Youngtimer Jaguar XJ 40: Die ewigen Jag-Gründe

Auch 1986 kam er nicht, der Bruch im Jaguar-Design. Das Styling des XJ 40 blieb der Linie seiner Ahnen treu. Und das ist nur einer der vielen Gründe, die für ihn sprechen.

Am Ende muss man dem Jaguar XJ 40 einfach verfallen, komplett und fast schon gefährlich. Gebrauchte XJ 6 der vierten, ab 1986 gebauten Generation, waren nie wirklich teuer. Heute aber stehen sie in den hinteren Ecken von Kiesplätzen, und es genügen ein paar hundert Euro, um in den Besitz eines XJ 40 zu gelangen. Er ist nicht der preiswerte Jaguar. Er ist der billige.

Kommender Klassiker für (noch) niedrige Einstiegspreise

Aber lange wird es nicht mehr dauern, bis auch dieser Jaguar die Talsohle der Wertschätzung verlassen hat und sein Aufstieg zum Klassiker beginnt. Dass der XJ 40 das verdient hätte, da ist man sicher, wenn man mit einem guten Exemplar einen Tag durchstreift hat.

Anfangs macht er es einem ja nicht leicht, der XJ 40. Das liegt an seinem Auftritt: Einerseits trägt er die klassischen XJ- Proportionen. Aber gerade an diesen ecken die quaderförmigen Außenspiegel, die Breitbandscheinwerfer, die kantigen Heckreflektoren und vor allem die Heckleuchten - dunkel getönt als kämen sie vom Nachrüstmarkt - heftig an.

Der Vorgänger des 40, die Serie III, entsteht in einer Zeit akuter Geldnot bei Jaguar. Eigentlich sollte schon damals eine ganz neue Oberklasse-Limousine, Projektcode XJ 40, her, doch es reicht nur zu einem gründlichen Facelift, das Pininfarina so sehr glückt, dass viele die Serie III für die schönste aller XJ-Generationen halten.

200 Millionen Pfund Entwicklungskosten

Sie verkauft sich auch so gut, dass Jaguar sieben Jahre Entwicklungszeit und 200 Millionen Pfund in den XJ 40 stecken kann. Am liebsten möchte die Jaguar-Chefetage als Ergebnis ein Auto, das sich nicht von der Serie III unterscheidet. Und deshalb behält der XJ 40 die Linie seiner Vorgänger, die allerdings mit zweifellos sehr zeitgemäßen Stilmitteln der 80er Jahre ergänzt wird - was der Limousine bei ihrer Figur nicht uneingeschränkt gut steht.

Auch der Innenraum wird nur teilmodernisiert. Edles Wurzelholz und feines Connolly-Leder treffen dort auf giftgrüne Digitalanzeigen für Benzinvorrat, Öldruck, Tankinhalt und Batteriespannung. Dazu gibt es noch einen großen Bildschirm, der in seiner Grafik an frühe Telespiele erinnert und Fehlermeldungen anzeigt.

Bei der Elektronik dürfen sich die Techniker austoben. Sie stopfen den XJ 40 mit Komfortelektronik voll und erdenken für deren Bedienung ein Tableau, das sich dem Instrumentenkasten anschließt, mit Tasten, die denen eines Taschenrechners ähneln.

Souveräner Antrieb dank Reihensechser

Angetrieben wird der Souvereign von einem Vierliter-Reihensechszylinder. Ursprünglich 3,6 Liter groß, ersetzt der komplett aus Leichtmetall gefertigte Vierventiler mit dem Debüt des XJ 40 den alten 4,2-Liter-Sechszylinder. 1989 nennt er sich AJ 40, weil er auf vier Liter wächst und so zum Langhuber wird.

Die 222 PS des AJ 40 reichen für den 1.750 Kilogramm schweren Jaguar vollauf. Dabei muss sich die Maschine noch nicht einmal besonders anstrengen. Zusammen mit ihrer Partnerin, der ZF-Viergang-Automatik, hat sie sich ohnehin der Kultur verpflichtet.

Der Innenraum überzeugt mit britischer Noblesse

Die Sitzmöbel umschmeicheln die Passagiere, die Federung steckt selbst wüste Treffer unbeeindruckt weg. Nur beim Raumangebot bleibt auch der XJ 40 wie schon seine Ahnen hinter den Erwartungen an eine Oberklasse-Limousine zurück. Hinten drückt das niedrige Dach langen Kerls die Frisur platt, vorn bewahrt die breite Mittelkonsole die Frontbesatzung diskret vor unschicklicher Nähe.

Wegen der rutschigen Lederbezüge der Sitze vermeidet man allzu eilige Kurvenumrundungen. Das Fahrwerk könnte die zwar vertragen - der 40 bleibt lange neutral, drückt im Grenzbereich erst spät mit dem Heck -, aber das passt nicht zum Charakter der Limousine. Denn gediegenes Gleiten bedeutet im XJ 40 ohnehin die höchste Form des Jaguar-Genusses.

Das gilt für den XJ 40 wie für seine Nachfolger. Die gingen formal wieder einen Schritt zurück - zu den noch fließenderen Linien und den Rundscheinwerfern der Serie III. Somit darf sich der 40 als der XJ fühlen, der sich am weitesten von der Ur- Linie von 1968 weggetraut hat.

Vielleicht der beste Grund, ihm am Ende dann doch komplett zu verfallen.

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