Bei der 3. Eifel Classic erlebten 47 Teams bei bestem Wetter die Eifel von einer ganz neuen Seite. "Das ist ja wärmer als auf Mallorca hier", ruft ein Teilnehmer. Und richtig, bei blauem Himmel und Temperaturen knapp unter 30 Grad übten die Teilnehmer auf dem Gelände des Fahrsicherheitszentrum II Druckschlauch- und Lichtschrankenprüfungen.
Chinesenzeichen: Vom Punkt zum Pfeil
Doch zuvor stand erst einmal die Theorie auf dem Lehrplan. In rund 60 Minuten erklärten Harald Koepke, Organisationsleiter der Eifel Classic, und der zweifache Rallye-Weltmeister Christian Geistdörfer den Novizen die Geheimnisse des Oldtimerrallye-Sports. Bei Geistdörfer lernten die Teams das "Gebetsbuch" kennen - das Roadbook, wichtigstes Utensil des Beifahrers. Darin ist mit den Chinesenzeichen die Routenführung detailliert aufgeschrieben. Diese auf den ersten Blick verwirrenden Zeichen sind der internationalen Standard in Sachen Wegbeschreibung. Und: "Es ist eigentlich ganz einfach: Sie kommen von dort, wo der Punkt ist, und fahren dahin wo der Pfeil hinzeigt. Die Chinesenzeichen sind klar, strukturiert und geben eindeutige Anweisungen", erklärt Geistdörfer. Und genau so lässt sich auch der Rallye-Lehrgang der beiden Experten beschreiben.
Die Neulinge bohrten mit Fragen zu verschachtelten Wertungsprüfungen, zu Zeitkontrollen, zur totalen, partialen und degressiven Distanz sowie zum Stempeln nach - das Team Koepke/Geistdörfer sorgte kompetent und humorvoll für nickende Köpfe.
Der ehemalige Rallye-Beifahrer warnte die Teilnehmer zum Schluss noch vor den Geheimen Wertungsprüfungen: "Die Dinger sind absolut geheim, kommen absolut überraschend und sind absolut überall anzutreffen - auch in der Prärie." So mancher Teilnehmer hat allerdings nach der Theorie gehörigen Respekt vor seiner neuen Aufgabe. "Man hat ja nur zwei Hände, das ist ja auch Mist", sagt etwa ein Teilnehmer beim Gang zu seinem Wagen.
Ohne Übung kein BlumentopfNach der Theorie konnten die Teams dann bei den beiden aufgebauten Wertungsprüfungen zum praktischen Teil des Rallye-Lehrgangs übergehen. Dabei ist der Beifahrer das eigentliche "steuernde Element", wie Geistdörfer sagt, denn der Co-Pilot schaut voraus, beobachtet, kümmert sich um das Roadbook, bereitet sich auf die Wertungsprüfungen vor und gibt dem Fahrer die wichtigen und hoffentlich richtigen Signale.
Damit diese auch zur richtigen Zeit kommen, müssen sich die Teams aufeinander einspielen und ihr Auto kennenlernen. "Ohne Übung gibt es hier keinen Blumentopf zu gewinnen", weiß der Rallye-Weltmeister. Denn bei der Lichtschrankenmessung ist es wichtig, die Abmessungen des Wagens richtig einzuschätzen, um zu wissen, wann die Lichtschranke durchbrochen wird. Und schon nach wenigen Versuchen können die Teilnehmer erste Erfolge verbuchen, die Abweichungen schrumpfen bei den meisten mit jeder Runde.
Auch bei der zweiten Art der Messung gibt es schnelle Fortschritte. Hier wird die Messung durch das Überfahren eines Druckschlauchs ausgelöst. Sensible Fahrer und Beifahrer können das Überfahren mit einem sanften Griff ans Lenkrad spüren, andere lehnen sich weit aus dem Fenster und schauen auf Reifen und Schlauch, um den richtigen Zeitpunkt fürs Auslösen der Uhr nicht zu verpassen. Jeder hat da eben so seine Methode. Ob sie zum Erfolg führen wird, werden die Teilnehmer ab dem 29. September wissen, wenn die 3. Eifel Classic um 14.31 Uhr im Historischen Fahrerlager gestartet wird.

