Pontiac Firebird Trans Am: Der feier-Burt

Wenn Burt Reynolds als Bandit in „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ mit seinem Firebird die Polizei von einem Truck voller Schmuggelbier ablenkt und eine Braut vor der Hochzeit rettet, dann gibt‘s die große Sause auf dem Highway.  

Da braut sich was zusammen auf den Highways zwischen Texarkana und Atlanta. Ein schwarzer Trans Am grollt über die Hügel, donnert durch kleine Ortschaften, blitzt im Wald auf Lichtungen kurz zwischen den Bäumen hervor – dauernd mit ein paar quengelnden Polizeiautos am Hintern. Den Pontiac fährt Burt Reynolds, der sich selbst spielt. Das kann er gut. Als US-Südstaaten-Bursche, der nie richtig erwachsen wird, heißt er diesmal Bandit. Mit seiner wilden Fahrerei im Trans Am lenkt er das Interesse der Highway Patrol von einem Kenworth- Truck mit 400 Kisten Bier ab. Den Laster fährt Bandits Kumpel Schneemann – gespielt von Jerry Reed, der auch die musikalische Umsetzung des Titelsongs zu verantworten hat. Bandit und Schneemann haben 28 Stunden Zeit, um die 670 Meilen von Texarkana nach Atlanta zu fahren, dort die Plörre aufzuladen und sie über vier Staatengrenzen zurück nach Texarkana zu schmuggeln.
 
Der Pontiac Firebird Trans Am
 
Schaffen sie es, gewinnen sie eine 80.000-Dollar- Wette. Zuvor müssen sie neben der Patrol vor allem einem Fast-Schwiegervater entfliehen: Buford T. Justice, Sheriff von Portague County, jagt mit seinem Sohn dessen Braut hinterher. Die heißt Carrie (gespielt von Sally Field), rennt von der Trauungszeremonie weg und hüpft in voller Hochzeitsmontur in Bandits Trans Am. Komplizierter wird es aber nicht mehr in „Ein ausgekochtes Schlitzohr“, der Mutter dutzender Filme, die die Wörter „Highway“, „Hölle“ und „los“ im Titel tragen. Nicht einmal promovierte Literaturwissenschaftler könnten in den 1976 gedrehten Film Tiefgründigkeit hineininterpretieren. Der erste Teil der Schlitzohr-Trilogie ist eine einzige Verfolgungsjagd. Gut, auch die Tatsache, dass Burt Reynolds (Obacht bei der Aussprache des Namens: Der Amerikaner schmatzt ihn „Börreinllldz“ aus) in den 70er Jahren als Sexsymbol gilt, wird nicht unbedingt nur subtil angedeutet. Deswegen überwindet Carrie die spontane Trennung von ihrem Fast- Ehemann in dem Moment, in dem sie aus dem Brautkleid schlüpft und es aus dem offenen T-Roof des Trans Am wegflattern lässt.

6,6 Liter Hubraum und nur 180 PS
 

Sie und Bandit grabbeln dann bald ein bisschen aneinander herum – Bandit nimmt dazu sogar den Cowboyhut ab und zeigt seine Sonntagsfrisur. Aber sobald das alles zu frivol oder die Dialoge der beiden mit dem Themenschwerpunkt „Käsekuchen“ zu seicht werden – also etwa alle zwei Minuten – bratzeln sie wieder an einer Streife der Highway-Patrol vorbei, und die nächste Verfolgungsjagd beginnt. Es geht also vor allem darum, den Trans Am möglichst immer quer über Highway und Waldwege zu schrubben. Während sich die Autos der Polizei – meist Plymouth Satellite – und der Pontiac LeMans von Sheriff Justice dabei furchtbar weh tun, kann Bandit mit dem Trans Am Flüsse durchfahren oder überspringen, Briefkästen niedermähen oder Vorgärten umpflügen und hat danach doch höchstens einen Spritzer Lehm auf dem glanzpolierten Lack. Und er ist ja auch ein massives Auto, der Trans Am, so brünftig, wie er jetzt da steht.
 
