Zum Auftakt der Sachsen Classic 2011 gab es eine Etappe für Zweiradfahrer. Sie gingen heute tradionellerweise im Vorfeld der Automobile an den Start. Sie rollten um 10.45 Uhr auf die Strecke.
Krach-Bumm-Getriebe an der AWO 425 T
Alleine vom Oldtimerclub Kirchberg waren 16 Motorradfahrer dabei, darunter als einzige Frau auch Susann Gündel aus Bärenwalde, die eine AWO 425 T von 1953 fährt. Ihr Vater Ronald hat die Maschine aufgebaut und weist auf die wichtigsten Details hin: "Das ist ein seltenes Modell mit Steckkrümmer. Da gibt es keine Überwurfmutter, der Krümmer wird einfach auf den Konus geschoben." Zur Sicherheit hat Gündel den Krümmer mit einer Rohrschelle gesichert. "Und die AWO hat das so genannte Krach-Bumm-Getriebe - das haut beim Gangwechsel richtig ins Ohr hinein", schmunzelt Gündel.
Neben ihm parkt Ronald Eidam seine Wanderer Sportmodell von 1923. "Die hab‘ ich vor vier Jahren im Schrottzustand gekauft und wieder neu aufgebaut", freut sich Eidam. "Vieles musste ich neu anfertigen, denn Ersatzteile gibt es kaum noch." Das Sportmodell ist ein seltenes Motorrad, das nur wenige Male gebaut wurde. Der Standard-Rahmen wurde verkürzt, der Motor mit Hubraumerweiterung, höherer Verdichtung, größeren Ventilen und einer anderen Auspuffanlage auf höhere Leistung gebracht. "Rund 15 PS holten die Ingenieure damals aus dem 750 Kubikzentimeter-Zweizylinder heraus", erzählt Eidam, "doch das Fahrverhalten ist gewöhnungsbedürftig, durch den kurzen Radstand pendelt sie schnell und ist sehr nervös."
ES - Einzylinder-SchwingeIm Gegensatz zu der frühen Vorkriegsmaschine sieht die MZ von Marcel Mäuser sehr modern aus, dabei ist sie auch schon 55 Jahre alt. "Das ist eine MZ ES 250 von 1956, die nur knapp zwei Jahre lang bis 1957 gebaut wurde", weiß Mäuser. Das Modell "Einzylinder Schwinge", dafür steht die Abkürzung wird von einem 250 Kubikzentimeter-Einzylinder angetrieben - natürlich im "Zweitakt", wie auch die bläuliche Fahne verrät, die sie aus ihrer Doppelport-Auspuffanlage entlässt. Von den rund 6.500 gebauten Exemplaren sollen nur noch etwa 100 existieren.
Marcel Mäuser war schon mehrmals bei der Sachsen Classic dabei, vor zwei Jahren gewann er die Motorradwertung. "Die Sachsen Classic ist bei uns in der Szene ganz oben anzusiedeln", sagt Mäuser, der aus dem Erzgebirge stammt und nun in Rosenheim lebt. "Und es ist eben auch immer schön, in das Bundesland zurückzukehren, wo die Wiege des Automobils und der Motorräder liegt. Denn wer kennt noch die Namen Schütthoff, Diamant, Wanderer - das sind ja alles Chemnitzer, und OD - Ostner Dresden - war eine Dresdner Firma."
Die 25 Zweiradfahrer fuhren dem Feld der 180 klassischen Automobile voraus und legten eine Etappe von 120 Kilometern zurück. Von der Zeitenströmung ausgehend ging es zum Erzgebirgsring bei Lichtenberg, wo die Fahre eine Wertungsprüfung absolvieren mussten. danach ging es über schöne Nebenstraßen zurück nach Dresden, wo an der Gläsernen Manufaktur die Zielflagge geschwungen wurde.

