Probe Fahren: Mercedes 300 SL (R 129): Das vernünftige Spaßmobil

Mercedes 300 SL (R 129)

Mercedes 300 SL (R 129), 2960 cm3, 190 PS, 145 000 km, 6/1993, 2. Hand

Okay, weiße Blinker, die gab es erst ab September 1995. Wir tauschen sie gleich gegen die orangenen ein. Und die unschuldigen Achtloch-Felgen stehen dem frühen 129er SL auch weit besser als die dick aufgetragenen 17-Zöller im AMG-Design. Ach ja, da wäre noch der schwächste Motor im Sacco-SL, der brave Zweiventil-Dreiliter aus dem 124er, M 103 heißt der, 10 PS stärker als in der Serienkonfektion und nur 3 PS schwächer als der sparsamere Vierventiler im späteren SL 280, der aber nicht so geschmeidig läuft.


Mit der ausgereiften Viergang-Automatik wirkt dieser Antrieb im 300 SL zwar unspektakulär, aber durch und durch harmonisch. Außerdem ist die Basisversion 300 SL mit der mystischen Mercedes-Typenbezeichnung noch nicht so überelektrifiziert wie die Achtoder gar Zwölfzylinder-Versionen des betont elegant gezeichneten R 129. Ihm widmete Mercedes-Chefdesigner Bruno Sacco ein attraktives, zeitloses Kleid ohne viel Chi Chi.


Unser Auto in Obsidianschwarzmetallic wirkt ehrlich – egal, ob Kilometerstand, Service-Historie oder das sehr gepflegte Erscheinungsbild zum Kriterium werden. Ein paar Gebrauchsspuren sind zwar nicht zu übersehen, aber Rost, beim Bremer 129er längst nicht so häufig wie bei den Stern-Großserienmodellen jener Tage, ist kein Thema. Bei dem niedrigen Preis lockt die sirenenhafte 129er-Parole „Jetzt kaufen“.

  • Pro: Wenig Kilometer, üppige Ausstattung, sehr gepflegter Zustand, unfallfrei, Garagenwagen
  • Kontra: Farbkombination nicht sehr glücklich, schwächster Motor, nicht 100-prozentig original
  • Fazit: Sehr empfehlenswertes, ehrliches Auto zum fairen Preis, Elektronik noch überschaubar

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Alf Cremers

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