Einsteiger-Tipp: Der erste Oldie

Nächster Fahrversuch. In einem Triumph TR 4 aus dem Jahr 1963. Der Kauftipp von Chefredakteur Malte Jürgens. Warum gerade dieser britische Roadster? "Weil das Original durch nichts zu ersetzen ist." Diesen Satz muss man sich erst einmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, während die Augen die praktisch rostfreie Karosserie abscannen.

Triumph TR 4 - Das Original kann süchtig machen

Die klare Linie macht an. Perfekt arrangierte Ecken und Kanten. Und keinerlei Schnörkel oder unnützes Schmuckwerk - von den Chromspeichenrädern abgesehen. Dem italienischen Designer Michelotti sei Dank für einen der schärfsten britischen Roadster.

Jürgens: "Dieser Wagen ist eine ehrliche Haut, eine Fahrmaschine ohne Kompromisse." So etwas hat anscheinend seinen Preis: 17.900 Euro sind gefragt.

Dafür erhält man einen Haufen antiquierte Technik, die im Prinzip schon im Vorgängermodell TR 3 werkelte: vier Zylinder, 2,2 Liter Hubraum und 100 PS. Alles allerdings standfest bis zum Abwinken. "Ein echter Langhuber, mit dem sich der rund 1.000 Kilo schwere Roadster hemmungslos übers Land drücken lässt."

Jürgens schwört auf die betagte Leiterrahmen- Konstruktion mit der hinteren Starrachse. Oder auf die leichtgängige Zahnstangenlenkung. Oder auf den Overdrive, der die Zahl der Gänge theoretisch auf sieben erhöht.

Choke rein, etwas Gas, Zündung. Der Motor (Laufleistung unbekannt) läuft auf Anhieb rund und klingt kerngesund. Druck ist quasi ab Standgas vorhanden, der tiefe satte Sound geht angenehm unter die Haut. So etwas macht süchtig. Und zwar ab dem ersten Meter.

Da fallen ein paar Macken kaum ins Gewicht. Im Lack zum Beispiel. Die Benzinuhr sowie die Instrumentenbeleuchtung sind außer Betrieb, die Schalter für Scheibenwischer und Licht sind in ihrer Funktion vertauscht, und die Beifahrertür will einfach nicht richtig schließen.

Kleinigkeiten. Die zudem rasch behoben sein dürften. "Die Ersatzteilversorgung für die britischen Roadster ist nahezu optimal. Und im Fall eines TR 4 halten sich die Kosten im Rahmen." Weitere Gründe, warum Jürgens für dieses Auto plädiert. Und dass dieser TR 4 von einem optionalen Surrey-Top optisch in ein ansprechendes Coupé verwandelt wurde, macht ihn nicht unattraktiver.


Der eine für alles: Land Rover Serie III

Der nächste Brite wartet schon. Ebenfalls ein so genanntes Original: ein Land Rover Serie III mit Hardtop, Baujahr 1978. "DAS Auto für Männer, die stets Sand aus der Sahara in ihren Schuhen tragen." Sebastian Renz spielt mit meiner anderen großen Leidenschaft: Fernreisen, die schon mal den Charakter einer Expedition haben. Bisher allerdings ausschließlich auf zwei Rädern absolviert. Nun soll nichts mehr dagegen sprechen, dieses mit einem entsprechenden Youngtimer zu tun. Bei einem Preis von 7800 Euro würde vermutlich sogar noch etwas für die Reisekasse übrig bleiben.

Klar ist: Dieser Landy gehört dorthin, wo Nachrichten nicht mittels Handy, sondern per Buschtrommel übermittelt werden. Kratzer im Lack, falls sich der Wagen eine Schneise durch die Botanik schlagen muss oder an Felswänden entlangrutscht, gehen in diesem Fall als zusätzliche Auszeichnung durch. Die Karosserie ist bereits so zerfurcht wie das Gesicht von Charles Bronson.

Technisch gesehen dürften die bisher heruntergerittenen 90.000 Kilometer noch mal drin sein. Zumindest klingt der 69 PS starke Vierzylinder überaus vertrauenserweckend (auch wenn er nicht so aussieht). Zum Glück aber handelt es sich um einen Benziner. Denn mit einem vergleichsweise kälteempfindlichen Diesel würde ein Wintertrip durch Sibirien schon mal ausfallen.

Lenkung, Kupplung, Schaltung - alles dreht, drückt und flutscht überraschend leichtgängig. Für einen Land Rover - wohl gemerkt. Dass der erste Gang gern von selbst wieder rausspringt, wird als Schrulligkeit abgetan. Die Wirkung der vier Trommelbremsen ebenso. Wer ernsthaft anhalten will, freut sich über die Motorbremse. Und einen miserablen cW-Wert.

