Die Politik versprach sofortiges Handeln. Auch auf der zweiten Etappe der ADAC Deutschland Klassik musste sich der rund 100 Autos starke Tross zunächst durch das Ampelgewirr von Essen arbeiten. Vor dem abschließenden Gala-Abend schwor Dr. Andreas Scheuer, Staatssekretär im Verkehrsministerium (CSU), er werde umgehend die zuständigen Behörden wegen einer Ampelreform anschreiben.
Pannenhilfe auch für Youngtimer und Oldtimer
Nachdem sich die wandernden Oldtimer aus den Außenbezirken gearbeitet hatten, folgte die Belohnung mit einem Abstecher ins obere Ruhrtal. Die Lust am Verweilen überkam den Jaguar XK 140 von Ursula Montua so sehr, dass er sich das Gasgestänge aushängte. Glücklicherweise heißt der Veranstalter ADAC, und so war die Pannenhilfe bei der Deutschland Klassik blitzschnell zur Stelle und legte nebenbei auch noch einen überschwemmten Vergaser trocken.
Die Ausfallquote hielt sich so sehr in Grenzen, dass bis auf einen alle Angetretenen auch das Ziel erreichten. Ein VW Käfer 1303 Cabrio musste allerdings am Hengsteysee stoppen – vor dem großen Pumpspeicherkraftwerk ausgerechnet mit streikender Benzinpumpe. Vielleicht erstarrte der Käfer angesichts solcher Zahlen einfach in Ehrfurcht. In Stoßzeiten rauschen zur Stromerzeugung 210 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch das 4,7 Meter dicke Rohr in die Turbinen. Staunend erfuhren die Teilnehmer der ADAC Deutschland Klassik, dass die damit erzeugten 153 Megawatt der Leistung von 5000 Käfern entsprechen.
Wer bei der Besichtigung fleißig mitnotiert hatte, tat sich beim Ausfüllen des Quiz-Fragebogens am nächsten Haltepunkt im Freilichtmuseum Hagen leichter. Vom Einlochen auf dem Golfplatz von Schloss Westerholt bis zum Schätzen eines Schraubenschlüsselgewichts im Kraftwerk war unterm Strich das Team Jühe/Strombier im Ford Modell A am besten und gewann einen Sonderpokal bei einer Veranstaltung, die Wert darauf legt, eigentlich keinen Sieger zu benötigen. Schließlich geht es der ADAC Deutschland Klassik ja ums möglichst stressfreie Wandern.
Butterkuchen in der Schnapsbrennerei
Statt Gleichmäßigkeitsprüfungen oder Schlauchfahrten standen der Besuch einer Auto- und Motorradprivatsammlung in den Scheunen eines Bauernhofes in Tiefendorf und Butterkuchen in einer Schnapsbrennerei bei Sprockhöfel auf dem Programm dieser Etappe der ADAC Deutschland Klassik. Auch wenn Friedhelm Kaimer seinen 1937er Mercedes 230 A ohne Lenkhilfe und synchronisiertes Getriebe über die waldigen Hügel wuchten musste, betonte Ehefrau Marianne: „So ist das doch alles viel entspannter.“
Dass das Ruhrgebiet nicht nur Fördertürme und Schlote zu bieten hat, wussten die Teilnehmer schon seit dem Vortag. Dennoch hinterließ auch der strahlend schöne Samstag bleibende Eindrücke. Der vor 17 Jahren nach New York ausgewanderte und extra für die Rallye angereiste Hans Middelberg meinte abschließend: „Seit ich Oldtimer-Rallyes fahre, lerne ich die deutschen Landschaften schätzen.“
Um deren möglichst viele bieten zu können, wird die ADAC Deutschland Klassik im nächsten Jahr ihren Standort wechseln. Nach der Kulturhauptstadt Essen wird der Dreh- und Angelpunkt im nächsten Juni die Geburtsstadt von Carl Benz sein. Von Karlsruhe aus erkunden die Teilnehmer 2011 dann Nordbaden.






