"Nicht bewegen" raunte mir mein Freund Jerry Cotton zu, "wir wollen mit dem Jaguar doch wieder nach Hause kommen." Das war 1965, und ich war elf. Als Cotton später seinen roten XJS V12 bekam, fuhr ich schon mit Kommissar X die Pagode 230 SL, dann den BMW 2000 CS von Mister Dynamit. Aber roter Jaguar E und knallharte Uppercuts, das saß für immer.
Jaguar E-Type: Ein Auto mit wohltemperierter Brutalität
25 Jahre Motor Klassik? Geh, wohin dein Herz dich trägt, jeder Redakteur hat freie Auswahl. Ich werde vorstellig bei unserem Freund Georg Eichele, der ein Original-Jerry-Cotton-Coupé sein Eigen nennt, Baujahr 1965, bestückt bereits mit dem 4,2-Liter-Sechszylinder. Drei SU-Flachstrom-Vergaser, 265 PS, nicht mehr so eng wie die Flat-Floor-Varianten aus dem ersten Jahr des 1961 präsentierten Jahrhundert-Sportwagens. Der auf optimales Drehmoment ausgelegte Langhuber (106 Millimeter!) und sein Chassis sind der perfekte Flirt-Weltmeister für jede Kurve, ein gewaltiges und ästhetisches Fahrgerät von der Sorte "Auto mit wohltemperierter Brutalität".
Sein Designer Malcolm Sayer hat mit dem Coupé einen Sportwagen gezeichnet, der die Roadster-Version formal glatt in den Schatten stellt. Paul Frere ließ Dunlop-Racing-Reifen aufziehen und nagelte mit 256 km/h von Rom nach Ostia. Und dann natürlich auch Fritz B. Busch. Sein auto-motor-und-sport-Testwagen platzte 1961 beim Messen, worauf der Meister aus der Not eine Tugend machte und als Impression eine der schönsten Geschichten schrieb, die je über einen Klassiker veröffentlicht wurde: Whisky pur oder die Flunder. Sein Satz "Am Ende des ersten Ganges hört nämlich auch der Ort auf", schlug mir die Füße weg, und ich beschloss, Motorjournalist zu werden. Weil: Da darf man Jaguar E fahren! Voilà, es ist vollbracht, und wenn ich am Ende des Tages etwas Ruhe finde, werde ich Jerry einen Brief schreiben etwa folgenden Inhalts: "Du hast Dir als Dienstwagen einen der schärfsten Sportwagen der Welt ausgesucht."


