125 Jahre Automobil - 1890 bis 1899: Wohin geht die Reise? - Nach vorne!

Peugeot Typ 2 1890

Das zweite Jahrzehnt der Automobilgeschichte ist das wohl kreativste: Der Motor wandert von hinten nach vorne, es gibt drei- und vierrädrige Autos, die von Verbrennungs- und Elektromotoren oder von Dampfmaschinen angetrieben werden. Und rund um das Automobilgeschäft entwickelt sich eine ganze Industrie.

In den 1890er-Jahren tragen einige Entwicklungen entscheidend zur Automobilgeschichte bei. An erster Stelle zu nennen ist der Beginn der industriellen Fertigung. Viele Automobilbauer verließen die Hinterhof-Werkstätten und zogen in Industriehallen. Karl Benz gründete 1890 seine Firma Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim, die Daimler Motoren-Gesellschaft wird zu einer Aktiengesellschaft - es wird investiert, die Zukunft wartet auf die Pioniere.

Der Motor wandert nach vorne - das System Panhard

Entscheidende Impulse erfährt die Automobilentwicklung nun vor allem auch aus Frankreich. Panhard & Levassor gehören dort zu den Entwicklern der ersten Stunde. Ihre Firma sichert sich als eine der ersten die Motorenlizenzen von Daimler. Allerdings gehen sie bei dem Fahrzeuglayout einen anderen Weg: Sie platzieren den Motor vorne. Ihr Konzept, als System Panhard bezeichnet, setzt sich rasant durch - und dauert noch bis heute fort: längs eingebauter Motor vorne, der Antrieb hinten. Die Vorteile dieser Bauweise liegen auf der Hand - die Gewichtsverteilung ist deutlich ausgeglichener, die Straßenlage und Fahrstabilität besser. Zudem wird Platz für Passagiere und Ladung geschaffen und die Lenkung vom Antrieb entkoppelt.

Auch die Brüder Peugeot springen auf den Zug der Automobilproduktion auf. Die Marke mit dem Löwen bezieht seine Motoren von Panhard & Levassor und baut innerhalb von fünf Jahren knapp 300 Fahrzeuge. Besonders interessant an der Automobilgeschichte in Frankreich ist, dass sich der Benzinmotor vergleichsweise langsam durchsetzt. Lange Zeit werden noch mit Dampf betriebene Fahrzeuge hergestellt.

Der Elektromotor als großes Thema der 1890er-Jahre

Zentraler Punkt der frühen Automobilgeschichte ist die Motorenentwicklung. In den 1890er-Jahren ist noch völlig unklar, welche Antriebsart sich durchsetzen wird. Neben dem Benzinmotor haben auch der Antrieb mit Dampfmaschine oder Elektromotor klare Vorteile. Als wichtigster Vertreter der Elektromotor-Autos ist der Lohner-Porsche von Ferdinand Porsche aus dem Jahr 1899 zu nennen.

Seine Leistungsfähigkeit bewies der Elektroantrieb bei dem ersten Geschwindigkeitsrekord der Automobilgeschichte. Der Belgier Camille Janatzky stellte ihn mit seiner "La Jamais Contente" ("die niemals Zufriedene") genannten Rennzigarre 1899 mit einer gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 105,876 km/h auf.

Komfort wird wichtig - Luftreifen und Wagenfederung

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erfüllten die Hersteller auch die ersten Wünsche nach mehr Komfort. So wurden verschiedene Karosserieaufbauten entworfen. Während die ersten Automobile noch gänzlich ohne Karosserie auskamen, nahmen sich die Kutschenbauer des Themas an und übertrugen die Bauformen auf das Automobil. Es gab Vis-a-Vis-Fahrzeuge, bei denen sich die Passagiere gegenüber saßen, dos-a-dos-Aufbauten (Rücken-an-Rücken) und den beliebten Phaeton, bei dem alle Passagiere in Fahrtrichtung blicken. 

Durch Dachaufbauten wurden die Automobile der ersten Jahre wetterfest, schon früh gab es auch Faltverdecke, die bei Bedarf hochgeklappt werden konnten.

Für den Fahrkomfort besonders bedeutend war die Entwicklung des Pneus, eines luftgefüllten Gummireifens, der die Straßenunebenheiten dämpfte. Der schottische Tierarzt John B. Dunlop gilt als Vater des Luftreifens für das Automobil. Die Brüder Michelin setzten ihren Luftreifen 1895 erstmals bei dem Automobilrennen Paris-Bordeaux-Paris ein. Auch beim Fahrgestell experimentierten die Automobilpioniere mit Komfort steigernden Federungen und Stoßdämpfern.

Die kommende Dekade stand unter dem Motto Reisen und Rasen.

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Kai Klauder

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