Motor-Klassik-Leserreise Toskana: Strahlende Teilnehmer in Italien

Schwäbische Maultaschen in der Toskana? Na klar! Wenn Motor Klassik und Rainer Klink vom Boxenstop Museum Tübingen zu einer sechstägigen Leserreise aufrufen, ist für Abwechslung gesorgt. Für eine tolle Streckenführung sowieso.

Gleich werden sie kommen. Und ihn verhaften. Ganz bestimmt. Zwar hat man sich in Arezzo längst an die Eigenarten von Touristen gewöhnt. An die allgegenwärtigen Trekkingsandalen oder an Cappuccino nach dem Essen. Südlich der Alpen führt man inzwischen sogar Pizza Hawaii auf den Speisekarten, um den Teutonen als Gastgeber zu gefallen. Aber diesmal sind sie zu weit gegangen, diese Deutschen - schwäbische Maultaschen auf einem Parkplatz vor der historischen Stadtmauer. Frisch zubereitet und serviert.

Mama mia, das hat bisher noch kein Reiseleiter gewagt. Rainer Klink heißt der Mann hinter der überdimensionalen Bratpfanne. Gelassen portioniert der Urschwabe seine heimatliche Delikatesse auf Plastiktellern, verteilt sie an die rund 50 Teilnehmer dieser ersten Motor Klassik-Leserreise.

Ein Garant für Fahrspaß

Dazu ein Glas Wein (nein, kein Trollinger, so weit wollte Klink dann doch nicht gehen) und jede Menge gute Laune. Der Gag mit den Maultaschen nach der Stadtführung durch das verwinkelte Arezzo kommt an. "Die ungezwungene Picknick-Atmosphäre sorgt dafür, dass sich die Gruppe besser kennen lernt." Klink weiß, wovon er redet. Neben seiner Tätigkeit als Leiter des Boxenstop Museum in Tübingen organisiert er seit 15 Jahren geführte Klassiker-Touren durch halb Europa. Seit gestern sind Rainer und Ute Klink mit der Gruppe von Motor Klassik-Lesern unterwegs.

Sechs Tage in der Toskana stehen auf dem Programm. Im Herbst, wenn der größte Rummel vorbei ist und das Land nicht mehr unter der Hitze des Sommers leidet. Und auf möglichst kleinen Straßen. Weil die meist kurvig und ein Garant für Fahrspaß sind. Der Starschuss fiel in Modena. 25 tolle Autos, und nahezu alle haben die Alpen auf eigener Achse überquert.

Kleeblatt-mäßig Runden durch die Toskana drehen

Die Berliner Günther Roth und Doris Schramm im Mercedes 300 SL ebenso wie Max Mühleisen aus Augsburg im Renault Floride. Angst, dass das Cabriolet mit seinem 52 PS starken Motor im Heck überfordert sein könnte? "Keine Spur. Man muss sich einfach nur Zeit nehmen." Mehr als Tempo 90 mutet Mühleisen dem Auto nicht zu. Die Gruppe bezieht schließlich in Radda in Chianti für die nächsten fünf Tage ihr Quartier, dreht Kleeblatt-mäßig ihre Runden durch die Toskana.

Die Route führt ins bei Weinkennern besonders beliebte Montepulciano, dann nach San Gimignano (die Stadt mit den berühmten Geschlechtertürmen), nach Siena und Volterra. Das Roadbook haben die Klinks kurz zuvor persönlich ausgearbeitet und mit einer gehörigen Portion Highlights versehen.

Ein gutes Restaurant (das man selbst vermutlich nie gefunden hätte), ein Abzweig zu einem einmaligen Aussichtspunkt (an dem man garantiert vorbeigefahren wäre) oder ein Besuch auf einem Markt, auf dem Italiener und nicht Touristen in der Überzahl sind (so etwas gibt es also tatsächlich noch). Die Klinks lassen bei dieser Tour nichts aus - wissen, was ankommt. Oder was nicht. Zum Beispiel stur hinter einem Tourguide herfahren.

Jeder fährt, wie er möchte

In diesem Fall hinter dem Klink‘schen Volvo 245, Baujahr 1977, der von den Teilnehmern alsbald liebevoll Elchgondel getauft wird. Wer will, kann sich natürlich ans Heck des Schweden heften. Macht aber keiner. Die Teilnehmer brechen lieber nach Belieben auf, fahren in Kleingruppen oder auch mal allein. Eben jeder, wie er möchte. Die beiden Ferrari 328 GTS von Michael Kessler und Mark Kutzschbach zum Beispiel wollen gern schnell bewegt werden. Andere verlegen sich aufs Cruisen.

Wie Walter Rudolp im Jaguar XK 140 oder Matthias Wolf und Verena Plattner, die in einem Aufsehen erregenden BMW 502 Autenrieth Cabriolet unterwegs sind. Spätestens an den vereinbarten Treffpunkten kommen dann alle wieder zusammen. Zum Schauen, zum Essen, zum Reden. Das Rezept von Rainer Klink und Motor Klassik scheint zu funktionieren, verlangt nach einer Fortsetzung im kommenden Jahr. Gut, dass der Mann in Arezzo nicht doch noch von den Carabinieri in Haft genommen wurde.

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Michael Schröder

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