Barrett-Jackson-Auktion: Räumungsverkauf bei GM

Ein antiker GMC-Truck von 1916. Ein 2001er Cadillac LMP Rennbolide. Ein schneeweißes Papstmobil. Diese und weitere Schmuckstücke aus der Kollektion des Autokonzerns General Motors kamen am Wochenende (17./18.1.) in Scottsdale, Arizona zum Entzücken von Autosammlern unter den Hammer.

Der angeschlagene Riese schrumpft sein hauseigenes Museum aus 1.000 Klassikern auf etwa die Hälfte zusammen. 247 Wagen versteigerte der Autogigant in der Wüste Arizonas, im April 2009 kommen in Palm Beach in Florida etwa noch einmal so viele GM-Stücke auf den Block.

Keine Zwangsversteigerung, eher ein Räumungsverkauf

Es ist nicht gerade eine Zwangsversteigerung, aber doch ein Räumungsverkauf, und er ist Teil der Bemühungen des Autokonzerns, finanzielle Verantwortlichkeit zu demonstrieren. Nachdem General Motors im Dezember nach wochenlangem Betteln einen Vier-Milliarden-Dollar-Kredit von der Regierung Bush erhielt, muss der Konzern nun im Gegenzug Sparwillen unter Beweis stellen. Unter anderem wurde die umfangreiche Autosammlung der Detroiter, die seit 2004 im Heritage Center in Sterling Heights, Michigan in Auszügen dem Publikum präsentiert wird, zur Schrumpfkur verdonnert. Für Sammler und Liebhaber ist der Hausputz bei GM ein Leckerbissen: Für 123.200 Dollar wechselte etwa ein seltenes Chevrolet House Car von 1925 in private Hände - eine ulkige Frühform des Campingwagens mit Mahagoni-Verkleidung und Fußboden aus Ahornholz. Ein GMC Feuerwagen von 1948 ging für 35.000 Dollar in Privatbesitz, ein 1923er Oldsmobile Custom Touring Roadster brachte 220.000 Dollar ein.

Dass er hier den Familienschmuck des Autokonzerns verhökert, weist Greg Wallace, Leiter der Heritage Collection von General Motors in Sterling Heights bei Detroit, zurück. Die Versteigerung, sagt Wallace, gehöre zur ganz normalen Pflege seiner Kollektion. "In jedem Jahr sortieren wir Modelle aus, und natürlich geben wir sie am liebsten in Sammlerhände." Doch in diesem Jahr kommen erstmals auch Oldtimer und Klassiker, nicht mehr nur wie bisher Schaustücke, Sondermodelle und Prototypen unter den Hammer. Der Heritage Center, sagt Wallace, bewahre die Geschichte von General Motors, dem heute zweitgrößten Autokonzern der Welt. „Sowohl Design und Motorenleistung als auchTechnik und Performance spielen eine Rolle bei unserer Auswahl von Autos für die Heritage Collection“, sagt Wallace. Deshalb sei es auch nicht einfach gewesen, auszusortieren. "Wir mussten uns fragen, welche Stücke unverzichtbar sind, von welchen wir mehrere haben, und was nicht mehr in unsere Sammlung gehört."

Wallace gesteht, dass ihm die Auflösung seiner halben Sammlung "schon ein bisschen nahe geht." Denn der Mann aus Detroit ist ein echter Autofan: Er gebietet selbst über eine Privatkollektion von 23 Wagen, vor allem Cadillacs und Chevys, wie er sagt, und ein paar Buicks. Während er uns in einem Golfcart über das Ausstellungsgelände der Barrett-Jackson-Auktion chauffiert, kreuzen zahlreiche seiner Sammlungsstücke unseren Weg: "Schauen Sie mal!", ruft Wallace aus, "ein Oldsmobile von 1940. Das war der erste Olds mit Automatikgetriebe!" Der nachtblaue Wagen wird für 44.000 Dollar die Hände wechseln. Ein Stück weiter fällt der Blick von Wallace auf einen GTO Judge von 1969. „Schönes Stück“, sagt er etwas wehmütig."Ich bin ein großer Fan von Muscle Cars aus den Sechzigern und Siebzigern, ich bin in dieser Zeit großgeworden."

Nicht nur frühe Klassiker und schnittige Renner

Aber nicht nur frühe Klassiker und schnittige Renner sind hier unter dem Hammer. Wallace zeigt auf einen lindgrünen Chevrolet von 1972: "Das war Mom und Dad´s Auto der frühen Siebziger. Fast jeder im Mittelwesten fuhr damals so eine Kiste." Ein paar Ecken weiter stoppt er an einem postgelben GMC Truck von 1916. "Schauen Sie mal, wie der gepflegt ist", sagt Wallace stolz. "Der sieht heute besser aus als damals, als er die Fabrik verließ." Für einen interessierten Besucher öffnet er promt die Motorhaube des antiken Stücks, minutenlang fachsimpeln die Männer über das Gefährt.

