Peugeot 304 S Cabriolet: Kleiner unscheinbarer Charmebolzen aus Frankreich

Peugeot 304 S Cabriolet

Es fällt schwer zu glauben, dass in Deutschland zwischen 1970 und 1975 rund 4.000 Exemplare des Peugeot 304 Cabriolets verkauft worden sind. Denn die Aussicht, heute auf ein gut erhaltenes Exemplar zu treffen, ist nahezu aussichtslos.

Offene 304 sind eine besonders rare Spezies unter den Automobilen, was sich längst im Preis widerspiegelt: Unter 10.000 Euro dürfte ein so gepflegtes Fahrzeug wie das Fotomodell kaum zu ergattern sein.

Die Vorzüge dieses Cabriolets werden häufig unterschätzt

Vermutlich war dieser kleine Zweisitzer vielen ganz einfach zu unscheinbar - um ihn aufzuheben, zu pflegen oder gar zu restaurieren. Und wenn schon ein offenes Auto von Peugeot, dann durfte es in den meisten Fällen das von Pininfarina gezeichnete, vornehme 504 Cabriolet sein. Oder man griff gleich zu britischen Roadstern oder italienischen Spidern, gegen die ein 304 Cabrio zugegebenermaßen recht unscheinbar auftritt: Die Linie mit dem auffällig langen Kofferraumabteil stammt aus dem hauseigenen Designstudio und kommt quasi ohne elegante Rundungen oder nennenswerte Details aus.

Doch dieser kleine Peugeot ist ein Charmebolzen, einer, der sich erst allmählich positiv bemerkbar macht. Trotz Sitzen aus Kunstleder oder eines unschönen Lenkrads vor drei relativ lieblos montierten Rundinstrumenten. Zu viel Ästethik steckt wahrlich nicht in diesem Auto, dessen technisches Konzept bereits mit der 204-Baureihe im Jahr 1964 debütierte und damals als überaus zukunftsweisend galt: ein quer eingebauter Frontmotor mit obenliegender Nockenwelle, Frontantrieb, Zahnstangenlenkung und mit Einzelradaufhängung rundum.

75 PS sorgen im Peugeot 304 Cabrio für Fahrspaß

Nach zwei Produktionsjahren erhielt das bis dahin 65 PS starke 1300er-Triebwerk eine Leistungskur: ein Doppelvergaser sorgte ab 1972 für 75 PS - damit verfügt der Peugeot über ein diesem Auto auf den ersten Blick gar nicht zuzutrauendes Temperament. In seiner Bauzeit fuhr der 304 bereits Kreise um seinen Hauptkonkurrenten, das Käfer Cabriolet. Heute reicht die Kraft immer noch für entspanntes Landstraßensurfen.

Das Fahrwerk macht zudem vieles mit und lässt kaum vermuten, dass man ein fast 40 Jahre altes Auto bewegt. So ein 304 verwöhnt seine Besatzung nicht nur mit sehr viel Platz, sondern auch mit einem unerwartet hohen Federungskomfort, er läuft trotz eines recht kurzen Radstands tadellos geradeaus und folgt anstandslos jedem Lenkbefehl. Oberhalb von Tempo 40 macht sich nicht einmal die fehlende Servounterstützung für die Lenkung negativ bemerkbar.

Wie gesagt, der offene 304 ist ein kleiner Charmeur, einer, der ein wenig Zeit braucht, um zu gefallen. Doch es muss sich erst einmal einer finden, um es auszuprobieren.

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Michael Schröder

Autor:

Motor Klassik, Heft 04 / 2009

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