Offiziell ist es seit einem Unfall im Jahre 1957 keine Rallye mehr - inoffiziell ist die Mille Miglia Storico aber eines der härtesten Oldtimer-Rennen der Welt: Wenn sich mehr als 300 Raritäten zum Start am Donnerstabend in Brescia treffen, dann beginnt eine Material mordende Schlacht über drei Tage und rund 1.600 Kilometer. Mehr als drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht sind bei der Mille Miglia Storico nicht drin, und so wirken alle Teilnehmer beim Veranstaltungsende Samstagnacht müde und erleichtert zugleich.
Die Sieger stammen wieder aus ItalienGiordano Mozzi und seine Gattin Stefania Biacca hatten in ihrem Aston Martin Le Mans (Baujahr 1933) den besten Grund, ausgelassen zu feiern: Sie schafften den Gesamtsieg der Mille Miglia Storico und gingen so als Gewinner aus einem ganz engen Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Ferrari-Brüdern Bruno und Carlo im Bugatti T37 (1927) sowie den Argentiniern Claudio Scalise und Daniel Claramunt auf einem Alfa Romeo 6C 1500 GS (1933) hervor.
Starkes Teilnehmerfeld mit vielen Promis
Die Mille Miglia Storico ist längst nicht mehr eine rein italienische Veranstaltung. Auf der Teilnehmerliste findet sich viel Prominenz aus Wirtschaft, Motorsport und Filmgeschäft. Neben Ex-Formel 1-Pilot Mika Häkkinen nahm der Neffe des legendären Rennfahrers Juan Manuel Fangio im Mercedes 300 SLR Platz, Schauspieler Jürgen Prochnow war in einem Aston Martin DB2 von 1950 zu sehen und Mr. Bean-Darsteller Rowan Atkinson wurde in seinem BMW 328 Mille Miglia neben BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson von den Fans regelrecht belagert.
Besonders gut waren auch die deutschen Marken bei der Mille Miglia Storico vertreten: Daimler schickte Entwicklungsvorstand Thomas Weber und Personalvorstand Wilfried Porth ins Rennen, bei Porsche griff der neue Chef Matthias Müller ins Lenkrad des 550 Spyder, bei BMW lenkten Entwicklungschef Klaus Draeger mit, und bei VW ließ es sich der neue Produktionsvorstand Michael Macht nicht nehmen, mit einem VW 1/1 durchs Feld der Mille Miglia Storico zu fräsen. Mit dem auf rund 80 PS erstarkten Käfer, nur rund 600 Kilogramm leicht, fuhr sich der Rallye-Debütant viele Achtungserfolge ein, denn vor ihm war kein Ferrari oder Porsche sicher: "Kompliment, das ist eine starke Show", rief ein französisches Team aus ihrem Gordini T24 S und verließ ihren Supersportwagen, um Michael Macht in seinem Käfer persönlich abzuklatschen.
Materialmordende Schlacht
Die Mille Miglia Storico zehrt an den Kräften - nicht nur bei den Menschen, auch beim Material: auto motor und sport-Chefredakteur Bernd Ostmann schied mit defekter Hinterachse an seinem BMW 328 aus, Porsche-Chef Matthias Müller hatte Probleme mit dem Getriebe und VW-Vorstand Macht musste seinen kleinen Flitzer am Freitagabend mit Kupplungsproblemen stehen lassen. Wer im Rennen blieb, konnte bei der Mille Miglia Storico eine traumhaft schöne Strecke bei strahlendem Sonnenschein genießen, die dieses Mal durch den Zwergenstaat San Marino vorbei an katholischen Nonnen mit BMW-Fähnchen nach Rom führte, wo das Teilnehmerfeld am Freitagabend einen Corso durch die Altstadt fuhr. Die Samstags-Etappe der Mille Miglia Storico führte dann über Siena und Florenz zurück nach Brescia - über 16 Stunden reine Fahrtzeit ohne eine nennenswerte Pause. Keine Frage: Mille Miglia Storico zu fahren ist ein Erlebnis - und zwar in jeder Hinsicht.



