Corvette-Treffen: Großes Vette-Rüsten

Der bayerische Corvette-Club rief zum internationalen Club- und US-Car-Treffen und über 240 V8-Lenker folgten dem Ruf auf das Gelände der Galopprennbahn in München-Daglfing. Ein Sommerfest der ganz besonderen Art.

Die Luft über dem Grün der Reitanlage vibriert an diesem Samstag - stimuliert von 170 Corvetten aller Jahrgänge und 70 weiteren US-Cars diverser Abstammung. Wo sonst Hafer getriebene PS auf Zeitenjagd gehen, dominieren an diesem Tag rund 80.000 Big- und Small-Block-PS aus rund 15 Hektolitern Hubraum das Geschehen.

Cabrios, Coupés, T-Roof-Varianten, originalgetreu oder mit viel Liebe zum Detail gestaltet reihen sich auf dem penibel geschorenen Grün auf. Hier und da hat sich eine Cobra, ein Dodge Charger oder auch ein Camaro dazwischen gemogelt.

Wer jetzt alle Klischees bemüht und sich schon vor dem gedanklichen Bild eines Zuhältertreffens in überdimensionaler Form windet, wird entäuscht. Die Corvette-Familie ist eine feine Familie, eine mit Manieren, mit Stil, Anstand und vielfach schon angegrautem Haar. Und auch die Damenwelt ist vertreten, nicht als Staffage auf dem zweiten Sitz, sondern selbstbewusst hinter dem Volant. Eine Corvette ist kein Männer-Ding. Frau fährt und besitzt selbst.



Große US-Car-Fan-Familie

Kein haltlos durchdrehendes Reifenprofil bemächtigt sich der Grasnarbe, keine herrenlose Blechdose runiert das perfekte Familienbild. Gut, hier und da brüllt kurz der V8-Sound aus armdicken Sidepipes den American Way of Drive über den Platz, was angesichts der Frequenz dieser Lebenszeichen und des Umfelds aber als Wohlklang denn als Ärgernis empfunden wird. Und - die Familie liebt es.

Weit geöffnete Motorhauben laden zum Verweilen ein. Köpfe tauchen in Motorräume, verschwinden in geöffneten Innenräumen. Erwachsene Männer robben auf allen Vieren, um auch die letzten Geheimnisse der Auspuffanlage zu ergründen. Zwischen den Vetten wachsen hier und da Campingarrangements aus dem Boden, wird Kaffee aufgetischt oder Weißbier absorbiert - kleine Wiedersehen im Kreis der großen Familie. Man kennt sich, vielfach schon seit Jahren.

Und auch wer niemanden kennt, bleibt nicht lange außen vor. Ein Eidgenosse schleppt seine Corvette mit einem geborstenen Krümmer und tiefen Sorgenfalten auf der Stirn aufs Gelände - der Club organisiert schnell Ersatz. Auch um den Einbau wird sich gekümmert. Die Heimfahrt ist gesichert, der Familienfrieden auch.

Hauptpreis der Wettfahrt: Flug nach Florida

Dann kommt aber doch Rivalität unter der Verwandtschaft auf - der Club ruft zur Gleichmäßigkeitsfahrt. Als Preis winkt ein Flug nach Florida. Vom Ehrgeiz gepackt wird die Corvette vom Liebhaberstück zum Renngerät - als Kulisse dient eine 200 Meter-Piste auf abgesperrter Strecke. Gefordert ist zweimal die gleiche Zeit, gefahren wird, was die V8 hergeben, ohne Rücksicht auf das zum Teil betagte Alter der Kombattanten. Schnellster ist ein auf über 700 PS gezüchteter Ford GT, gleichmäßigster der Pilot einer C5 Z06. Viel Spaß in Florida.

Die V8-Kehlen über der Rennbahn verstimmen. In die von Grilldüften geschwängerte Luft mischt sich der Sound der Live-Band - gespielt wird Rock’n’Roll, was sonst. Die amerikanische Familie feiert bis spät in die Nacht und schmiedet Pläne, für das Wiedersehen, spätestens im kommenden Jahr.

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uba

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