Mit gold umglitterten Fensterrahmen und einem plusternden Adler auf der Motorhaube. Die erscheint aus der Fahrerperspektive weitläufig wie ein Fußballfeld und wird am Strafraum von einer Hutze durchbrochen, durch die der V8 schnorchelt. Es gehört schon ein großes Maß an Erfahrung und Entschlossenheit dazu, aus 6,6 Liter Hubraum nur 180 PS herauszubekommen. Aber wenn jemand das schafft, dann GM-Techniker. Auch wenn es im Film immer so klingt, als drehe der Motor 12.000 Touren, bittet die lang übersetzte Dreigang- Automatik den V8 nur an hohen Feiertagen über die 2000er-Marke. Da ist das Meiste aber ohnehin schon passiert. Bei 1600 Touren stampfen die Kolben 435 Newtonmeter zusammen. Das Drehmoment wirft sich auf den Antrieb.

Im Leerlauf am Grunzen
 
Der gibt das einfach mal so an die Hinterreifen weiter, die im Vergleich zu Sportwagenpneus aussehen, als seien sie von einem Schulbus abmontiert. Doch wenn die 15-Zöller ein wenig herumgequalmt haben oder die Automatik- Box in die mittlere Stufe hochschaltet, schiebt das Sportcoupé mit der Wucht eines Erdrutsches voran – auch wenn einiges vom Geröll im Wandler hängen bleibt. Dabei macht der V8 aus dem Trans Am kein unangreifbares Auto – ein Golf I GTI beschleunigt schneller, rennt kaum langsamer und verbraucht weniger als die Hälfte. Aber, Junge, hat der V8 einen Klang: Im Leerlauf grunzt der 6,6-Liter-Stahlklotz vor sich hin, räuspert sich ab und zu, wenn ihm ein Happen Kraftstoff in der Benzinröhre stecken bleibt.
 
Wählhebel auf D und Fuß von der Bremse – der Pontiac bollert los. Ein Tapser Gas, und jeder einzelne Zündvorgang hallt als Donner aus den Auspuffrohren. So verscheucht der Trans Am andere Autos und brüllt sich selbst Mut zu – für schnelles, enges Kurvenkratzen. Darauf ist er so gut vorbereitet wie ein Dinosaurier – einer mit Turnschuhen immerhin. Denn der Pontiac ist in einem Land groß geworden ist, in dem es keine richtigen Kurven gibt. Sondern in dem es schon ein Richtungswechselfest ist, alle 200 Meilen mal nach einer Stoppstelle rechts abzubiegen. Dafür, dass sie sich mit Kurven kaum auskennt, reagiert die Lenkung gar nicht mal so schlimm unpräzise.

Bloß nicht erschrecken
 
In Biegungen untersteuert der Trans Am heftig. Das schaut unwürdig aus, wenn ein Fünf-Meter-Hinterradantrieb-Coupé mit der Nase voraus dem Straßengraben entgegenschnüffelt. Also das Gaspedal aufs Bodenblech trampeln, dann schunkelt die starre Hinterachse nach außen – jetzt aber richtig. Das erschreckt den Trans Am selbst am meisten. Wenn er sich etwas daran gewöhnt hat, gelingt ihm wildes Fahren aber erstaunlich gut – wobei er auch dann noch nicht wirklich schnell unterwegs ist. Aber um ein paar Streifenwagen abzuhängen, reicht es immer. Auch als vogelwilder Trans Am wird aus Firebird kein Sportwagen, er bleibt ein gemütliches Langstreckencoupé. So halten die Vordersitze jede Form von Seitenhalt für geradezu obszön. Fahrer und Beifahrerin flätzen im breiten Innenraum so weit voneinander entfernt, dass es – schon wegen der dicken Mittelkonsole – nur zu gewollten Annäherungsversuchen kommen kann.
 
Auch das Fahrwerk gibt sich schmusig: Die Vorderachse steckt die meisten Schlaglöcher weg. Die blattgefederte Hinterachse trampelt ihr dagegen missmutig und weniger engagiert hinterher. Auf guten, möglichst geraden und gern auch mehrspurigen Straßen kommt dann aber die große Harmonie auf. Der Fahrer sieht direkt auf die Hutze auf der Haube, die Sonne glitzert durch die transparenten und herausnehmbaren Dachhälften. Die Automatik schaltet sanft. Es ist erst das zweite Mal, aber sie hat damit schon ihre letzte Stufe eingelegt. In der könnte sie den restlichen Nachmittag bleiben. Doch dann jault schon wieder eine Sirene los. Bandit lässt den Trans Am losdonnern. Am Schluss gewinnt Bandit die Wette, hat zumindest mal für die nächsten paar Monate die Frau fürs Leben gefunden, düst mit einem Cadillac Cabriolet davon. Und grinst von einem Schlitzohr bis zum anderen.

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Sebastian Renz

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