Im grobschlächtig zusammengenieteten Innenraum, der wohl schon aus Prinzip verstaubt sein muss, haben Schwiegermütter, Anzugträger oder Sicherheitsfantiker nichts verloren. Sie passen nicht in diese Welt, die mit dem Komfort einer betagten Planierraupe aufwartet. Serie-III-fahren bedeutet Zähne zusammenbeißen, Schmerz ertragen, sich einer höheren Macht unterordnen.

Warum? "Das Ding federt gar nicht, hat einen Schwerpunkt so hoch wie der einer Giraffe und fährt unbeirrbar geradeaus - vor allem in Kurven." Sagt Renz, der diesen Wagen vom Donautal bis Stuttgart pilotiert hat. Das Abenteuer würde bereits bei der nächsten Ortsausfahrt beginnen.

Doch eigentlich sei es auf der Straße ohnehin zu gefährlich - meint jedenfalls Götzl. Und verweist im gleichen Atemzug auf die Rennstrecke. Er überrascht die Runde mit Fahrzeug Nummer fünf, serviert - quasi als Bonustrack - einen historischen Formel-V-Renner.

Der orangefarbene Monoposto, Baujahr 1964, stammt von Apal, einer ehemaligen belgischen Kit-Car-Schmiede. Und steht für 11.000 Euro piekfein da.

Die Straße ist zu gefährlich - also ab auf die Rennstrecke

"Diese Klasse bietet den einfachsten Einstieg in den Formelsport." Die technische Basis macht’s möglich: Motor, Getriebe und Vorderachse basieren auf VW-Käfer-Technik. Der 1.300er-Boxer rückt zwar nur 60 bis 70 PS heraus. Doch bei einem Fahrzeuggewicht von 375 Kilogramm (minimum) seien damit Rundenzeiten möglich, für die sich selbst moderne Mittelklasse-Sportwagen arg anstrengen müssen. "Ein Formel V ist eben ein reinrassiger Rennwagen, der ohne ein Gramm Fett zu viel antritt. Hier geht es um Autofahren ausschließlich der Dynamik willen," sagt Götzl.

Zudem sei eine Teilnahme an dieser Rennklasse ungemein günstig. "Für ein Taschengeld gibt es hier ernsthaften Motorsport." Und jede Menge Erfolgserlebnisse obendrein, weil ein Formel V schnell beherrschbar sei. Klingt alles ziemlich verlockend.

Also gut, Rennanzug an (Hans-Jörg hat wirklich an alles gedacht) und rein in den Boliden, der im Stillstand kaum bedrohlicher wirkt als der Fuhrpark meiner Kinder im Garten. Die Beine finden zwischen Lenkrad und Feuerlöscher irgendwie ihren Weg in Richtung Pedalerie. Die rechte Hand landet aus Platzgründen wie von selbst auf dem Hebel der H-Schaltung - Helm auf, Handschuhe an, Feuer frei.

Schalldämpfer? Firlefanz. Kaum über Standgas schüttelt der gut gemachte Boxer im Heck, der erst drei Läufe absolviert hat, das letzte Laub von den Bäumen vor der Halle. Respekt. Ansonsten alles kinderleicht. Was dieser Wagen wirklich drauf hat, lässt sich auf dem glatten Hallenboden natürlich nicht herausfahren.

Nur so viel sei gesagt: Wer sich diesem Fahrzeug nähert, sollte zuvor geklärt haben, ob er an den Wochenenden in der kommenden Saison daheim überhaupt abkömmlich ist (bei mir leider nicht der Fall).

Das Durcheinander ist nun endgültig perfekt. In meinen Kopf. Alle fünf Autos zusammen in der Garage - das wär’s. Scheidet aber aus. Nicht nur, weil der Platz dafür nicht reicht. Unterm Strich kämen der TR 4 und der Bertone in die engere Wahl. Trotz der Faszination, die von den anderen Kandidaten ausgeht.

Doch für weitere Überlegungen bleibt keine Zeit. Alf Cremers hat irgendwo einen tollen BMW 2500 entdeckt. Hans- Jörg Götzl redet von einem sauguten 911er, Sebastian Renz bringt einen gewaltigen GMC-Sierra-Pick-up ins Spiel. Und Malte Jürgens erzählt mit ansteckender Begeisterung von einem Puch 650 TR. Könnte gut sein, dass eine unendliche Geschichte beginnt.

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Michael Schröder

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