Spontan entdeckt, wirkt dieses blauschwarze Benz-Baby ziemlich proletig. Spoiler, Schweller, Borbet-Räder – wie ein aufgetakelter Sechzehnventiler. Es ist kein 2.3 oder 2.5-16, große Enttäuschung! Aber immerhin ist es ein 190 E 2.6 mit Sportsitzen vorn und hinten, große Überraschung!
Der Blick auf die Datenkarte im Wartungsheft outet diesen leicht verlebten Edel-Kompakten als Ausstattungswunder, 26 Extras wurden damals geordert, die den Neupreis auf 73 000 Mark trieben. Wichtig sind für Fans vor allem Automatik, Klimaanlage, Teilleder-Polster, getöntes Glas, elektrisch verstellbare Sitze und die autoritär wirkenden Scheinwerferwischer. Innen zeigt sich das auf den zweiten Blick faszinierende Auto sehr gepflegt, außen sind die Spuren der Jahren an den hinteren Radläufen sichtbar.
Wenn man sich die aufdringlich wirkenden Borbet-Sechzehnzöller wegdenkt, kommt auf einmal ein kleiner Edelstein zum Vorschein, der technisch und optisch durch liebevolle Wartung und Pflege gewinnt. Der Sechszylinder läuft klapperfrei, die Automatik schaltet sauber, aber Bremsen und Fahrwerk gehören gemacht, TÜV 12/2010.
Bei der Gelegenheit sollte man auch die Tieferlegung zurückrüsten, um dem Wagen wieder die ursprüngliche Würde zu geben. Ein Versuch wäre es allemal wert, Ausstattungskönig beim nächsten W 201-Treffen im Frühsommer zu werden.
- Pro: Umfangreiche Ausstattung (26 Extras), seltener Sechszylinder, gepflegtes Interieur.
- Kontra: Hohe Laufleistung, Rost an den hinteren Radläufen, viele kleine Detailmängel
- Fazit: Für Baby-Benz-Liebhaber mit Vollausstattungs-Komplex und für Geheimtipp-Experten



