Prototyp Hamburg: Fotowettbewerb Kunst der Stunde

Prototyp, neues Hamburger Zentrum für Auto-Kultur, eröffnet mit einem hochklassigen Fotowettbewerb. Ein Ausblick auf das Projekt.

Zwei Männer, ein Traum

1992 diskutierten der spätere Diplom-Kaufmann Oliver Schmidt, heute 34, und der angehende Architekt Thomas König (36) nicht nur über das Leben, sondern auch über die Kunst, das Automobil und über ihre persönliche Beziehung zu beiden Gebieten. Heraus kam eine schöne, runde Vision, die Schmidt selbstironisch noch heute so zitiert: "Als 30-Jährige wollten wir uns große Zylinder aufsetzen und ein komfortables Dasein als Museumsdirektoren genießen."

Die Realisierung des Jugendtraums hat zwar ein paar Jahre über die 30er Grenze hinaus gedauert. Doch was die beiden Automobil- Enthusiasten in einem frisch renovierten Hamburger Speicherhaus bis jetzt zusammengetragen haben, verdient allen Respekt. Rund 50 Automobile, Motoren und Modelle versammelt das Prototyp-Projekt in Hamburg - vom Jordan-Formel 1 des GP-Debütanten Michael Schumacher aus dem Jahr 1991 über den Cisitalia D46 von Otto Mathé und Hans Stuck bis hin zum Rekord-Kübel mit der seltsamen Alu-Karosserie des Hannoveraner VW-Händlers Petermax Müller.

Anders Ausstellen - Alle Sinne ansprechen

Aber dabei soll es nicht bleiben. "Die Tätigkeit eines Museumsdirektors setzt ein Museum voraus", resümiert König, "und von diesem Klischee hat sich unser Ansatz als Sammler immer weiter entfernt." Konventionelles Präsentieren von Kulturgut ist den beiden Aktivisten aus der Hamburger Shanghaiallee nämlich zuwider: "Statische Exponate, ängstlich abgesperrt, technische Daten auf nüchternen Erklärungstafeln - so eine langweilige Art der Präsentation haben unsere technischen Kunstwerke nicht verdient."

Entsprechend setzt die feierliche Eröffnung der neuen Prototyp- Sammlung am 12. April auf andere Effekte. Wenn die ersten 40 Exponate der Öffentlichkeit zugänglich werden, soll der Besucher "in eine faszinierende Atmosphäre automobiler Kultur eintauchen". Dazu gehören eine akustische Mischung aus Streckensprecher und Motorengebrüll, durchsetzt mit dem Odeur von Rizinusöl und Reifenabrieb.

Der Enthusiasmus der beiden Auto-Freaks reicht dabei weit über die aus Stahl, Gummi und Öl bestehenden Präsentationsstücke hinaus. König: "Mindestens ebenso wichtig wie die Wagen selbst ist die tiefe Verneigung vor den Persönlichkeiten ihrer damaligen Konstrukteure, Erbauer und Piloten. Wir halten es für unverzichtbar, auch den Geist und das Ambiente zu schaffen, um die Objekte sowie ihre Betrachter in die entsprechende Atmosphäre zu tauchen. Die Präsentationstechnik, nur so viel sei hier verraten, wird Geruch, Geschmack, Gefühl und Geräusche umfassen - ein Fest der Sinne im Zeichen des historischen Automobils."

Schmidt und König ist klar, dass ein funktionierendes Museum keine statische Angelegenheit sein darf. Folglich setzen sie nicht nur auf die Strahlkraft der ersten Ausstellung "Deutsche Rennsportgeschichte", sondern zum Beispiel auch auf hochwertigste Multimedia- Technik. "Die Besucher werden die Atmosphäre spüren können, die einst in Le Mans auf den Tribünen herrschte", versprechen die Prototyp-Erbauer.

Fahrzeuge, Kunst, Bibliothek, Gläserne Werkstatt und Film

Dazu kommen eine interaktive Bibliothek mit digitalisiertem Archiv und eine Gläserne Werkstatt, in der Spezialisten die hohe Kunst des Restaurierens demonstrieren, ein stilvolles Restaurant, ein Automobilia-Shop und ein Kino, in dem Dokumentar und Spielfilme aus der Welt der Mobilität vorgeführt werden.

Einer der Prototyp-Höhepunkte ist der Kunst gewidmet, Gemälden und der Fotografie. Zur Eröffnung haben sich Schmidt und König eine Fotoausstellung der besonderen Art einfallen lassen. Schon der Titel macht neugierig: "Den Erlkönig gesehen - 7 Tage Prototyp. 7 Fotografen. 7 Blickwinkel."

Das Konzept kam sozusagen aus der Tiefe des Raumes: Die Aufgabe bestand darin, die Sammlungsobjekte in ein Spannungsverhältnis zu den noch leeren Räumen des historischen Gebäudes zu setzen. König: "Wir wollten die Räume noch ohne Einbauten oder sonstige Gegenstände, die den Blick ablenken könnten. Gleichwohl sollten sie Gestaltungsmöglichkeiten zeigen für den späteren Museumsbetrieb, mit sämtlichen für das Gebäude typischen Merkmalen wie Rundsäulen, Deckenträger, die Grundfarbe Weiß und die unter der Decke weitergeführte Straße."

Die Teilnehmer des Fotowettbewerbs, der die Prototyp-Eröffnung als künstlerisches Highlight begleitet, sind ausnahmslos Mitglieder der Fotografen- Vereinigung "Klubfoto". Ihr Grund für die Teilnahme an dem Concours bestand in der fast völligen Freiheit in der Wahl der Darstellung. Jeder Teilnehmer konnte sich ein Objekt wählen - ob Automobil oder Modell. Kamerawahl: frei. Format: frei. Aufnahmematerial Film oder Digital: frei. Schwarzweiß oder Color: frei.

"Die Ergebnisse", freut sich König, "spiegeln eine erstaunliche Bandbreite zum Thema Auto und Architektur wider." Das Siegerfoto von Martin Luther überzeugte die Jury durch den optischen Dreiklang von "Raum, Objekt, Spiegel". Dazu ist es noch programmatisch: Der Audi R8 ist ein Prototyp.

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