Rover 827 Coupé im Fahrbericht: Rover-Craft mit Honda-Technik

Rover 827 Coupé

Die Rover 827 sind aus dem Straßenbild fast verschwunden. Das liegt auch daran, dass die Oberklasse-Modelle aus der Ehe von Honda und Rover über zu wenig Faszination verfügen, um geliebt zu werden. Doch ein paar Fans gibt es noch.

Da meint es jemand offensichtlich Ernst. Schickt per E-Mail einen sieben Seiten langen Brief an die Redaktion, um über sein Auto zu erzählen. Und fügt der Sendung am Ende auch noch eine druckreife Fotoproduktion hinzu, die vor den Toren Frankfurts geschossen wurde. Solche Post bekommen wir tatsächlich nicht alle Tage. Jetzt erst einmal einen Kaffee holen und das Ganze in aller Ruhe betrachten.

Aus Honda Legend wird  Rover 800

Also, der Absender heißt Christian Vogel, und sein Auto ist ein schwarzes Rover 827 Coupé. Kurze Pause. Rover? Stimmt, da war mal was. Unauffällige Mittelklasse-Modelle, die in den achtziger und neunziger Jahren auf dem Kontinent ungefähr so beliebt waren wie der klassische britische Frühstücksbrei Porridge. Autos ohne markenspezifisches Flair, die eigentlich genauso gut aus Japan stammen könnten - was sie größtenteils ohnehin schon tun: Die 200er- sowie die 400er-Serie sind nahezu baugleich mit Honda Civic und Concerto, während die 1986 vorgestellte 800er-Serie im Prinzip ein Honda Legend ist. Weil Rover-Modelle zudem auch noch so aussehen wie ihre japanischen Teilespender, greifen viele Kunden gleich zum obendrein besser verarbeiteten Original.

Zurück zum Brief. Christian Vogel erzählt, wie er 2008 zu dem Auto kam. Die Entscheidung fiel offensichtlich in wenigen Sekunden. Ein Kaufzusage aus dem Bauch heraus. Keine Besichtigung und keine Probefahrt, weil sich das Coupé im 400 Kilometer entfernten München befindet. Dafür Herzklopfen und feuchte Hände. Die wenigen Bilder der Online-Verkaufsanzeige genügen ihm: "Ich hatte das Gefühl, dass zwischen mir und diesem Auto sofort eine besondere innige Verbindung bestand." Doch vor der Überführung steht erst einmal der geplante Jahresurlaub an. Eine gute Gelegenheit, schreibt Vogel, um seine Lebensgefährtin von der Notwendigkeit des spontanen Neuerwerbs zu überzeugen. Am Rande sei bemerkt, dass zum heimischen Fuhrpark bereits zwei Modelle aus dem Rover-Konzern gehören.

Der Rover 827 erinnert an seine Ahnen

Gute Gründe für das Coupé findet Vogel jedoch rasch - das Auto, Jahrgang 1995, spricht quasi für sich: Es befindet sich in einem exzellenten Pflegezustand, verfügt über ein komplett durchgestempeltes Scheckheft, und nichts deutet darauf hin, dass es mehr Strecke abgespult hat als die angezeigten 126.000 Kilometer. Und Vogel schwärmt von der gediegenen Eleganz, die sein Neuerwerb ausstrahlt - nach einer grundlegenden optischen Überarbeitung der 800er-Serie im Jahr 1991 darf nun auch das zwei Jahre später präsentierte Coupé mit seinem verchromten Grill endlich wieder an klassische Rover-Vorbilder aus den sechziger Jahren erinnern.

Schließlich die erste Fahrt. Auch die Youngtimer-Redaktion freut sich spätestens jetzt, dass nichts gegen den Kauf gesprochen hat. Der Trip geht von München nach Berlin, wo das Auto bei den Eltern erst einmal im Winterlager verschwindet. Ein langer, jedoch entspannter Ritt, weil es im Innenraum des Coupés so behaglich zugeht wie im Kaminzimmer eines vornehmen Londoner Herrenclubs. Poliertes Walnussholz, schweres, mit feinem Leder bezogenes Mobiliar, Klimaautomatik, ein elektrisches Schiebedach sowie eine hochwertige Musikanlage zählen bei dem einst 69.950 Mark teuren Auto bereits zur Serienausstattung. Das neue Luxus-Coupé rangiert ganz oben in der Rover-Hierachie, und mit ihm sind große Hoffnungen verknüpft. Es soll das angeschlagene Image des damals größten britischen Automobilherstellers wieder aufpolieren.

Im Mai 2009 holt Vogel sein Auto endlich in seine Wahlheimat Frankfurt. Dort wird es von einem Spezialisten auf Herz und Nieren überprüft, ernsthafte Mängel finden sich allerdings nicht. Sicherheitshalber lässt er jedoch Zahnriemen und Wasserpumpe wechseln, bevor das Auto als Alltagsfahrzeug unterwegs ist. Und für Fahrten nach Hamburg oder an den Gardasee eingesetzt wird. Später kommen noch neue Bremsbeläge hinzu, um die TÜV-Hürde zu meistern. Bis auf eine sich lösende Zierleiste und einen leicht undichten Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit verläuft die Saison problemlos. Vogel hat es nicht anders erwartet.

Leichtmetall-V6 mit 169 PS

"Auf japanische Großserientechnik ist eben Verlass", schwärmt der Rover-Fan. Im schwarzen Coupé arbeitet nach wie vor das V6-Leichtmetall-Triebwerk aus dem Honda Legend, das von den Briten bereits seit Einführung der 800er-Serie im Jahr 1986 als Topmotorisierung verwendet wird. Doch während der japanische Konzern Mitte der Neunziger bereits auf eine überarbeitete 3,2-Liter-Version setzt, muss sich Rover weiterhin mit der ursprünglichen 2,7-Liter-Variante zufriedengeben. Diese leistet 169 PS, die über eine Viergangautomatik an die Vorderräder weitergereicht werden. Für Christian Vogel allemal ausreichend für alle Lebenslagen.

Am meisten genießt er es, über Landstraßen zu gleiten. An die mitunter heftigen Schaltrucke der Automatik hat er sich längst gewöhnt. Die Laufkultur des Vierventilers überzeugt ihn hingegen weiterhin, obwohl er nicht besonders durchzugsstark ist und ihm bei hohen Drehzahlen die Puste ausgeht. Das schicke Coupé will aber auch gar nicht schnell gefahren werden. Weil das komfortabel abgestimmte Fahrwerk dann rasch an seine Grenzen stößt. Ein Benzinverbrauch von rund 14 Liter pro 100 Kilometer war schon bei der Vorstellung des Autos nicht mehr zeitgemäß.

Schwamm drüber. Solch profane Nörgeleien können einen Rover-Fahrer wie Christian Vogel nicht aus der Reserve locken. Er sieht sich als Individualist, der sein seltenes Auto mit viel Laune und großem Stolz bewegt und - wenn auch zähneknirschend   so manche Sorgen und Nöte akzeptiert (die höhere Steuerlast eines Euro-1-Autos beispielsweise). Nach sieben Seiten wird sonnenklar: Dieser Mann meint es wirklich ernst.

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Michael Schröder

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