Auf einem Schotterweg legen wir die letzten Meter zurück. Da, endlich, in Maricopa sehen wir es, das riesige Freigelände von "Hidden Valley Auto Parts", dem größten Autofriedhof Amerikas.
Der größte Autofriedhof Amerikas: Mehr als 2,4 Millionen Quadratmeter Fläche
Auf einer gigantischen Freifläche erstrecken sich endlos wirkende Reihen klassischer Autowracks. Gut konserviert, bei über 50 Grad im Sommer und wenig Niederschlag, warten amerikanische Straßenkreuzer und sogenannte Import-Cars darauf, ausgeschlachtet zu werden. Bestellungen kommen aus aller Welt, vor allem via Internet (www.hiddenvalleyautoparts.com); man kann aber auch vor Ort selbst Hand anlegen.
Wie kommt man zu so viel rostigem Kulturgut? fragen wir uns. "Den Grundstock legte mein Vater", sagt Jeff Hoctor, "er kaufte 1961 zunächst einen Teil des Geländes." Hoctor senior war damals auf der Suche nach einer großen Freifläche für Schrottfahrzeuge eines Autofriedhofs, den er in Oregon gekauft hatte - überwiegend Straßenkreuzer aus den 50er Jahren, die er vor der Presse hatte retten wollen. Das Gelände in Oregon gehörte ihm nicht, es sollte bebaut werden, daher musste er sich was einfallen lassen und fand zum Glück dieses Freigelände nahe Phoenix.
Mit einem ganzen Schrottplatz von Oregon nach Arizona umziehen? Da ist jeder noch so große Umzuglaster dieser Welt überfordert. Der Senior verlud die zum Teil noch fahrbereiten Schätze in Zugwaggons und brachte sie nach Maricopa. Inzwischen stehen hier über 10.000 Fahrzeuge, denn alle Abschleppdienste der gesamten Region liefern ständig neue alte Ware an. Zudem kauft Jeff Hoctor bei günstigen Gelegenheiten ganze Container voller Schrottfahrzeuge auf.
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Chaos mit System - in 80 je einen Kilometer langen Reihen
Sein Gelände ist groß genug dafür: "Auf jeder Seite des Büros erstreckt sich eine Fläche von zehn Fußballfeldern", sagt Jeff, und macht eine ausladende Handbewegung. "Alle Autos stehen nebeneinander, werden möglichst nicht gestapelt, damit man besser und sicherer daran arbeiten kann." Auf der einen Seite des Freigeländes stehen ausschließlich US-Fahrzeuge, auf der gegenüberliegenden nur europäische und japanische.
Als wir sein Büro verlassen, blicken wir in jeweils einen Kilometer lange Reihen - insgesamt 80 Stück davon. Hinter dem vermeintlichen Chaos steckt penible Ordnung und ein System. Die Wracks sind nach Hersteller, Typ und Baujahr sortiert. Schnell wird klar, dass wir das Gelände unmöglich an einem Tag ablaufen können. Jeff schmunzelt und beauftragt einen seiner Mechaniker, uns rumzufahren. Joe ist eine von 14 Personen, die dieser Familienbetrieb beschäftigt.
Rechts und links von uns wirbelt der Wüstensand auf, als wir an schlafenden Schönheiten vorbeisausen. Ich will wissen, ob nur Teile oder auch Komplettfahrzeuge verkauft werden. "Wenn man einzelne Exemplare wirtschaftlich sinnvoll retten kann, verkaufen wir sie auch am Stück", sagt Joe.
Der Erhaltungszustand ist sehr unterschiedlich - und auch der Grad der Ausschlachtung. Bei den Importmodellen interessiere ich mich vor allem für frühe Datsun Z 240, Toyota Celica, Alfa Romeo, Mercedes-Benz und Volkswagen. Die Mehrzahl stammt aus den späten 60er und 70er Jahren.
80 Prozent der Ware wird verschickt
"Viele Wagen wurden von Soldaten, die aus Auslandseinsätzen heimkehrten, mitgebracht", erklärt Jeff, als wir wieder bei ihm im Büro sind. Und weiter: "Die Auswahl an US-Fahrzeugen ist natürlich wesentlich größer. Besonders gut sortiert sind wir bei Autos der 50er und 60er Jahre." Sehr beliebt seien Cadillac-Teile, vor allem in Übersee - und zwar fast aus allen Baujahren. "Chevrolet- Teile der Fünfziger gehen auch immer", ergänzt Jeff Hoctor, "davon hätte ich gern noch mehr, vor allem 55er bis 57er. Früher gingen diese Schlitten als Komplettfahrzeuge weg, jetzt kann man aus den Teilen viel mehr rausholen."
Verpackt für den Versand werden diese Schätze von Jeffs ältestem Mitarbeiter Steve. "Steve hat hier schon gute Arbeit geleistet, als mein Vater noch die Geschäfte führte", sagt Hoctor. "Jetzt verpackt er Teile, die telefonisch oder per Internet bestellt werden - und er macht das sehr sorgsam und trotzdem flink. Immer mehr unserer Ware wird nämlich verschickt, inzwischen rund 80 Prozent. Das Meiste geht an die Ostküste, rund ein Zehntel nach Übersee, vieles nach Skandinavien, aber auch nach Australien oder sogar Japan."
Und was macht der traditionsreiche Familienbetrieb, wenn irgendwann mal alles ausgeschlachtet und verkauft ist? Hoctor lässt seinen Blick über die endlosen Reihen von Schrottautos wandern. "Hm, finden Sie, dass ich davor Angst haben muss? Nein, hier werden jeden Tag neue Teilespender angeliefert. Und was heute noch ein Youngtimer ist, wird morgen schon ein gesuchtes Classic Car sein", meint Jeff schmunzelnd. Stimmt, und so darf die Schraubergemeinde weiterhin von schlafenden Schönheiten und deren Wiederbelebung träumen.
Autor: Frank R. Schulz
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