Autos, die man nicht vergisst (36) - VW 181: VW 181 - das kantige Zweckmobil

VW 181

Ein in waidmännischem Grün gehaltenes, vierschrötig wirkendes "Kurierfahrzeug", wie es VW-intern genannt wird, so etwas wie ein neuzeitlicher Kübelwagen mit Klappverdeck, Steckfenstern und, natürlich, dem dogmatisch wirkenden Boxer.

Klaus Westrup, der seit 40 Jahren für auto motor und sport schreibt, erinnert sich diesmal an den VW 181.

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Das VW-Programm ist Ende der Sechziger noch übersichtlich - Käfer, die 1600er-Stufenheck-Limousine, der als Nasenbär verspottete große 411, die Transporter, allesamt mit luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotoren im Heck.

"Die Türen schmeißt man am besten weg."

Wenn man so will, hat Volkswagen ein Nischenprodukt geschaffen. Der burschikose, optisch völlig unübliche Auftritt des kantigen Zweckmobils verhilft ihm anlässlich eines Testberichts zu einem respektablen Platz auf dem Titel von auto motor und sport der Ausgabe 24/1969. Daneben findet sich ein neuer Porsche 911 ein, jetzt mit 2,2 Liter Hubraum.

Starfotograf Julius Weitmann, selbst passionierter Jäger und somit potenzieller 181-Käufer, hat das Titelbild geliefert und auch den Rest dieses neuen Volkswagens im Bild festgehalten. Wir stehen um die Leuchtplatte herum und suchen die Fotos fürs Heft aus. Das Auto hat vier Türen, man kann sie sogar ausbauen, aber im Gegensatz zu den seitlichen Steckscheiben, die in einer dazugehörigen Tragetasche Platz unter der vorderen Haube finden, ist ihr Verbleib ungewiss. Nicht mal die Betriebsanleitung sagt etwas. Zufällig mustert Heinz-Ulrich Wieselmann, damals Chefredakteur, die Sechsmalsechs-Dias und weiß sofort Rat. "Die Türen", sagt der Mann, der schon in den fünfziger Jahren Porsche Carrera fuhr, "schmeißt man am besten weg." Er dreht sich um und fügt im Weggehen mit leiser Stimme noch etwas hinzu. Es klingt wie Scheißkasten.

Der Käfer-Boxer ist akustisch eine Katastrophe

Der Testbericht bemüht sich um mehr Verbindlichkeit. Doch schnell stellt sich heraus, dass der 181 weder Funcar noch ernst zu nehmender Geländewagen ist, auch wenn es gegen Aufpreis ein Sperrdifferenzial gibt. Schon milde nasse Wiesenhänge lassen das nur mit Heckantrieb versehene Automobil ebenso scheitern wie einen normalen Käfer. Was an diesbezüglichem Plus bleibt, ist allein die beachtliche Bodenfreiheit von 20 Zentimetern.

Im Heck arbeitet ein alter Bekannter, der Käfer- und Transporter-Motor mit 1,5 Liter Hubraum und 44 PS. Akustisch stellt sich das brave und weit verbreitete Triebwerk als Katastrophe dar. Bereits ab Tempo 70 schwillt der Motorlärm, der in dem VW-Kübel offenbar einen glanzenden Resonanzboden vorfindet, so intensiv an, dass man sich am Steuer eines Mähdreschers wähnt. Und obwohl der 181 mit einem Gewicht von knapp 900 Kilogramm nicht schwer geraten ist, sind Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit (116 km/h) enttäuschend. Fast 40 Sekunden vergehen bis Tempo 100, allein die beiden ersten, betont kurz und kletterfreudig ausgelegten Gänge vermitteln ein gewisses Vorwärtsgefühl. Auf Stadt-Tempo 50 kommt der 181 in nur 6,5 Sekunden, auch die Bergsteigefähigkeit ist, griffigen Untergrund vorausgesetzt, nicht von schlechten Eltern. Noch im zweiten Gang schafft der Kübel 30 Prozent Steigung, im ersten sind es sogar 55 Prozent.

Wo sind sie nur, die steilen Berge? Man konnte die berühmte Turracher Höhe in den österreichischen Bergen im Zweiten bezwingen, das wäre so etwas wie ein Erfolgserlebnis. Aber hier? Das bergige Stuttgart ist nicht die rechte Kulisse, die Autobahn erst recht nicht, und Waldwege sind meistens verboten.

Klappbare Scheibe: Der VW 181 ist Auto und Motorrad in einem

In nicht beabsichtigter Form nimmt der 181 die Sinnlosigkeit des geländetauglichen Autos in einem zivilisierten Straßen- Land vorweg. Es bleibt der unelegante, aber immerhin abenteuerlich wirkende optische Auftritt. Attraktiv findet den 181 kaum jemand, er hat auch keine Ausstrahlung. So gehört nicht viel Phantasie dazu, ihm schlechte Verkaufschancen als Spaß-Auto zu prognostizieren.

Aber taugt er als schlichtes, robustes Cabrio? Da sieht der aus der Art geschlagene Volkswagen schon besser aus. Kaum ein anderer offener Viersitzer lässt den Fahrtwind so ungehindert ins Interieur. Wem die stürmischen Böen bei heruntergeklapptem Verdeck und entfernten Seitenscheiben noch nicht ausreichen, kann mit wenigen Handgriffen die fast senkrecht stehende Windschutzscheibe kappen. Nun ist das rustikale Wesen Auto und Motorrad in einem.

Mit geöffnetem Verdeck, das sich über dem Motorabteil zu einem kleinen Buckel zusammenfalten lasst, wird der Geräuschpegel erträglicher. Auf die Fahreigenschaften hat dies erwartungsgemäß keine Auswirkungen, und Käferfahrer, die mit dem heckmotorbedingten Übersteuern ihres Autos vertraut sind, werden sich wie zu Hause fühlen.

Die Bundeswehr nimmt VW 2.000 181 ab

Die kantige Karosse ruht auf dem Käfer- Fahrwerk mit hinterer Pendelachse und der alten Vorderachse, bei der lediglich verstärkte Kurbelarme und ein kräftigerer Achskörper für Unterscheidung sorgen. Da alles mit deutlich höherem Schwerpunkt geschieht, erfolgt auch das Ausbrechen des Wagenhecks in schnell gefahrenen Kurven vehementer, auch wegen der geringeren Seitenführungskraft der serienmäßigen Gelände-Gürtelreifen. Nun ist fix und gekonnt mit dem trist aussehenden Lenkrad des Sparkäfers 1200 A gegenzulenken, weil der 181 sonst unweigerlich im Grünen landet - da, wo er optisch am besten aufgehoben ist.

Der Testwagen WOB-VD 40 verlässt die Redaktion unbeschadet. Niemand ist traurig, nicht einmal der Mann, der ihn fotografierte, Waidmann Weitmann. Auch VW ist nicht bekümmert, denn die Bundeswehr hat spontan 2.000 Exemplare bestellt. Heldentaten darf sie von diesem Auto nicht erwarten, aber für den Kurierdienst ist es geeignet – wie fast jeder andere Viertürer.

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Klaus Westrup

Autor:

Motor Klassik, Heft 12 / 2009

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VW nahm den 181 zu ernst, deshalb war er überfordert. Der Kurier litt unter dem Makel, kein richtiger Geländewagen zu sein. Die Leute nannten ihn verächtlich Kübel.


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