Das erste serienmäßige Cabrio-Coupé
Das Open-Air-Feeling genießen wir dabei in einem ganz besonderen Auto: dem ersten in Serie gefertigten Cabrio-Coupé namens Peugeot 402, quasi dem Urahn von 207 CC und 308 CC. Allerdings bewegte sich der 473 Mal gebaute Peugeot 402 in einer anderen Preisliga: Rund 34.000 Franc musste man für die extravagante Art der Fortbewegung auf den Tresen des Händlers legen. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse rund 150.000 Euro - dafür bekommt man einen offenen Porsche 911 Turbo. Montiert wurde der Peugeot 402 ausschließlich auf Bestellung, eine üppige Anzahlung verstand sich von selbst. Das können sich Autohändler heutzutage vermutlich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen. Aber es waren einfach andere Zeiten.Ein Zahnarzt erfand das versenkbare Metalldach
Das zeigt die Enwicklungsgeschichte des Cabrio-Coupés, in der Designstudios keine Rolle spielen: Anfang der dreißiger Jahre tüftelte der Pariser Zahnarzt Georges Paulin ein wenig herum und entwarf eine Karosserie mit versenkbarem Metalldach. Er zeigte die Zeichnungen dem Peugeot-Händler Emile Darl‘Mat. Der setzte die Pläne prompt in die Tat um - auf dem Chassis eines 301. 1933 auf dem Pariser Automobil-Salon wurde das Ergebnis der Öffentlichkeit präsentiert. Die Chefetage von Peugeot fand Gefallen am neuartigen stofflosen Dachkonzept und ließ im eigenen Karosseriebetrieb La Garenne-Colombe nahe der Seine-Metropole gleich ein eigenes Modell entwickeln - zunächst auf Basis von 401 und 601 und nur in geringen Stückzahlen. Im Oktober 1935 präsentiert man dann anlässlich der Vorstellung des neuen Peugeot 402 eine Version mit elektrisch betätigtem Stahldach und einer durchgehenden Sitzbank für drei Passagiere. Ein Jahr später erscheint schließlich das Serienmodell unter den Namen Peugeot 402 Éclipse, das auf zwei Sitzbänken fünf Insassen unterbringt.Beim Tritt auf das Bremspedal tut sich erschreckend wenig
Auf den elektrischen Antrieb für das Dach wurde allerdings verzichtet. Unser Exemplar des Peugeot 402, eine LE-Version, wurde am 31. Mai 1937 in der französischen Hauptstadt erstmals zugelassen. Mit erstaunlich wenig Spiel in der Lenkung lässt sich der 5,19 Meter lange Peugeot 402 über die Landstraßen dirigieren. Bodenwellen absorbieren die zentrale Querfeder vorn und die blattgefederte Starrachse hinten erstaunlich souverän. Doch während man auf der breiten Sitzbank vor sich hin sinniert, rollt der Peugeot 402 einer S-Kurve entgegen, die augenblicklich die Fortschritte im Automobilbau demonstriert. Denn beim Tritt auf das Bremspedal tut sich erschreckend wenig, die Verzögerung erfolgt auf dem Niveau der Vorkriegszeit. Dabei verfügt unser Exemplar sogar über eine nachgerüstete hydraulische Bremse von Lockheed. Offensichtlich waren die serienmäßig verbauten, mechanisch betätigten Stopper des Peugeot 402 selbst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht für jeden Geschmack ausreichend.Mit den 58 PS kann man noch heute glücklich werden
Doch unabhängig von der Art der Stopper: Unter einem Bremskraftverstärker verstand man noch den kräftigen Tritt auf das Pedal. Ab Werk gab es hydraulische Bremsen übrigens im Peugeot 402 erst für das letzte Produktionsjahr 1948/49. Auf den ersten Schreck folgt dann gleich der zweite: So entspannt, wie das elegante Cabrio-Coupé auf Geraden seinen Kurs hält, so stur wehrt es sich gegen das Einlenken in enge Kurven. Nur mit großem Krafteinsatz am Lenkrad lässt sich der Peugeot 402 davon abhalten, die Straße in Richtung Abhang zu verlassen. Mit den 58 PS, die der Vierzylinder des Peugeot 402 aus 1.991 Kubikzentimer Hubraum holt, kann man indes noch heute glücklich werden. Gerade in einem Cabrio reichen sie zum entspannten Cruisen auf Landstraßen, und mehr als Tempo 110 erreicht der Oldtimer ohnehin nicht. Immerhin zieht der wassergekühlte Motor schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig an. Bereits bei Stadttempo kann der dritte und somit höchste Gang eingelegt werden.Die Blechkapuze des 402 besteht aus einem Stück
Gewechselt werden die Übersetzungen wie bei Ente und R4 mittels Krückstockschaltung. Wer sich ausreichend Zeit beim Gangwechsel lässt, kommt sogar ohne Zwischengas aus. Beim Rangieren streifen allerdings die Knöchel am Schaltknauf, und das Schaltschema ist zumindest gewöhnungsbedürftig: Wo man den ersten Gang beim peugeot 402 vermuten würde, also vorn links, befindet sich der Rückwärtsgang. Die erste Fahrstufe liegt hinten links, der zweite und dritte sind in der rechten Ebene angeordnet.Auch die Dachkonstruktion des Peugeot 402 ist noch nicht so raffiniert und ausgetüftelt wie in modernen Hardtop-Cabrios. Schließlich besteht die Blechkapuze des Peugeot 402 aus einem Stück, das sich nicht handlich zusammenfalten lässt. Entsprechend groß fallen der Heckdeckel und der Platzbedarf im Kofferraum aus, zumal auch ein ausladendes Gestänge untergebracht werden muss. Und statt eines Drucks auf die Dachtaste erfordert die Metamorphose Teamarbeit.






