Mercedes-Benz 450 SEL Kaufberatung

Der Motor hält ewig, die Karosserie aber nicht

 Mercedes 450 SEL

Die sprichwörtliche mechanische Solidität prädestiniert die Limousinen der Baureihe W116 im Grunde zum ewigen Leben. Doch ebenso sprichwörtlich ist auch der Rost der Siebziger, der den Bestand immer noch heftig reduziert. Dennoch ist das Angebot an W116 noch ausreichend.

Die allerwenigsten 116 haben ohne Rostschäden überlebt. Also gilt es bei der Besichtigung nach versteckter Korrosion und schlampigen Blechreparaturen zu fahnden. Besonders gefährdet sind alle Bereiche unterhalb der Stoßstangen und seitlichen Schutzleisten, doch auch am Dach kann Rost auftreten. So ist das Stahlschiebedach häufig von kleinen Rostnestern umzingelt, weswegen Kenner eher zu Exemplaren ohne "Deckel" (Mercedes-Fanjargon) greifen.
 
Am Vorderwagen zählen Frontschürze, Kotflügel und die Stehbleche im Motorraum zu den am häufigsten angegriffenen Teilen. Außen- und Innenschweller zählen ebenfalls zu den verdächtigen Blechpartien, insbesondere bei Exemplaren mit Schiebedach. Die oft verstopften Ablauflöcher verwandeln die Hohlräume in kleine Aquarien. Ebenso verdienen die vier Türen einen kritischen Blick: Die Falze an den Türböden sollten sauber und rostfrei sein.
 
Die hinteren Radläufe sind auch oft verrostet, vor allem bei montiertem Radlaufchrom ist Vorsicht geboten. Endspitzen und Kofferraumboden sind die gängigsten Rostnester im Heckbereich. Selten betroffen sind hingegen die Bodenbleche. Dennoch sollte ein prüfender Blick unter die Auslegware und die Rückbank nicht unterbleiben. Teuer ist der Ersatz verschlissener Innenausstattungen. Insbesondere die Velourssitze reißen gern an den Sitzwangen auf.

Wertungen
Alltagstauglichkeit
8 Sterne
Ersatzteillage
10 Stern
Reparaturfreundlichkeit
6 Stern
Verfügbarkeit
6 Sterne
Nachfrage
6 Sterne
Unterhaltskosten
4 Sterne

Anders als die Karosserie kann die Antriebstechnik des 450 W 116 durchaus dem Mythos vom ewigen Leben gerecht werden. Die Achtzylindermotoren erreichen bei einigermaßen regelmäßiger Pflege Laufleistungen weit jenseits der 250.000 Kilometer, was auch für den kleineren Motor im 350 gilt. Das serienmäßige Ölmanometer gibt übrigens einen guten Hinweis auf den Zustand der Maschine: Der Druck sollte bei warmem Öl keinesfalls unter 1,3 bar fallen.
 
Auch das Automatikgetriebe ist ausgesprochen langlebig. Schaltet der Automat sauber und ruckfrei und ist das ATF-Öl frisch und unverbraucht, gibt es wenig zu befürchten. Autos mit hohen Laufleistungen leiden gern unter geräuschvollen Hinterachsen und verschlissenen Lenkgetrieben. Auch die Spurstangenköpfe und Fahrwerkslager verschleißen meist, Reparaturen an Achsen und Fahrwerk kommen nicht ganz billig. Eine Sonderstellung gebührt hier dem 6.9, der mit der aufwändigen Hydropneumatik oft für Extrakosten sorgt.

Preisentwicklung
Bei Einführung 1973 (Mercedes Benz 450 W 116)   45.700 DM
Bei Produktionsende 1980 (Mercedes Benz 450 W 116)   51.087 DM

Das Preisgefüge für die W116-Baureihe kam in letzter Zeit in Bewegung. Gut erhaltene Exemplare mit attraktiver Ausstattung erreichen mittlerweile Preise, die bis vor Kurzem dem Topmodell 450 SEL 6.9 vorbehalten waren. Vor allem die Ausstattung ist unter Mercedes-Fans bei der Preisfindung entscheidend. Besonders exotische Extras wie Klimaautomatik, Lenkrad-Automatik oder Tempomat werden mit saftigen Aufschlägen honoriert.
 
Mager ausgestattete Autos mit Stoffsitzen und Schaltgetriebe kommen dagegen deutlich billiger. Auch die Sechszylinder-Ausführungen 280 S und SE werden günstiger gehandelt. Höher bewertet werden hingegen Fahrzeuge, die dank der Erstzulassung bereits für das H-Kennzeichen tauglich sind.

Die meisten Technik- und Verschleißteile können beim örtlichen Mercedes-Händler bestellt werden. Auch wenn die Preise zum Teil recht hoch sind, ist das Engagement von Mercedes-Benz in puncto Teileversorgung alter Autos nicht hoch genug zu loben. Schwerer zu beschaffen ist Zier- und Ausstattungsersatz, besonders für rare Details. Zusätzlich zur guten Werksversorgung existiert auch eine Reihe von Spezialisten, die sich dem Teilehandel für die Mercedes-Baureihen der siebziger Jahre verschrieben haben.

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