Weit entfernt vom Berg ließ man sich vom örtlichen Sheriff eine Straße sperren und den Röhrl in einem mit Messapparaturen voll gepackten Auto auf und ab donnern - ohne den Fehler zu finden. Bei Nacht und Nebel wurde ein Elektriker mit einem kompletten Kabelbaum eingeflogen und dieser am Tag vor dem Rennen eingebaut.
Als Röhrl am Start stand, hatte er keine Ahnung, ob die Fuhre gleich wie aus der Kanone geschossen die Straße unter sich wegfressen oder hustend und zuckend vorwärtsstolpern würde.
Bei 196 km/h auf der Strecke bleiben - oder 500 Meter bergab fliegen
Er lief. Und wie er lief. Und Röhrl war in Hochform. Acht Mal war er zuvor im Mietwagen mit Ehefrau Monika nach oben gefahren, dann kannte er die 156 Kurven auswendig. Ein einziges Mal schnitt er eine Kurve zu sehr und schaufelte sich kurz ein Schippchen Dreck auf den Frontflügel, ansonsten blieb seine Fahrt makellos. Vier Mal drehte der S1 auf den 19,96 Kilometern bei durchschnittlich sieben Prozent Steigung aus, das entsprach 196 km/h.
"Das war wie Hochseil ohne Netz", sagte Röhrl nach dem Husarenritt ohne Leitplanken. Er verglich es gern mit Balancieren an der Tischkante. Wer runterfiel, den hielt auf den nächsten 500 Höhenmetern nichts auf. Drei Jahre zuvor gestand Michele Mouton, dass sie nach einem kleinen Fahrfehler schon mit dem Leben abgeschlossen hatte. Röhrl blieb auf der Straße, und die Uhr blieb bei 10:47,8 Minuten stehen - neuer Rekord.
Als Bester der Qualifikation durfte Vatanen als Letzter starten. Der Peugeot war gegenüber den Vortagen kaum wieder zu erkennen. Vorn war ein dem Audi erstaunlich ähnlicher Flügel angebracht, am Heck ließ Sportchef Jean Todt einfach zwei Standard- flügel übereinander bauen. "Dem sind die Flügel wie Pilze gewachsen", staunte Röhrl. Doch der 205 war nicht ganz dicht. Nach halber Strecke löste sich ein Turboschlauch - von 500 PS konnte keine Rede mehr sein. "Ab da fuhr ich wie ein Tourist", sagte Vatanen. Seine Zeit im Ziel war sieben Sekunden langsamer als die von Röhrl.
Röhrl fährt den sauberen Strich
Doch es wäre zu billig, die Niederlage nur auf das technische Problem zu schieben. Vatanen wuchtete den Peugeot finnisch quer durch die Kehren, während Röhrl deutlich sauberer und ruhiger agierte.
"So eine Zeit konntest du auf dieser Strecke nur mit dem Röhrl fahren", sagt Cheftechniker Karl Hasenbichler noch heute. Der unaussprechliche "Roarl" hatte die Bestmarke des alteingesessenen Vollgasadeligen Bobby Unser um 21 Sekunden pulverisiert. Der war ehrlich erstaunt, wie schnell so ein hergelaufener Rallye-Champion seinen Fahrstil auf den Berg der Berge anpassen und einen Cowboy aus dem Sattel heben konnte. Dasselbe Staunen erfuhr ein Jahr später die amerikanische Rundstreckenszene, als Audi mit einem 200 Quattro und auch wieder mit Röhrl die Transam-Serie aufmischte.
Für den S1 war der Gipfelsturm 1987 der allerletzte Aufschrei. Nur dieses eine Mal noch durfte der böse Dinosaurier brüllen, bis er auszusterben hatte. Walter Röhrl beendete wie der Audi-Konzern im gleichen Jahr seine Rallye-Laufbahn.

