Verglichen mit den modernen Rallyepiloten sind Ihre Ansprüche sehr bescheiden: ein vorn eingebauter Saugmotor mit 2 bis 2,4 Liter Hubraum und Heckantrieb, verpackt in eine kompakte zweitürige Limousine reicht den Youngtimer-Assen zum gepflegten Drift auf den mit Laub bedeckten, kurvenreichen Straßen in der Eifel. Auf 14 Wertungsprüfungen mit rund 150 Kilometern wird der König der Youngtimer-Quertreiber ausgefahren. Zum 18. Mal bereits wird im November zur Jagd nach dem Gesamtsieg geblasen.
Eine Stunde vor Start bekommen die Teams die Strecke
Gemeinsamer Treffpunkt ist der Weinbauort Mayschoß an der Ahr, der Deutschlands älteste Winzergenossenschaft beherbergt. Von dort starten die Youngtimer-Teams zu den abgesperrten Prüfungsstrecken - die Rallyeroute führt sie dabei bis zum Nürburgring. Die Spezialität der Rallye Köln-Ahrweiler: Die Strecken werden erst eine Stunde vor dem Start veröffentlicht, können daher von den Teams nicht wie bei modernen Rallyes abgefahren und trainiert werden.
Daher ist neben einem Spitzenpiloten auch ein erfahrener Beifahrer beim Kampf um Zehntelsekunden gefragt. Der nach Gesamtsiegen erfolgreichste Leser der Gebetbücher heißt Peter Schaaf – dirigierte drei Mal seine Fahrer zum Sieg bei der Rallye Köln-Ahrweiler - und sitzt neben Georg Berlandy. Der 41-jährige KfZ-Meister aus Stromberg ist der Rekordsieger: Sechs Mal bereits gewann er die Rallye, zwei Mal mit dem rund 240 PS starken Opel Ascona A, den er auch 2011 einsetzt.
Gut 60 PS weniger hat Paul Jerlitschka zur Verfügung. Der Remscheider möchte im Ford Escort RS Mk2 seinen Vorjahreserfolg gerne verteidigen. Mit seinem langjährigen Copiloten Dietmar Moch setzt er auf die perfekte Harmonie im Cockpit und hofft auf schwierige Wetterbedingungen wie im Vorjahr, als es während der gesamten Rallye regnete. Doch auch dann muss der Ford-Pilot wohl auf Fehler der Konkurrenz hoffen. 2010 verlor Berlandy im Prestigekampf schon in der zweiten Prüfung die entscheidenden Sekunden gegen Jerlitschka.
Rallyemeister am Start
Gut möglich, dass weder der Rekordsieger im Ascona A noch der Titelverteidiger im Escort Mk2 als Gesamtsieger über die Zielrampe in Mayschoß fahren. Mit Walter Gromöller schielt ein extrem schneller Pilot auf seinen ersten Erfolg bei der Rallye Köln-Ahrweiler. Gemeinsam mit seinem Copiloten Klaus Brökelmann setzt der Güterloher einen Opel Ascona 400 ein. Dieses Modell, mit dem Opel 1982 die Rallye-Weltmeisterschaft gewann, ist auch bei der Youngtimer Rallye nach Siegen das erfolgreichste: vier Mal setzte sich der Rallye-Blitz aus dem Anfang der Achtzigerjahre durch. Am Steuer saß dabei aber immer ein gewisser Georg Berlandy, der seit 2007 auf den älteren Ascona A setzt.
Ebenfalls auf den Ur-Ascona setzt der zweifache Deutsche Rallyemeister Reinhard Hainbach. Dabei vertraut Hainbach bei seinem Opel-Vierzylinder wie auch der sechsfache Gesamtsieger der Rallye Köln-Ahrweiler Georg Berlandy auf die Künste von Uli Gerent, ein Motorspezialist aus Lage in Westfalen. Nicht mit dem Blitz im Logo, sondern mit dem Greif von Vauxhall geht Christoph Schleimer auf Bestzeitenjagd. Der ehemalige Opel-Rallye-Junior zündet wieder seinen ehemaligen Werks-Vauxhall Astra GTE, der in der Weltmeisterschaft 1988 und 1989 von Malcolm Wilson gefahren wurde - Wilson ist heute als Chef seiner Firma M-Sport für die Einsätze von Ford in der Rallye-Weltmeisterschaft verantwortlich. Schleimer vertraut auf die Ansagen des DRM-erfahreren Thomas Fuchs.
Publikumsmagnet Slowly-Sideways
Der Kampf des einsamen Ford-Streiters Paul Jerlitschka gegen die Blitz-(und Greif-)Meute in der Eifel, angeführt von Georg Berlandy, Walter Gromöller und Christoph Schleimer verspricht eine Rallye Köln-Ahrweiler der Extraklasse. Für viele Rallyeteams und Fans sorgen die Youngtimer-Drifter bei unsicherer Wetterlage für den Saisonhöhepunkt zum Kehraus. Um die Youngtimer-Asse vor neue Aufgaben zu stellen, haben sich Rallyeleiter Klaus von Barby und sein Team einige Neuerungen einfallen lassen: am Freitag (11. November) gibt es als Prolog nur eine Wertungsprüfung. Das Ergebnis legt die Startreihenfolge für den Samstag fest. Es gilt also am Abend des Elften im Elften ab 18 Uhr hellwach zu sein, wenn es in der Dunkelheit zum ersten Mal auf die Hatz um Zehntelsekunden und Platzierungen geht.
Vor dem Wettbewerbsfeld sorgen rund 30 Rallyefahrzeuge von Slowly Sideways für das Aufwärmprogramm. Einige Fans würden allein dafür in die Eifel kommen.
Service für FansNeuerungen gibt es auch am Hauptrallyetag: Am Samstag, den 12. November startet das erste Auto in Mayschoß um 9:01 Uhr. Ziel für die traditionelle Mittagspause in Meuspath ist um 12.30 Uhr (erstes Auto). Fehlen wird die Prüfung, bei der die Nordschleife des Nürburgrings in umgekehrter Richtung befahren wurde. Aber der Rallyeleiter hat dafür andere interessante Wertungsprüfungskilometer in Bordbuch geschrieben. Verraten wird das aber erst eine Stunde vor dem Start.
Damit auch die Zuschauer auf ihre Kosten kommen, bietet die Rallye Köln-Ahrweiler ihren gewohnt guten Fan-Service in Form eines sehr guten Programmhefts, zu der eine ausgezeichnete Karte mit allen Prüfungen gehört. Das Heft kostet zehn Euro und ist am Freitag in Mayschoß sowie auf der Kalenborner Höhe und am Samstag auch im Bereich Nürburgring zu bekommen. Der Eintritt an den Wertungsprüfungen ist frei.

