100 Jahre Ferry Porsche

Rennfahrer hab' ich viele, aber nur einen Sohn

Ferry Porsche 100 Jahre

Zum Glück entschied sich Ferry Porsche gegen eine Karriere als Rennfahrer und wurde herausragender Konstrukteur und erfolgreicher Geschäftsmann. Ferry Porsche wäre am 19. September 100 Jahre alt geworden. Ein Rückblick

"Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, von dem ich träumte nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen." - so pragmatisch kann eine weltweite Erfolgsgeschichte beginnen. In der Nachkriegszeit ließ sich Ferry Porsche, Sohn des KdF-Wagen-Erfinders Ferdinand Porsche, nicht entmutigen und kämpfte für seinen Traum vom sportlichen Auto.

Ferrys Kinderzimmer - die Werkshallen von Austro-Daimler
 
Schon 1948 präsentierte er den Porsche 356, 15 Jahre später den 911 und schuf mit beiden Automobilgeschichte seinen verdienten Einzug in die European Hall of Fame.
 
Die Leidenschaft für das Automobil hatte er vererbt bekommen. Er ist der einzige Sohn von Ferdinand und Aloisia Porsche und wird am 19. September in der Wiener Neustadt geboren. Der Legende nach just zu dem Zeitpunkt als sein Vater mit einem von ihm konstruierten Austro-Daimler-Rennwagen den Klassensieg beim Semmering-Bergrennen holt. Seine Eltern geben ihm die Namen Ferdinand Anton Ernst, seinen bekannten Rufnamen erhält er von dem Kindermädchen.
 
Die Sozialisierung erfolgt in einem Elternhaus, in dem sich alles um die Entwicklung des Automobils dreht. Vater Ferdinand Porsche ist Chefkonstrukteur der österreichischen Austro-Daimler-Werke und die Werkshallen werden zum beliebten Kinderzimmer.
 
Unterwegs im Ziegenbockwagen
 
Mit zehn Jahren steuert Ferry zum ersten Mal auf dem Schoß seines Vaters ein. Kurz darauf bauen Lehrlinge der Austro-Daimler-Werke nach Konstruktionszeichnungen ihres Chefs für den Zehnjährigen Ferry einen kleinen Zweisitzer, der mit seinem 6-PS-Zweizylindermotor rund 60 km/h erreicht. 1919, als die wenigstens ein Auto besitzen, kurvt Ferry Porsche damit rasant durch die Wiener Bezirke. Bei Polizeikontrollen hilft der Name des berühmten Vaters, wie Ferry später zugibt: "Aufgrund der Stellung meines Vaters pflegten die Polizisten in Wiener Neustadt beide Augen zuzudrücken".
 
Besonders beeindruckt zeigt sich der Porsche-Spross nach Testfahrten mit den Austro-Daimler-Rennwagen "Sascha", den er - zwölfjährig - auf der Werks-Einfahrbahn pilotiert. Immerhin erreicht der 45 PS starke Targa-Florio-Siegerwagen 144 km/h. AB diesem Zeitpunkt steht der Wunschtraum fest: Ferry will sich seinen eigenen Rennwagen bauen.
 
Führerschein mit 16 - schon 1925
 
Doch zunächst steht der Umzug nach Stuttgart an. Vater Ferdinand wechselt als Technischer Direktor und Vorstandsmitglied zur Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürckheim. Passenderweise besucht Ferry Porsche die Gottlieb-Daimler-Realschule und begegnet einigen Weggefährten, die ihn sein Leben lang begleiten sollen. So etwa Albert Prinzing, später Porsche-Geschäftsführer und Manfred Behr aus der Kühlerdynastie Behr.
 
Ferry Porsche erhält dank einer Sondergenehmigung bereits mit 16 den Führerschein und fährt fortan ausgiebig die Prototypen seines Vaters - unter anderem die mächtigen Kompressor-Modelle.
 
Mit 18 holt Ferry Porsche die reguläre Führerscheinprüfung nach und lernt Dorothea Reitz kennen, seine spätere Frau und Mutter seiner vier Söhne Ferdinand Alexander (* 1935), Gerhard (* 1938), Hans- Peter (* 1940) und Wolfgang (* 1943), die als Gesellschafter der heutigen Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG das Lebenswerk von Ferry Porsche weiterführen.
 
Intermezzo in Österreich und Rückkehr nach Stuttgart
 
Als sein Vater Ferdinand Porsche 1929 als Chekonstrukteur zu den Steyr-Werken wechselt, folgt ihm sein Sohn Ferry nach einjährigem Praktikum bei Bosch und soll mit Privatunterricht auf ein technisches Studium vorbereitet werden. Doch die Praxis interessiert ihn weitaus mehr. Die meiste Zeit verbringt er in den Werkstätten und Konstruktionsbüros des Vaters, der sich nach einem Jahr bei Steyr als Konstrukteur selbständig macht. Bei ihm möchte Ferry seine Ausbildung machen.
 
