Station Nummer drei: Coys. Das renommierte Auktionshaus in Richmond beeindruckt zu allererst durch einen modernen, hell erleuchteten Ausstellungsraum. Weiße Fliesen für die automobile Oberliga.
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London · Oldie kaufen · Klassikerkauf · Wechselkurs · Pfund · Rolls-Royce · E-Type
Coys: Keine Schnäppchen, dafür lückenlose Historie
Für 2,3 Millionen Pfund könnte man hier eine raren Bugatti Typ 51 von 1931 im sensationell anmutenden Originalzustand erwerben. Oder sich für einen Bizzarrini entscheiden, der sich drei Jahrzehnte im Privatbesitz des eigenwilligen Konstrukteurs Giotto Bizzarrini befand. Kostenpunkt: 280.000 Pfund. Der 45 Jahre alte Wagen wirkt, als sei seine Aluminiumhülle gestern erst gefertigt worden. Coys und Schnäppchen? Eher wird im Königreich der Rechtsverkehr eingeführt.
Dennoch verzeichnet Verkaufsleiter Douglas Jamieson ebenfalls ein verstärktes Interesse an seinen Autos, derzeit speziell aus Deutschland. Interessenten vom Festland bietet er vorzugsweise vier wohl ausgewählte Schätze mit dem Lenkrad auf der linken Seite an: einen Lamborghini Miura P 400 (S-Spezifikation, Baujahr 1968) für 260.000 Pfund, einen Alfa Romeo TZ 1 von 1965, für 285.000 Pfund sowie einen schwarzen Ferrari 250 GT von 1960, der 120.000 Pfund kosten soll. Im Lager hätte er dann noch einen Ferrari F 40 (Preis auf Anfrage).
Dass alle Autos über eine lückenlose Historie verfügen und sich in einem einwandfreien Sammlerzustand befinden, versteht sich laut Jamieson von selbst. "Im oberen Preisbereich gehen die Geschäfte zurzeit noch gut", erklärt Jamieson. Noch sei die weltweit grassierende Wirtschaftskrise nicht wirklich bei Coys angekommen.
Motor Klassik-Redakteure zahlen rund 45 Prozent mehr
Zweiter Tag. Der morgendliche Berufsverkehr hat die Stadt fest im Griff. Praktischerweise befinden sich die nächsten beiden Händler direkt nebeneinander am Armoury Way im Stadtteil Wandsworth. "Damit können wir gut leben", erklärt Robert Bentley von Classic Automobils und freut sich ganz offensichtlich, dass wir zuerst bei ihm und nicht bei Nachbar Robert Turner von Chelsea Cars angeklopft haben.
Den Eingangsbereich der bitterkalten und recht feuchten Halle bewachen ein Porsche 911 RS Carrera (Replika, Baujahr 1985), ein MG TF sowie ein Rolls-Royce Corniche Convertible. Erst ab der zweiten Reihe fährt Bentley seine, wie er sie nennt, wahren Schätze auf, allen voran ein Rolls-Royce Phantom II Continental von 1933. Ein Auto groß wie ein Dampfer, in dessen Maschineraum ein Klotz von einem Triebwerk mit 7,7 Liter Hubraum arbeitet. Der Preis für diesen automobilen Luxusliner: 89.000 Pfund - den der Verkäufer im nächsten Moment auf 129.000 Pfund erhöht, als er erfährt, dass sein Besuch von Motor Klassik kommt. Beim neuen Preis dürfte also jede Menge Verhandlungsspielraum drin sein, was im Übrigen für alle genannten Angaben gilt.
"Momentan ist die Nachfrage zu Fahrzeugen der Marke Rolls-Royce überraschend hoch", erklärt Bentley, der sein Geschäft seit 1984 betreibt. "In diesem Jahr habe ich bereits zwölf Autos nach Deutschland verkauft." Nur der Nachschub sei das Problem. "Die meisten Sammler halten zurzeit an ihrem Bestand fest.
Für Robert Bentley sind Rolls-Royce die idealen Klassiker. Überschaubare und robuste Technik und eine überdurchschnittlich hohe Verarbeitungsqualität würden neben dem einmaligen Image und dem Prestige für ein Auto dieser Marke sprechen. Für seine eher traditionell orientierten und durchaus konservativen Kunden vom Kontinent spiele es keine Rolle, auf welcher Seite sich das Lenkrad zum Beispiel bei einem Silver Cloud Flying Spur befände. Das rote Automobil mit der Pontonkarosserie aus dem Jahr 1965 parkt etwas verschüchtert neben dem Phantom und soll 125.000 Pfund bringen. Für Bentley versteht es sich von selbst, dass seine Fahrzeuge sich in einem einwandfreien Zustand befinden. Es fällt schwer, das Gegenteil zu beweisen.
Wenn es etwas Jüngeres sein darf, empfiehlt der Verkäufer einen Bentley Continental SC (Sedanca Coupé). Bei dieser nur 75 Mal gebauten Version mit einem 426 PS starken Achtzylinder im Bug lässt sich das Dach über den Vordersitzen entfernen und im Kofferraum verstauen. Für Robert Bentley gehört dieses piekfeine Fahrzeug in die Kategorie "Klassiker von morgen". Sein Preis: 89.500 Pfund.
