Sein Projektname hieß Shooting-Brake - Jagdwagen. Volvo-Direktor Gunnar Engellau gab 1966 die Parole aus, das Sportmodell P 1800 müsse attraktiver und moderner werden. Das große Facelift sollte ohne große Investitionen in den Werkzeugbau erfolgen. Volvos Chefdesigner Jan Wilsgaard ließ sich für seine Problemlösung vom Aston Martin Shooting Brake inspirieren. Ein langes flaches Kombiheck mit durchgehender Seitenscheibe würde dem betagten P 1800 jene Dynamik verleihen, die sein rundlicher hoher Hintern vermissen ließ. Außerdem bietet der knapp geschnittene Zweipluszwei als Estate deutlich mehr Nutzwert.
Very British
Überhaupt ist das Heck seine Schokoladenseite. Die gläserne, grün getönte Heckklappe mit dem filigranen Chromgriff wird zum transparenten Blickfang, der Doppelrohrauspuff mit der Chromblende schmückt das wohl arrangierte Ensemble in unaufdringlicher Weise. Die Frontpartie gibt sich zwar Mühe, kann aber nicht mithalten. Innen empfängt der Schneewittchensarg den Gast nach Öffnen der rahmenlosen Türen mit behaglichem Ambiente.
Feine Ledersitze, die tiefe, sehr entspannte Sitzposition vor dem steilen Lenkrad, der Uhrmacherladen von Smiths, sieben mattschwarze Zifferblätter auf marmoriertem Metall - all das wirkt very British.
Wohnliches Zuhause mit exklusiver Note
Der Motor spricht eine rustikale Sprache. Sein derber Akzent mag nicht so recht zum gediegenen Ambiente passen. In seiner mechanisch präsenten Akustik erinnert er an den Leyland-B-Motor– und von genau so schlichtem konstruktiven Gemüt ist er auch. Das vermeintlich zarte Schneewittchen ist real ein Männerauto, an dem sich die Damen die Fingernägel abbrechen.
Aber er ist gutmütig. Sein sauber konzipiertes Starrachsfahrwerk macht ihn in schnellen Kurven zum ausgeprägten Untersteurer. Der Volvo 1800 ES ist der Märchenprinz für Einsteiger im scheinbar geheimnisvollen und verwunschenen Oldtimerwald. Er erfüllt fast alle Wünsche. Er ist selten, sieht gut aus und bietet ein wohnliches Zuhause mit exklusiver Note.




