Der hohe Genuss, einen Klassiker zu fahren, ließe sich für Enthusiasten noch steigern: Wenn sie sich selbst von außen dabei zuschauen könnten, wie der tolle Oldtimer, in dem sie gerade sitzen, elegant die Landschaft quert.
Der Schlüssel zum schönen Bild ist die Lichtgestaltung
Da dies technisch nicht möglich ist und die dafür dann notwendige doppelte Persönlichkeit eher ein Fall für die Klinik wäre, greifen Oldie-Besitzer bisweilen zur zweitbesten Methode: Sie lassen einen Freund fahren und folgen dem eigenen Auto - nur um sich daran zu erfreuen, wie ihr Schmuckstück Stadt, Land und Feld durchmisst.
Es gibt aber noch einen dritten Weg, klassische Karosserieformen zu genießen: in ihrem Abbild, am besten großformatig und auf edlem Kunstdruckpapier. Generationen von Fotografen haben sich dieser Bedürfnisse angenommen und Bilder zu Büchern gebunden - oder zu Kalendern. Die Entwicklung der Technik schritt dabei über die Jahrzehnte fort, doch kreativer Schlüssel zum schönen Bild ist und bleibt der Umgang mit dem Licht.
Die Methode, mit der die Gaukler Studios jetzt den Klassikern zu Leibe rücken, ist dabei prinzipiell nicht einmal neu. Lichtpinsel-Verfahren heißt die Technik, mit langer Belichtungszeit und winziger Blendenöffung durch eine bewegliche Lichtquelle individuell bestimmte Partien eines fotografierten Objekts zu betonen.
Das Problem lag bisher darin, dass ein solcherart gestaltetes Bild ein Unikat blieb - exakt die gleichen Effekte ein zweites Mal zu erzielen, ist mit von Hand geführten Lichtquellen kaum möglich.
Mit Licht malen dank programmierbarer und elektronisch gesteuerter Scheinwerfer
Sascha Gaukler, Junior-Chef der in Filderstadt-Plattenhardt nahe Stuttgart beheimateten Studios, hat jetzt eine Möglichkeit ersonnen, die Lichtpinsel-Methode zu perfektionieren und reproduzierbar zu machen: "Ich besuche regelmäßig Lichtmessen und schaue mich dort um, was die Lichtkünstler der großen Bühnenshows so drauf haben." Gaukler junior entdeckte dabei elektronisch gesteuerte Scheinwerfer, deren Kipp- und Schwenk-Motoren sich auf bestimmte, immer exakt wiederkehrende Bewegungsmuster programmieren lassen.
Das, dachte sich Gaukler, müsste eigentlich auch im Studio funktionieren. Gesagt, getan. Zwei der beweglichen Scheinwerfer genügen, um zum Beispiel ein Auto dramatisch auszuleuchten, das unter und zwischen Reflexfolien parkt. Die Scheinwerfer malen ihre seltsamen Parabeln dann auf die Reflektoren.
Im elektronischen Übereinanderlegen mehrerer Bilder, die nach unterschiedlichen Lichtlauf-Kurven erzeugt wurden, liegt das Geheimnis der Erfahrung: Ein Vorkriegs-Sportwagen steht da zum Beispiel im vollen Gegenlicht wie ein germanischer Gott der Schmiedekunst, dessen dem Betrachter zugewandte Seite jedoch fein und harmonisch durchgezeichnet ist. In dieser Paarung von künstlerischem Effekt und eleganter technischer Dokumentation liegen Reiz und Anspruch der Bilder, die auch von privaten Sammlern in Auftrag gegeben werden können - Oldtimer-Ästhetik in höchster Ausprägung.
Der Allgemeine Schnauferl-Club war vom Ergebnis so begeistert, dass er seinen Jahreskalender 2010 in dieser Technik produzieren ließ. Das Resultat kann sich sehen lassen - Monat für Monat (Format DIN A 2, 28 Euro, bei: Gaukler Studios, Fax: 07 11/7 79 57 44, Internet: asc-kalender@ gaukler-studios.de).