Ebenfalls aus dem Hause GM stammt ein anderes auffälliges Unikat: ein schneeweißes Papa-Mobil, ein Cadillac Brougham mit den Insignien der Schweizergarde auf den Türen. 1998 wurde er für Johannes Paul II. gebaut, mit einem throngleichen Stuhl, der sich etwa einen Meter in die Höhe fahren lässt. Der Papst hat ihm zwar seinen Segen erteilt, ist aber nie damit gefahren - das Sicherheitspersonal bemängelte, der Wagen mache den Heiligen Vater zur Zielscheibe.

Manche der versteigerten Autos haben in Detroit noch einen Doppelgänger - so zum Beispiel der Buick Centieme, der 2003 auf den Autoshows in Detroit und Los Angeles zu sehen war. Oder der 1940er Oldsmobile Limited mit Automatikgetriebe. Manchen fehlt es an Relevanz - wie das vom Heiligen Vater nie benutzte Papamobil.

Jährlich zwischen 2.500 und 4.000 Dollar für Unterhalt und Pflege

Die Haltung der historischen Stücke ist immerhin nicht ganz billig. Jeder Wagen aus der Heritage Collection verschlingt jährlich zwischen 2.500 und 4.000 Dollar für Unterhalt und Pflege, sagt Wallace. Übrigens war auch die Verschiffung nach Phoenix kein Pappenstiel. 1.000 Dollar pro Auto könne man schon rechnen, sagt Wallace, und nicht alle GM-Wagen, die hier in der Wüste an neue Besitzer übergingen, sind große Schmuckstücke. Im Auktionszelt ging unter anderem ein 1994er Geo Tracker Kalahari für 4.700 Dollar weg, und der Pontiac Aztec SRV von 2001, ein Einzelmodell, brachte gerade 8.000 Dollar.

Die Kronjuwelen der GM-Sammlung, sagt Wallace, habe man natürlich in Detroit behalten – darunter das berühmte elektrische Auto EV1, um dessen Produktionseinstellung nach nur drei Jahren 1999 sich wilde Verschwörungstheorien ranken. Ebenfalls noch im Heritage Center: Ein 1959er Oldsmobile F88 Concept. Ein 1936er Cadillac Aero Sedan. Und ein rarer Oldsmobile Limited von 1911, der einen Motor mit 11.470-Kubikzentimetern Hubraum unter der Haube trägt. Nur 159 Stück wurden vor 98 Jahren gebaut, 2007 wurde in Hershey, Pennsylvania ein originales, unrestauriertes Modell für 1,65 Millionen Dollar versteigert.

Unerhört, dass es von einer Frau erworben wurde

Aber auch ein 16-Zylinder-Cadillac von 1931, der Hochzeit der Großen Depression in den USA steht weiter in Sterling Heights – weil er eine interessante Geschichte hat. "Unerhört nicht nur, dass damals überhaupt jemand ein solches Auto kaufen konnte", sagt Wallace, "sondern dass es auch noch von einer Frau erworben wurde, für diese Zeit ganz ungewöhnlich." Der mächtige Wagen wurde von einer jungen Millionenerbin namens Augusta Little gekauft, die ihn 1975 an das Autohaus zurückstiftete.

Inzwischen hält eine neue große Krise das Land im Griff, und nun werden auch bei GM die Erbstücke noch einmal neu sortiert. Auf unter fünf Millionen Dollar schätzte Wallace´s Kollege Tom Freiman im Heritage Center vorab den zu erwartenden Gesamterlös der 247 GM-Karossen in Phoenix, bloßes Taschengeld für einen Konzern, der Monat für Monat eine Milliarde Dollar verbrennt. „Aber es sind Liebhaber, die auf diese Autos bieten“, sagt Wallace, „Leute, die womöglich den ersten Kuss, eine Reise, ihre Kindheit verbinden. Und es ist mir allemal lieber, sie in der Pflege von Liebhabern zu wissen, als sie einstampfen zu lassen."

Rekordsumme von 522.500 Dollar für das Kronjuwel

Die Rekordsumme von 522.500 Dollar erzielte am Sonnabend, dem fiebrigsten Tag der Auktion, das Kronjuwel der GM-Leute: Der verwegen designte Buick Blackhawk, mit dem 2003 der hundertste Geburtstag der Marke gefeiert wurde – ein echtes Relikt der fetten Jahre in Detroit. Aber es sind noch immer ein paar schöne Stücke aus der GM-Sammlung zu haben: Vom 9. bis 11. April gehen auf der Barrett-Jackson-Auktion in Palm Beach, Florida, noch einmal mehr als 200 Juwelen aus der Heritage Collection unter den Hammer.

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Nina Rehfeld

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