Service-Station: Bentley S und Rolls-Royce Silver Cloud

Majestätisches Gleiten im britischen Edelblech

Bentley S

Die Bentley S und Rolls-Royce Silver Cloud-Modelle beeindrucken mit ihrer stattlichen und majestätischen Erscheinung. Zum Glück fallen die Rechnungen für Service und Wartung nicht ganz so beeindruckend aus.

Rolls-Royce erfreute schon vor langer Zeit mit großzügigen Garantieversprechungen. Das sorgt bei derzeitigen oder angehenden Besitzern von Silver Cloud und von baugleichen Bentley S-Modellen zunächst mal für Entspannung. Sie folgern daraus, dass die Wagen offenbar robust und wenig reparaturanfällig sind. Das trifft aber nur zu, wenn sie regelmäßig gewartet werden.

Regelmäßiger Service zahlt sich aus
 
Rolls-Royce versuchte das einst durch einen pfiffigen Slogan zu vermitteln: "True aristocrates can trace their pedigree." Den wahren Aristokraten zeichnet also ein nachvollziehbarer Stammbaum und ein edles Gefährt eine dokumentierte Service-Historie aus. "Ein regelmäßiger Service klingt zwar zunächst nach hohen Kosten, bedeutet aber genau das Gegenteil, weil sich dadurch teure Folgereparaturen vermeiden lassen", erklärt Experte Wilhelm Marlok aus Leonberg- Höfingen unweit Stuttgart
 
Wer etwa die klappernden Hydrostößel des V-Achtzylindermotors aus Scheu vor großen Ausgaben ignoriert, wird bald auch eine neue Nockenwelle benötigen. Immerhin, bis die Stößel zu klappern beginnen, dauert es eine kleine Ewigkeit. Das Justieren des Ventilspiels entfällt zwar bei dieser Maschine, jedoch erfordert ein Zündkerzenwechsel etwas mehr Aufwand, weil er nur vom Radhaus aus nach der Demontage von Stehblechen und sinnvollerweise auch der Vorderräder am geschicktesten möglich ist.
 
Bei den im Bentley S1 und Silver Cloud 1 eingebauten Sechszylinder-Reihenmaschinen bereitet der Kerzenwechsel keine Probleme, andererseits wartet dieses Triebwerk mit aus heutiger Sicht sehr antiquierten, stehenden Auslassventilen auf. Diese sind nur mühsam nach der Demontage von zwei hinter und unter dem Auspuffkrümmer positionierten Seitendeckeln zugänglich. Für das Einstellen des Spiels, das wegen der schlechten Zugänglichkeit geschickte Mechanikerhände verlangt, wird ein Spezialwerkzeug benötigt, das normalerweise im Bordwerkzeug enthalten ist.
 
Durch den vergleichsweise hohen Arbeitsaufwand kommt das Ventilspieleinstellen beim Sechszylinder leicht mal auf 600 Euro. Teuer kann auch ein Wechsel der Wasserpumpe oder des Kühlmittelthermostats werden, was für beide Motorversionen gilt. Wenn diese Bauteile festkorrodiert sind, nehmen bei der Demontage mitunter das Thermostatgehäuse beziehungsweise das Wasserpumpengehäuse Schaden.

Wenn der Motor malade ist, wird es richtig teuer
 
Ebenfalls schwer kalkulierbar sind die Kosten für eine Motorüberholung. Hier kommt es auf den tatsächlichen Aufwand an. Die in der Tabelle genannten 17.000 Euro beinhalten keine Komplettrevision. "Wenn beispielsweise eine neue Kurbelwelle nötig ist, wird es natürlich deutlich teurer", warnt Marlok - und weist darauf hin, dass es bei den Leichtmetall-V-Achtzylindern gelegentlich zu Rissbildung im Motorblock kommen kann.
 
Die Viergang-Automatikgetriebe halten recht lange. Man sollte aber auf Ölverlust achten und diesen rechtzeitig beseitigen, was sich meist ohne Ausbau des Aggregats erledigen lässt. Und die Bremsbänder sollten ab und zu eingestellt werden, wozu ein gewisses Know-How, zwei Mechaniker und Spezialwerkzeug erforderlich sind.
 
Die Lenkung bereitet nur wenig Probleme, die Lenkgetriebe (mit oder ohne Servo) halten lang. Im Schadensfall müssen sie mangels Neuteilen überholt werden, was je nach Lenkgetriebe-Version inklusive Aus- und Einbau ab etwa 1.900 Euro aufwärts kostet. Eine Abdichtung des Lenkservozylinders kostet um 600 Euro. "Was übrigens sehr gern vergessen wird, ist ein Austausch des Filters im Ölbehälter der Servopumpe", ergänzt Wilhelm Marlok.
 
"Viele nicht mit dem Auto vertraute Werkstätten ignorieren auch den mechanischen Bremsservo", weiß Othmar Batschelet von der Garage-Huob in Altendorf am Zürichsee. Oft wechseln die Mechaniker nur die Trommelbremsbeläge, aber nicht den Reibbelag im Bremsservo. Die Wirkung dieses Bauteils setzt erst ab einer Geschwindigkeit von etwa fünf Meilen pro Stunde ein, was speziell beim Rangieren zu beachten ist.

Wer ordentlich schmiert, kann enorme Teilekosten sparen
 
Um den Verschleiß der Fahrwerksteile zu minimieren, sollten regelmäßig alle Schmierstellen mit Fett versorgt werden. Wer das Abschmieren vernachlässigt, muss eben früher als andere an seinem Wagen zum Beispiel die Achsschenkel ausbüchsen lassen, was pro Seite mit etwa 1.200 Euro zu Buche schlägt.
 
Noch teurer kommt das Erneuern aller Spurstangenköpfe. Auf etwa 4.600 Euro summiert sich diese Arbeit, aber glücklicherweise sind alle Einzelteilen der insgesamt acht Spurstangenköpfe selten auf einmal verschlissen, weshalb diese Reparatur meist günstiger ausfällt.
 
Es lohnt sich stets, auf das Wissen entsprechender Fachwerkstätten zu setzen, die nicht etwa Schäden am etwas komplexen Heizungs- und Lüftungssystem mit Utensilien aus dem Baumarkt zu beheben versuchen, wie es Wilhelm Marlok schon gesehen hat. Eine Werkstatt mit langjähriger Erfahrung hilft auch Geld zu sparen - etwa durch das Beschaffen von günstigeren, aber dennoch guten Ersatzteilen.
 
"Schön ist zunächst mal, dass fast alles erhältlich ist", findet Othmar Batschelet. Aber nicht immer müssen es teure Originalteile sein. Damit würde zum Beispiel der Austausch aller 16 Hydrostößel, sofern ausnahmsweise alle gleichzeitig fällig wären, über 4.500 Euro kosten, mit Stößeln aus einer anderen, aber dennoch seriösen Quelle nur um 1.600 Euro.
Ähnlich sieht es bei einer Bremsenüberholung aus. Eine Reparatur, die an der Vorderachse neue Radbremszylinder, Bremstrommeln, Beläge und Bremsschläuche beinhaltet, lässt sich für etwa 3.500 Euro realisieren - für einen ähnlichen Betrag gibt es gerade mal zwei originale Bremstrommeln.
 
Alles in allem bleiben die Wartungskosten für ein solches Nobelgefährt in einem erträglichen Rahmen, nur bei altersbedingtem Verschleiß oder vernachlässigtem Service stehen teure Reparaturen an. Ansonsten laufen diese Wagen sehr zuverlässig - garantiert.

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Bernd Woytal

Autor:

Motor Klassik, Heft 04 / 2009

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