich die Fuhre. Wer das Auto im Griff hat, erlebt eine ungeahnt hohe Querbeschleunigung und darf sich an Zwischenspurteinlagen der brachialen Sorte berauschen.




