Bei Oldtimer-Rennveranstaltungen gehören sie vor allem wegen des Sounds zu den absoluten Publikumslieblingen. Unglaubliches aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Zwischen 1966 und 1974 entstanden für die Rennen in Nordamerika Boliden, die den Fahrern auch heute noch ein hohes Maß an Fahrtalent und Respekt abverlangen. Die flachen, offenen Sportprototypen der CanAm-Serie trumpften mit gigantischen Hubräumen und gewaltigen Motorleistungen auf. Den Vogel schossen die Chevrolet-V8-Motoren in den sagenhaften McLaren ab, deren acht Brennräume sich auf weit über acht Liter Hubraum summierten. Aber auch die Lola und March verfügen über die Big Banger mit PS und Drehmoment im Überfluß. Wenn sie starten, bebt im wahrsten Sinne des Wortes die Erde.
Freizügiges Reglement lässt die CanAm-Monster entstehen
Ermöglicht wurden die beeindruckenden Leistungsdaten durch das freizügige Reglement der CanAm-Serie: Vorgeschrieben waren lediglich zwei Sitze, auch wenn nur Fahrerplatz besetzt wurde. Darüber hinaus musste die Karosserie alle Räder bedecken und über Türen verfügen. Ansonsten war alles freigestellt: die Größe der Autos, die verwendeten Materialien – selbst die Reifen durften so breit und griffig sein, wie es die Hersteller Goodyear und Firestone mochten. Mindestgewicht? Nie gekannt. Auch für die Dimensionen der Flügelwerke existierten keinerlei Vorgaben.
Bei der Motorenentwicklung genossen die Ingenieure ebenfalls größtmögliche Freiheiten. Schon im Debütjahr 1966 leisteten die Triebwerke rund 500 PS. In den folgenden acht Jahren näherten sich die PS-Zahlen in atemberaubendem Tempo der 1.000er-Marke. Höchstgeschwindigkeiten von weit über 300 km/h waren keine Seltenheit. Getankt werden durfte übrigens nur handelsübliches Benzin.
Nach John Surtees, der mit seinem Lola T70 im Auftaktjahr 1966 den Titel gewann, übernahmen der aus Neuseeland stammenden Firmenchef Bruce McLaren und Werksfahrer Denny Hulme das Zepter. Die orangefarbenen McLaren waren so beherrschend, dass der Slogan „Bruce-und-Denny-Show“ die Runde machte. Insgesamt fünf Titel in Folge gingen auf das Konto der Kiwi-Racer. Als Porsche mit dem 917/10 und 917/30 eine neue Regentschaft einleitete, zogen die CanAm-Organisatoren schnell die Konsequenzen und verboten Turbomotoren für die Serie. Der von Penske eingesetzte 917/30, mit dem Mark Donohue die CanAm 1973 gewann, leistete 1100 PS: Der Zwölfzylinder gilt bis heute als der stärkste bei einem Rundstreckenrennen eingesetzte Motor. Auf dem Prüfstand lieferte der 5,4 Liter große Motor bis 1570 PS.
Ölkrise ist der Anfang von Ende der CanAm-Serie
Die Ölkrise von 1974 veranlasste die CanAm-Offiziellen, den Spritverbrauch zu beschränken – der Anfang vom Ende der so populären Meisterschaft. Als letzter Meister konnte sich Jackie Oliver mit seinem Shadow-Chevrolet in den CanAm-Annalen verewigen. Die ab 1977 ausgetragene Nachfolgeserie, die mit Formel 5000- bzw. Formel A-Technik ausgetragen wurde, erreichte nicht mehr den Kultstatus der ersten CanAm-Auflage.
Auch in Europa kamen die Motorsportfans in den Genuß der spektakulären zweisitzigen Rennwagen ohne Grenzen. Ab 1970 starteten sie in der Interserie, die ab 1972 auch auf dem Nürburgring gastierte. Neben den Porsche, die zum Beispiel von Herbert Müller, Leo Kinnunen oder Willi Kauhsen gefahren wurden, startete Helmut Kelleners mit McLaren und March, konnte aber mit dem Chevy-Saugmotor nichts gegen die Armada aus Zuffenhausen ausrichten. Lediglich beim ersten Lauf der Interserie im Rahmen des ADAC-300-Kilometer-Rennen konnte Formel-1-Pilot Howden Ganley die Porsche in einem BRM-Chevrolet schlagen. Beim Regenrennen auf der Nordschleife setzte sich der Neuseeländer gegen Willi Kauhsen durch.
Für die CanAm-Rennwagen richtet Peter Schleifer erstmals in diesem Jahr eine eigene Serie aus. Der Günzburger geht selbst mit einem Lola T310-Chevrolet aus dem Jahr 1972 an den Start. Mit diesem Auto erreichte der Engländer in diesem Jahr den siebten Platz in der Meisterschaft. Beim ADAC-Eifelrennen um den Jan-Wellem-Pokal tragen die Fahrer der neuen Serie ihre einzigen in Deutschland aus.
Wie sich ein solcher CanAm-Bolide fährt, lesen Sie hier im Fahrbericht des 839 PS starken McLaren M8F .
Zeiten Canadian-American Challenge Cup
- Freitag (9. September): Freies Training 13.40 Uhr, Zeittraining 16.40 Uhr
- Samstag (10. September): 1. Rennen 11.50 Uhr (30 Minuten)
- Sonntag (11. September): 2. Rennen 11.30 Uhr (30 Minuten)



