Als die Theoriestunde des Rallye-Lehrgangs im Fahrsicherheitszentrum am Sachsenring beginnt, ist der Saal mit mehr als 170 Teilnehmern gut gefüllt. Birgit Priemer, stellvertretende Chefredakteurin auto motor und sport, und Harald Koepke, Leiter des Organisations-Komitees, führen in den Oldtimer-Rallyesport ein – und nach nur wenigen Momenten ist es absolut still im Raum.
Von Chinesenzeichen und Schlauchmessungen
Begriffe wie Chinesenzeichen, Gebetsbuch, verschachtelte Wertungsprüfungen oder Sanduhrklasse prasseln auf die Novizen ein und müssen verdaut werden. Die Konzentration ist entsprechend hoch, fragende Gesichter tauchen auf, doch die Rallyelehrer gehen auf die wichtigen Details ein und vermitteln mit Witz und Kompetenz die Feinheiten und Geheimnisse der Oldtimerrallye im Allgemeinen und der Sachsen Classic im Besonderen. Als die Neulinge das Fahrsicherheitszentrum verlassen, sind sie erleichtert - so schwierig, wie es sich zu Beginn dargestellt hat, ist es nach dem Lehrgang nicht mehr. Viele Fragen wurden beantwortet - der Nebel lichtet sich.
Und jetzt beginnt der Spaß des Rallye-Lehrgangs. Denn nach dem Theorieunterricht dürfen die Teilnehmer auf dem Sachsenring das Gelernte in die Praxis umsetzen. Schlauch- und Lichtschranken-Wertungsprüfungen sind aufgebaut. Bei der Sachsen Classic werden zwei Arten der Zeitmessung eingesetzt. Die Schlauchmessung und die Lichtschrankenmessung. Bei ersterer wird die Stoppuhr beim Überfahren eines Luftschlauches ausgelöst und gestoppt. Dabei erhalten die Teams beim Überrollen eine Rückmeldung, die bei der Lichtschrankenmessung fehlt. Wenn bei dieser Messung die Front des Fahrzeugs die Lichtschranke durchbricht, zählt die Uhr – und der Beifahrer muss die Stoppuhren bedienen.
Den Spaß gibt's auf dem Sachsenring
In zwei Gruppen eingeteilt geht es auf den 3,671 Kilometer langen Sachsenring. Eine Prüfung lautet: 90 Meter in 14 Sekunden absolvieren. Das Mess-Equipment ist gnadenlos, es wird auch bei der Rallyemeisterschaft eingesetzt. Jetzt geht es um Zehntelsekunden. Doch bei aller Aufregung sind die Fortschritte schnell zu sehen. Während bei den ersten Versuchen die Abweichung oft noch im Sekundenbereich liegt, schrumpft sie bei den weiteren Versuchen und am Ende steht meistens eine 14 vor dem Komma.
Zwischen den Prüfungen können die Teilnehmer den Sachsenring genießen. Mit Schmackes durch das Omega beschleunigen und auf der Geraden ordentlich Vollgas geben. Der Spaß ist garantiert. Nach 45 Minuten Praxis sind die Novizen bestens gerüstet für die erste Etappe, die am morgigen Donnerstag, 19. August, von Zwickau über die Steile Wand von Meerane zum Sachsenring und über Glauchau zurück nach Zwickau zum Platz der Völkerfreundschaft führt.



