Lamborghini-Historie: Die Geschichte der Edel-Sportwagen

1963 Lamborghini 350 GTV

Der Name Lamborghini führt Sportwagenfans unmittelbar Bilder von atemberaubenden Traumautos vor Augen. Ein Rückblick auf auf 46 Jahre Sportwagen Geschichte.

Dabei fing alles ganz anders an. Ferrucio Lamborghini (1916 - 1993) hatte seine Firma im Jahr 1948 in Cento, Ferrara, gegründet und sich zunächst der Herstellung von Traktoren gewidmet. Das Geschäft mit den Landmaschinen lief offenbar derart gut, dass Lamborghini sich einen Sportwagen der Marke Ferrari leisten konnte.

Lamborghini gegen Ferrari - So nahm alles seinen Anfang

Der Legende nach hatte der Italiener an jenem Fahrzeug jedoch einige Kritikpunkte zu bemängeln. Also trug er dem großen Enzo Ferrari seine Optimierungsvorschläge vor. Die graue Eminenz von Ferrari soll daraufhin Ferrucio mit den Worten abgewatscht haben, er verstehe nur etwas von Traktoren, nicht aber von Sportwagen. Der Ehrgeiz des stolzen Italieners war geweckt und mündete in der Gründung von "Automobili Lamborghini": Ferrucio wollte Enzo Ferrari beweisen, dass er sehr wohl dazu in der Lage war, einen Sportwagen zu bauen. Als Markensymbol der neuen Firma firmierte fortan ein Stier. Er galt für Ferrucio Lamborghini als Symbol der Stärke.
 
Die Dinge nahmen ihren Lauf. 1962 "klaute" Ferrucio Lamborghini seinem neuen Erzfeind Ferrari zwei junge Ingenieure: Giotto Bizzarini und Gian Paolo Dallara hatten zuvor in verantwortlicher Position am legendären Ferrari 250 GTO mitgearbeitet. Nun sollten sie gemeinsam mit Designer Bertone und dem dritten Ingenieur, Franco Scaglione, den Entwicklungsauftrag Lamborghinis ausführen und einen Sportwagen entwerfen.

Lamborghini 350 GTV - das erste Showcar

Im Jahr 1963 erblickte das erste Lamborghini-Showcar das Licht der Autowelt: Der Lamborghini 350 GTV. Er begründete die Sportwagen-Historie der Marke mit dem Stier. Beim Motor, einem V12 mit 3,5 Litern Hubraum, entschied sich Bizzarini für einen Zylinderwinkel von 60 Grad, ein Kurbelgehäuse aus Aluminium, Trockensumpfschmierung und vier obenliegende Nockenwellen. Sechs Weber-Doppelvergaser prangten auf dem Kurzhuber, der im Mai 1963 erstmals auf dem Prüfstand lief und es auf 347 PS bei 8.000 Touren brachte.

Vom Motor war der Firmenchef derart angetan, dass er ihn sich in seinen Privatwagen bauen ließ. Doch beim Zusammenbau des Prototypen passte der V12 plötzlich nicht unter die flache Haube des Lamborghini 350 GTV. Es hatte offenbar an der Abstimmung zwischen den einzelnen Technikern gemangelt. Zudem soll dem Chef das Design mit der markanten Nase und den Klappscheinwerfern nicht wirklich zugesagt haben. Er wollte eine harmonischere Linienführung. Scaglione wurde gefeuert, auch Bizzarini verließ das Unternehmen. Zwar wurde der intern Tipo 103 getaufte Prototyp auf der Turin Motor Show 1963 gezeigt. Doch gleich danach verschwand er in einer Ecke des Werks.

Lamborghini 350 GT - das erste Serienfahrzeug

Das erste Serienfahrzeug von Lamborghini, der 350 GT, ging ein Jahr später in Serie. Der 3,5-Liter V12, der im 350 GTV noch den Charakter eines echten Rennmotors hatte, erfuhr eine Zivilisierung. Er mobilisierte zunächst 270 PS, später lagen sogar 320 Pferdestärken an. Dabei war der Lamborghini 350 GT weniger kompromissloser Sportwagen denn langstreckentauglicher Gran Turismo. Anders als im 350 GTV kam statt einer Trockensumpf- eine Nasssumpfschmierung zum Einsatz. Auch das Design der über den Rohrrahmen gespannten, in "Superleggera"-Bauweise gefertigten Karosserie ließ Ferrucio Lamborghini von der Carozzeria Touring radikal umgestalten. Unter anderem wichen die Klappscheinwerfer des 350 GTV nun elliptischen Leuchten.

Die Außenhaut bestand aus leichtem Aluminium, das Gesamtgewicht lag bei nur 1,3 Tonnen. In 6,8 Sekunden sprintete der erste Lambo auf Tempo 100. Maximal waren 250 km/h möglich. Auf dem Genfer Automobilsalon 1964 stellte Lamborghini das Auto erstmals der Öffentlichkeit vor. Im ersten Jahr verließen nur 13 Fahrzeuge zum Preis von jeweils 53.850 D-Mark das Werk. Für das gleiche Geld konnte man zu jener Zeit auch zwölf VW 1200 erstehen. Bis 1966 entstanden 135 Fahrzeuge. 1966 folgte der 270 km/h schnelle 400 GT 2+2, der mit insgesamt 250 Exemplaren noch erfolgreicher war. Er wurde von dem 320 PS starken Vierliter-V12 befeuert.

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Manuel Dohr

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