Jaguar ist derzeit in England wenig gefragt
Rüber zum Nachbarn: Chelsea Cars. Am Ende der dunklen Halle empfängt Managing Director Robert Turner seine Gäste in einem in Racing Green gehaltenen Büro. Turner hat sich auf Mercedes-Benz spezialisiert, besonders die SL-Modelle der Baureihen 113 und 107. Kunden aus Deutschland hilft er seit 1978 dagegen regelmäßig bei der Suche nach britischen Roadstern. "Tatsächlich gehen die meisten meiner englischen Autos zurzeit nach Deutschland, aber auch nach Frankreich oder Holland - egal, ob Rechts- oder Linkslenker."
Im Eingangsbereich fällt ein Jaguar E-Type 4.2 Roadster, Series II, in Navy Blue für 29.995 Pfund auf. Im Nebenraum präsentiert Turner einen schwarzen E-Type 4.2 der ersten Serie, Preis 36.995 Pfund. Beide Autos hinterlassen einen überaus guten Gesamteindruck - Robert Turner würde einem ernsthaft Kaufinteressierten jederzeit eine Probefahrt gestatten. "Im Preis bin ich bereits um einiges runtergegangen", erklärt der Geschäftsmann. Jaguar würde in England im Augenblick nicht gerade zu der gefragtesten Automarke zählen.
Sein Star im Showroom? Turner zögert keine Sekunde. Der Jaguar MK V 3.5 aus dem Jahr 1952. Eine absolute Rarität, die einst nach Neuseeland ausgeliefert wurde. "Wer heute so ein Fahrzeug ersteht, legt sein Geld optimal an." Dieses rare Auto würde nie an Wert verlieren. Der Preis beträgt 85.000 Pfund.
Erste Adressen: Dubai, USA und Südafrika
Die Ausfallstraße in Richtung Flughafen Heathrow - die Great West Road - führt zur letzten Station. Spätestens entlang dieser breiten Trasse könnte man sicherlich rasch noch ein paar Autohändler mit Plätzen voller Gebrauchtwagen abklappern. Vielleicht findet sich dort ab der dritten Reihe doch noch irgendein Youngtimer-Schnäppchen. Eben jenes Auto, bei dem man sofort ja sagt, weil der Preis so heiß ist, dass in diesem Fall ein Lenkrad auf der rechten Seite zur Nebensache wird. Der Südwesten der Stadt scheint jedoch einfach kein Terrain für entsprechende Autoverkäufer zu sein.
Also weiter nach Brentfort zu "Frank Dale & Stepsons". Das Familienunternehmen widmet sich seit 1946 ausschließlich den Marken Bentley und Rolls-Royce und hält in der lichtdurchfluteten Halle stets rund 50 bis 60 Wagen dieser beiden Automobilhersteller bereit.
Verkäufer Giles Crickmay, dessen Vater 30 Jahre Co-Direktor des Unternehmens war, trägt einen Maßanzug, und aus versteckten Lautsprechern tönt leise klassische Musik. Premium-Dealer statt Kiesplatzhändler - der Spagat könnte nicht größer sein.
"Die Geschäfte laufen recht gut", erklärt Crickmay und meint damit , dass die Nachfrage aus allen Teilen der Welt trotz Krise nahezu ungebrochen sei. Aktuell würden sich Autos auf dem Weg nach Dubai, in die USA und Südafrika befinden. "Das schwache Pfund spielt dabei natürlich eine Rolle. Aber nicht ausschließlich." Viele potenzielle Rolls-Royce- oder Bentley-Kunden müssten nicht aufs Geld schauen. "Noch nicht."
Crickmay, der zwischen diesen Autos aufgewachsen ist, kennt die Historie von jedem Fahrzeug, ist gleichermaßen Fachmann wie Verkäufer. Für Kunden aus Deutschland empfiehlt er einen Bentley S1 Continental Drophead Coupé, Baujahr 1956, für 335.000 Pfund. Einer der vorherigen Besitzer aus den USA hätte dieses Auto im Rahmen einer aufwendigen Komplettrestaurierung zum Linkslenker umgebaut. "Das Coupé befindet sich in einem sehr guten Zustand und ist selbstverständlich fahrbereit."
Auto Nummer zwei ist ein Bentley R Type Standard Steel Saloon von 1954. Nach Crickmay Meinung ein ideales Touren- und Rallye-Auto. Der deutsche Vorbesitzer hätte damit unter anderem an der Monte Carlo Challenge 2001 teilgenommen, erklärt der smarte Verkäufer. "Das Fahrzeug ist in unserer eigenen Werkstatt komplett überholt worden und kostet 38.500 Pfund." Über den Preis ließe sich jedoch noch einmal reden.
Shopping in London - der Zeitpunkt scheint recht günstig zu sein, um zumindest einmal darüber nachzudenken.
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