VW 1303 S: Gelb-Schwarzer Renner

Jahrzehntelang hatte die VW-Fangemeinde gebeten und gebettelt: Gebt uns einen sportlichen Käfer. Passiert ist bis August 1972 allerdings nichts. 

Dann kam der von den Amerikanern liebevoll Superbug genannte 1303 im schwarzgelben Trainingsanzug - mit dem 1,6 Liter großen 50-PS-Motor und der Aufforderung an den Kunden, den Muskelaufbau selbst zu besorgen.

Tacho nur bis 160 km/h

Ein Blick durch die Seitenscheibe führte jedoch zu Irritationen: Im Instrumentenbrett verbarg sich ein Tacho, auf dem die Skalierung nur bis 160 km/h reichte.

Da konnte irgendetwas nicht stimmen - richtige Rennautos müssen dort mindestens 200 stehen haben, besser natürlich noch deutlich mehr. Der Herr Papa konnte als eingefleischter VW-Fahrer weiterhelfen.

Nur 50 PS wollte er dem runden Boliden zugestehen. Und die 160 km/h sollte der Filius mal auch gleich wieder vergessen, bei echten 140 Sachen sei Schluss.

Technische Highlights hingegen sucht man vergebens, denn unter dem Motordeckel werkelt nicht nur der vom normalen 1303 S bekannte Boxer.

Bescheidener Geradeauslauf

Mit anderen Worten: Der Gelb-Schwarze Renner ist ein kreuzbraver VW. Optisch zwar ein wenig laut, technisch aber ganz bewährte Großserie und schon vor 30 Jahren leicht schwach auf der Brust. Doch der GSR lässt sich zügig und ohne große Aufbaubewegungen um kleinste Ecken werfen.

Sein eher verhaltenes Temperament stört hier nicht, und ein breiter Grenzbereich ermöglicht kontrolliertes Driften - wenn der Untergrund weniger griffig ist. Tückisch ist der 1303 S dabei nicht. Eine nicht zu leichtgängige und für Käfer-Verhältnisse überraschend präzise Lenkung unterstützt die Bemühungen des Fahrers um einen sportlichen Auftritt erheblich. Das Getriebe hinterlässt dagegen eine zwiespältigen Eindruck mit gelungener Abstufung, aber schlechter Schaltpräzision. Der Geradeauslauf ist bescheiden, kommt Seitenwind hinzu, sind häufig leichte Lenkkorrekturen nötig. Dieses kleine Manko wird durch den guten Komfort des GSR aber mehr als aufgewogen. Lange Federwege und mäßige Federhärte erlauben kommodes Reisen.

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Christian Bangemann

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