Am 25. April 1931 wird die "Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH - Konstruktion und Beratung für Motoren- und Fahrzeugbau" ins Stuttgarter Handelsregister eingetragen. Mit zwölf Mitarbeitern entwickelt Ferdinand Porsche im ersten Jahr eine neue Mittelklasse-Limousine für Wanderer, eine Schwingachse für Horch und einen Fünfzylinder-Sternmotor, der in Lastwagen zum Einsatz kommen soll. Im gleichen Jahr meldet Porsche die Drehstabfederung zum Patent an - es gibt viel zu tun und von allen Seiten bekommen die Stuttgarter neue Aufträge. Ferry Porsche ist von Anfang an in alle Projekte und Aufträge eingebunden und arbeitet in der ersten Zeit in den Bereichen Konstruktion und Versuch unter Walter Boxan. Eine seiner ersten Entwicklungen ist die verbesserte Lenkung für den Wanderer Zweiliter-Wagen. Ein großer Wurf, denn die Lenkung kommt auch später in den Auto-Union-Rennwagen und im Volkswagen zum Einsatz.
 
Mit 23 Jahren koordiniert Ferry Porsche schließlich die Konstrukteure und ist gemeinsam mit seinem Vater in Kontakt mit den Kunden.

Ferdinand (Ferry) Anton Ernst Porsche
Jahr Ereignis
1909 Am 19. September wird Ferdinand Anton Ernst Porsche, genannt “Ferry”, in Wiener Neustadt (Österreich) geboren. Schulbesuch in Wiener Neustadt und in Stuttgart- Bad Cannstatt. Technische Ausbildung bei Bosch in Stuttgart sowie bei den öster - reichischen Steyr-Werken.
1931 Beginn der Tätigkeit als Konstrukteur im vom Vater Ferdinand gegründeten Kon - struktionsbüro, Dr. Ing. h.c. Ferdinand Porsche GmbH, in Stuttgart.
1932 Erweiterung der Aufgaben auf Versuchsüberwachung und Koordination, Mitwirkung an Konstruktion und Entwicklung des Auto Union-Grand Prix-Rennwagens.
1934 Leiter der Erprobungsfahrten der Volkswagen-Prototypen.
1935 Hochzeit mit der Stuttgarterin Dorothea Reitz (gestorben 1985). Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor.
1938 Leiter der Porsche-Versuchsabteilung. Im selben Jahr erfolgt der Umzug des Kon - struktionsbüros nach Stuttgart-Zuffenhausen.
1940 Stellvertretende Leitung des Gesamtbetriebes.
1945 Leiter der kriegsbedingt nach Gmünd in Kärnten (Österreich) verlagerten Porsche GmbH.
1946 Ferry Porsche übernimmt im Juni die Gesamtverantwortung für das Unternehmen.
1948 Im Juni wird der 356 Nr. 1 fertiggestellt. Ein Mittelmotorsportwagen mit 35 PS.
1949 Nach dem Bau der ersten 52 Exemplare des Typs 356 in Gmünd, Rückkehr zu - sammen mit dem Großteil seiner Belegschaft nach Stuttgart-Zuffenhausen. Wieder - aufbau des Entwicklungsbüros unter der Leitung von Ferry Porsche und Vorbereitung der Serienfertigung.
1950 Beginn der Serienfertigung des Typ 356 in Stuttgart-Zuffenhausen.
1959 Verleihung des großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland durch Bundespräsident Theodor Heuss.
1965 Verleihung des Titels “Dr. techn. E.h.” durch die Technische Hochschule in Wien.
1972 Übernahme des Vorsitzes im Aufsichtsrat der in eine Aktiengesellschaft umge wan - delten Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG.
1975 Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich in Wien.
1978 Verleihung der Wilhelm-Exner-Medaille.
1979 Verleihung des Sterns zum Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland anlässlich des 70. Geburtstages durch den Ministerpräsidenten des Landes Baden- Württemberg, Lothar Späth.
1981 Verleihung der Goldmedaille der Société des Ingeniéurs de l’ Automobile. Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Zell am See (Österreich).
1984 Verleihung des Titels “Professor” durch Ministerpräsident Lothar Späth.
1985 Verleihung des Titel “Senator E.h.”, Universität Stuttgart.
1989 Verleihung der Wirtschaftsmedaille für herausragende Verdienste um die Wirtschaft Baden-Württembergs am 19. September durch den Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg Martin Herzog.
1989 Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Stuttgart anlässlich seines 80. Geburts - tages in Würdigung seiner großen Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung der Landeshauptstadt Stuttgart.
1990 Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart.
1993 Ehrenvorsitz des Aufsichtsrates ohne Mandat.
1994 Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Wiener Neustadt am 21. September in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die österreichische und nieder öster - reichische Wirtschaft, vor allem aber für seine Verdienste um die Stadt.
1998 Ferry Porsche stirbt am 27. März in Zell am See.
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Kai Klauder

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