Mazda-Sammler Walter Frey: Mit einem Mazda Cosmo fing alles an

Mazda-Sammlungen

Mazda-Sammler Walter Frey haben es besonders die im Englischen Rotary-Engines genannten Wankelmotoren angetan - die Rotation bestimmt sein Leben. Der Mazda-Händler fahndet weltweit nach allem, was durch kreisende Kolben angetrieben wird. Mit großem Erfolg.

Es sind die Geschichten, die den Charme eines Autos ausmachen. Walter Frey kann zu jedem seiner rund 150 Oldtimer mindestens eine Anekdote zum Besten geben. Kein Wunder, schließlich hat der 64-jährige Mazda-Händler aus dem schwäbischen Gersthofen bei Augsburg die meisten Autos mit detektivischem Spürsinn und einer gehörigen Portion Glück auf der ganzen Welt aufgestöbert.

Erst sollte es ein Cadillac werden

Dicht an dicht parken die Autolegenden nahe bei Augsburg in zwei von außen unscheinbaren Hallen, in denen es nach Öl und Benzin duftet. Begonnen hat die Geschichte vor rund 20 Jahren. Obwohl Frey in seinem USA-Urlaub eigentlich einen Cadillac kaufen will, fällt ihm beim Blick in die Autozeitschrift "Hemmings Motor News" ein Mazda Cosmo auf. Jener Sportwagen, mit dem die Japaner kurz vor dem NSU Ro 80 in Serienfertigung gingen und der nie nach Deutschland importiert wurde. In New Jersey steht der weiße Sportler. Die Freys weilen in New York. "Der Besitzer meinte nur, wir sollten einfach das Schiff über den Hudson nehmen. Das haben wir dann gemacht." Der Cosmo ist im "typisch amerikanischen Showzustand", wie sich Freys ältester Sohn Joachim kopfschüttelnd erinnert.

In Deutschland würde man ähnlich gespachtelte Exemplare Blender nennen. Immerhin sind alle Teile vorhanden - bei japanischen Oldtimern ein entscheidender Punkt, denn Traditionspflege betreiben die asiatischen Hersteller praktisch nicht. Ersatzteile sind kaum zu bekommen: "Wenn was fehlt, kann man es eigentlich vergessen, das Auto zu restaurieren. Verrottete Teile jedoch kann man wieder aufarbeiten." Zusammen mit dem zweiten Sohn Markus haben die drei Freys nun eine Wochenendbeschäftigung gefunden: Schrauben.

Mit Erfolg - der weiße Cosmo steht heute da wie neu. Um ihn herum drängen sich in der ans Wohnhaus grenzenden  Lagerhalle die Prunkstücke der Sammlung. Über 150 Autos sind es mittlerweile, so genau weiß Frey das gar nicht auf Anhieb. Alle fahrbereit, denn für den ständig gut gelaunten Autohändler "ist nur ein Auto, das fährt, auch ein Auto". In einer weiteren Halle warten einige angegriffene Modelle als Organspender. Rund 100 Fahrzeuge haben einen Rotationskolben-Motor unter der Haube. Das Wankel-Prinzip fasziniert Frey schon seit der Berufsschule, "auch wenn unser Lehrer die Technik abgelehnt hat. Für mich war es etwas faszinierend Neues." Als er sich mit einem eigenen Autohaus selbstständig machen will, kommt 1976 folglich die Marke Mazda in die engere Wahl. Er bewirbt sich um die Aufnahme ins Händlernetz, bekommt den Vertrag und ist der Marke bis heute treu. Wenn er nicht gerade in einer der Filialen nach dem Rechten schaut, sammelt er.

Frey sammelt leidenschaftlich - Autos, Uhren, Modellautos

Die Autokollektion ist nur ein Aspekt seiner Sammel-Leidenschaft. Im Partyraum des Hauses hängen diverse Uhren inklusive des Zeitmessers einer Ulmer Kirche. Auf Regalen reihen sich neben Wankel-Devotionalien Bierkrüge und Bügeleisen aneinander. In Vitrinen parken Modellautos. Zu fast jedem Auto seiner Sammlung hat er auch die passende Miniatur aufgetrieben - natürlich in der gleichen Lackierung. Die Passion für Autos entdeckt er schon als Jugendlicher. Mit 16 kauft er einen grünen Singer-Roadster SM 1500. Er baut das Auto in Eigenregie auf, doch dann kommt sein 18. Geburtstag und somit die Wehrpflicht. "Ich bin Antimilitarist und wollte nicht zum Bund, da bin ich nach Australien gegangen."

Drei Jahre lebt er down under, arbeitet bei einem Autohändler und ist am Boden zerstört, als seine Mutter per Brief mitteilt, sein Auto "für 200 Mark verkauft" zu haben. Zurück nach Deutschland treibt ihn die Suche nach einer deutschen Frau. Die findet er, doch Ute weigert sich, mit ihm ans andere Ende der Welt zu ziehen. So bleibt er in Deutschland. Die Ehe hält bis heute. Auch wegen des gegenseitigen Verständnisses für das jeweilige Hobby. "Sie lässt mir die Autos, ich rede ihr beim Garten nicht rein."

Wankel-Raritäten soweit das Auge reicht

In der dritten Reihe seiner Sammlung steht ein weiteres Zugeständnis: ein Mercedes 190 SL. "Mir gefällt er nicht, aber meine Frau wollte ihn unbedingt haben", schmunzelt Frey. Bei einem Rundgang zwischen den Fahrzeugen sprudeln die Anekdoten nur so aus dem Schwaben heraus. Der Ro 80? Gehörte dem letzten Neckarsulmer NSU-Betriebsarzt. Ein silberner Mazda RX-7 war auf den führerscheinlosen Felix Wankel zugelassen. Mazda hat ihn dem Konstrukteur einst geschenkt. Eine der schönsten Geschichten dreht sich um den Fund eines weiteren Prunkstücks seiner Sammlung: ein Mazda 360 Coupé Baujahr 1962, das erste Serienauto der Japaner im Format eines Goggomobils. In einer zwei Jahre alten australischen Zeitschrift entdeckt er eine Anzeige. Er ruft an, das Auto gibt es noch. Es sei, so der Besitzer, im "weltbesten Zustand". Frey kauft das Auto quasi blind für 3.000 Mark und wartet gespannt auf den Wagen. Was er bekommt, ist eigentlich ein Haufen Schrott. "Der Motor befand sich zerlegt im Innenraum." Er ruft den Verkäufer an, der entgegnet lapidar, er habe nicht gelogen.

Der Mazda ist das damals einzige bekannte existierende Exemplar und somit zweifelsohne im Weltbest-Zustand. Frey grinst beim Erzählen. Heute steht der rotlackierte Zweitürer im erstklassigen Zustand in der Halle. Nur zwei weitere sind bis heute in der Welt noch aufgetaucht. Wer Raritäten sucht, wird in der Mazda-Historie ohnehin leicht fündig. Der Hersteller hatte in der Vergangenheit eine Vorliebe für Kleinserien. Das aktuelle Projekt der drei Freys ist ein Luce. Entdeckt haben sie ihn als briefmarkengroßes Bild in einer japanischen Autozeitung. Unter der gelben Bertone-Karosserie steckt der einzige Mazda-Wankel mit Vorderradantrieb. Nur 720 davon wurden gebaut. Wie der Mazda nach Gersthofen kam, ist eine andere Geschichte.

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