Porsche 914-Spezialist: Dr. 914, der Arzt dem VW Porsche vertrauen

Porsche 914

Mit zunehmendem Alter wird der VW Porsche 914 attraktiver - vor kurzem feierte er seinen 40. Geburtstag. Kunden aus der ganzen Welt kommen mit ihren Problemen zu Dr. 914 nach Marietta, Georgia.

"Der Porsche 914 ist ein grandioser Sportwagen. Er ist leicht, breit, schnell und mit dem Mittelmotor allemal schnell genug", macht Firmeninhaber George A. Hussey aus seiner Liebe keinen Hehl, "so ein Sportwagen gehört einfach in die Zeit."

Porsche 914/916-Teilekatalog ist ein Renner

George, wie ihn alle Kunden in seinem Betrieb, rund 15 Minuten nördlich von Atlanta/Georgia, nur nennen, weiß, was er sagt. Seit 1974 hat er sein Herz an den Porsche 914 verloren. Privat hat er heute mehr als 30 Autos, von wenigen Ausnahmen abgesehen alles Porsche-Modelle. Neben exklusiven Modellen der Baureihe 914/916 unter anderem 911er der verschiedenen Generationen und einige 356er.
 
"Ich bin 1974 auf den Porsche 914 gekommen", erzählt der Unternehmer. "Ich habe damals zusammen mit einem College-Freund einen gekauft, an dem wir immer herumgebastelt haben. Zu den wirtschaftlich schweren Zeiten konnte sich kaum einer einen echten Sportwagen leisten. Da war der 914 genau das Richtige." Nebenbei handelte Hussey mit Teilen und kam schließlich auf die Idee, einen eigenen Katalog aufzulegen. Die Nachfrage am drei Dollar teuren Pamphlet war riesig. Bis heute sind die Teilekataloge wahre Bestseller. Mittlerweile exportiert Husseys Firma Auto Atlanta Teile von der Radnabe über Schriftzüge bis zu kompletten Antriebseinheiten in die ganze Welt - auch über Ebay.

Auto-Atlanta gilt als Porsche 914/916-Spezialist

Die Liebe zum VW Porsche währt bis heute. Seit Jahren gelten George A. Hussey und sein Team von Auto-Atlanta nicht nur in den USA zu den größten Experten auf dem Gebiet des VW Porsche. "Gerade aus Deutschland kommen sehr viele Anfragen zu uns", berichtet Teileverkäufer Charlie Smith, "wir produzieren viele Teile des 914 neu und haben alles auf Lager – deutlich preiswerter als in Europa." Viele Anfragen aus Deutschland behandelt Smith selbst, schließlich stammt er aus Heidelberg.

Porsche-Friedhof nebenan
 
Das Firmengebäude an dem Marietta Parkway platzt aus allen Nähten. "Wir müssten seit Jahren mehr Fläche haben. Ist aber nicht ganz einfach hier", lacht George und führt einen zum zugewachsenen Nachbargrundstück. Hier fallen nicht nur Porsche-Fans die Augen aus dem Kopf. Wild von Büschen und Gräsern überwuchert, sammeln sich dort wie in einem Biotop der anderen Art unzählige Porsche-Modelle. Linkerhand stapeln sich 914er-Modelle, daneben ein paar zerrupfte 924er. Mit einer Machete müsste man sich den Weg bahnen, wollte man alle Fahrzeuge begutachten. "Ich war schon einige Zeit nicht mehr hier", so George, "ich wusste gar nicht mehr wie stark die eingewachsen sind. Das Grundstück ist einen Block lang. Insgesamt müssten hier wohl 200 Fahrzeuge liegen. Doch die haben alle noch eine Zukunft als Teileträger."

Vergriffene Teile werden nachgebaut

Zurück vom unscheinbaren Porsche-Friedhof nebenan geben George Hussey und sein 15-Mann-Team einen Einblick in Werkstatt und Teilelager. Auf Hebebühnen stehen neben restaurationsbedürftigen Porsche 916 der frühen 70er Jahre auch Boxster, ein 911 RS und ein 944. "Wir führen hier für viele Porsche-Kunden in der Umgebung von Atlanta Service und Reparaturen durch", so Marketing-Mann Reid Bianchine, "doch unser Hauptgeschäft sind die 914er und 916er." Das Teilelager ist gigantisch. Fein säuberlich sortiert finden sich in einzelnen Regalen Tachos, Scheinwerfer, Konsolen oder Kotflügelverbreitungen. George A. Hussey:  "Gerade für den 914er sind viele Teile seit Jahrzehnten nicht mehr zu bekommen. Daher produzieren wir mit verschiedenen Betrieben solche Sache nach. Die Nachfrage ist riesig." Viele sind auf der Suche nach Karosserieteilen. "Die meisten 914er haben Rostprobleme. Weniger vom Regen, als vielmehr von auslaufender Batteriesäure", so Hussey und zeigt auf die Innenräume zweier Kundenmodelle auf dem Hof.

Großes Porsche 914/916-Angebot
 
Neben dem Teileverkauf kann man bei Auto-Atlanta auch ganze Fahrzeuge erwerben. Auf dem Hof stehen rund 40 Porsche-Modelle; bevorzugt normale 914, aber auch der stärker motorisierte Sechszylinder vom Typ 916, eine Reihe von Prototypen, 924 /944 sowie ein paar 928 oder 911. Prunkstück ist der Prototyp eines rennstreckentauglichen Porsche 916 mit dem modifizierten Triebwerk eines 911s von 1974. "Das ist einer von elf, die damals produziert worden sind und der einzige in Nordamerika", so Reid Bianchine, "müsste mindestens  500.000 Dollar wert sein." Gleich nebenan ein dunkelroter 914 mit einem Dreiliter-Sechszylinder oder der knallgrüne 916 im Topzustand, der gerade 5.000 Meilen gelaufen hat.
 
"Ich verstehe bis heute nicht, wieso der VW Porsche bei vielen so ein Frauenimage hatte", schüttelt George den Kopf, "es ist doch ein echter Porsche. Jeder der 116.000 Fahrer eines der US-Modelle war ein Fan." Rund drei Viertel aller produzierten Porsche 914/916 gingen in die USA. Der Großteil davon in den Sonnenstaat Kalifornien. Heute kostet ein Porsche 914 auf dem freien Markt im mittelmäßigen Zustand 10.000 Dollar, ein Topmodell im Originalzustand mehr als 25.000.

Fortsetzung der VW Porsche-Geschichte in Sicht
 
Besonders rar sind die exklusiven 916er mit dem stärkeren Sechszylinder, die original mehr als 50.000 Dollar kosten und selbst restauriert noch 35.000 wert sind. George A. Hussey und seine Team werden mit ihrer Liebe in den nächsten Jahren noch ein paar mehr Porsche 914 auf die Straße bringen. Derzeit sind in den USA noch rund 50.000 Exemplare unterwegs. Und wenn Porsche und Volkswagen sich im nicht enden wollenden Übernahmestreit geeinigt haben: Vielleicht gibt es in den nächsten Jahren eine Neuauflage des VW Porsche - wer weiß?

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Stefan Grundhoff

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