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Besser machen: Citroën 2CV

Was ist für einen Döschwo wirklich bekömmlich? Wer die Experten befragt, merkt sehr schnell, dass es dazu unterschiedliche Ansichten gibt.

Die artgerechte Aufzucht und Pflege von Enten ist ein viel diskutiertes Thema, speziell,wenn es dabei um den mit diesem Kosenamen geschmückten Kleinwagen von Citroën geht. Das hochbeinige Gefährt, das einst als günstiges Fortbewegungsmittel für den kleinen Mann gedacht war, eroberte mit zunehmendem Alter einen immer größeren Kreis von Liebhabern, die ihre Zuneigung auf unterschiedlichste Weise demonstrierten.

Das begann bei liebevoll aufs Blech gepinselten Blümchen und endete in teilweise wüsten Karosserieumbauten. Beides ist mittlerweile weniger gefragt, von kleineren Schönheitsretuschen abgesehen, wie sie auch das abgebildete Exemplar aufweisen. Ansgar Biemann (Die Ente in Senden) glaubt sogar, "einen wachsenden Trend zur Originalität" zu erkennen. "Viele, die als Studenten eine Ente fuhren, sind heute gut situiert und kaufen sich aus nostalgischen Gründen wieder so ein Auto", beschreibt Ralf Ruckgaber (Entenhof in Stuhr bei Bremen) die Klientel, die das Original bevorzugt – ähnlich wie jene Oldtimer-Freunde, die dieses Stück französischer Automobilgeschichte möglichst unverfälscht erhalten möchten.

Rostvorsorge wichtig

Wer den 2 CV allerdings häufig im Alltag einsetzt, dem fallen schon so manche Dinge auf, die sich verbessern ließen, ohne gleich den Charakter zu verwässern. Da wäre zum Beispiel "die mangelnde Rostvorsorge", weiß Eckhard Zimmermann (Happy-Ents in Stuttgart). Mit einem verzinkten Rahmen und dem Einbau einer aus Edelstahl gefertigten Lüfterklappe oder Auspuffanlage lässt sich dieses Problem entschärfen. Und wer zum Beispiel in den Teilekatalog von Der Franzose schaut, findet darin noch weitere auf Haltbarkeit getrimmte Teile, die anstelle der Originalkomponenten montiert werden können.

Eine tolerierbare Modifikation ist sicherlich auch die Erweiterung des Kofferraums,um mehr Platz für das Urlaubsgepäck der Familie zu schaffen. Dies geschieht entweder dezent, indem einfach das Reserverad unter die Motorhaube verbannt wird oder stilvoll – durch den Anbau eines so genannten Queues. Ein weiteres, unter 2CV-Fahrern oft angeschnittenes Thema ist Heizung und Belüftung. Manche schwören auf ein Zusatzgebläse, das im Winter mehr Wärme in den Innenraum schaufeln soll, andere rücken dem Wärmeverlust im Bereich der Klappfenster mit Hilfe dickerer Dichtungen zu Leibe.

Isomatten am Dachgestänge 

Und weil im Dachbereich gar so viel heiße Luft nach draußen und Kälte nach innen gelangt, kam schon manch bastelfreudiger Enten-Freak auf die Idee, Iso-Matten unter das Dachgestänge zu quetschen. Etwas professioneller, aber zugegeben auch teurer, ist die Verwendung eines hochwertigen Sonnenland-Rolldachs, denn das serienmäßige Kunststoffdach ist nicht gerade von überragender Qualität.

Doch auch hier scheiden sich die Geister. So empfindet Experte Franz Schreier aus Sinsheim eine Ente mit Sonnenlanddach nicht gerade als optischen Genuss. Eine heizbare Heckscheibe hält er jedoch für eine sinnvolle Ausstattungsergänzung, weil das Rückfenster im Winter oder bei feuchtem Wetter oft beschlägt. Ein Problem, das sich eher an heißen Sommertagen einstellen kann, ist ein übertemperierter Zweizylindermotor bei Vollgasfahrt.

Problempunkt Motorüberhitzung

Abhilfe verspricht die Montage eines größeren Ölfilters, weil die größere Ölmenge einen zusätzlichen Kühleffekt bringt. Doch der Kern dieses Problems ist meist ein zugesetzter Ölkühler. Offenbar gibt es auch viele Enten-Fahrer, die sich etwas mehr Motorleistung wünschen, um die manchmal heftige Bremswirkung von Steigungen zu reduzieren.

Entsprechend vielfältig sind die Tuning-Tipps und -Angebote – wie ein Blick ins Internet belegt. Die Offerten beginnen bei speziellen Vergaserbedüsungen, die eine spontanere Gasannahme bewirken sollen, gehen über Verdichtungs- und Hubraumerhöhungen bis hin zum aufwändigen Einbau eines Citroën-Visa- Motors. Letztere Maßnahme ist zumindest recht effektiv, weil das Visa-Triebwerk mehr Drehmoment bereitstellt und mit seiner dreifachen Kurbelwellenlagerung etwas robuster aufgebaut ist.

Mit auf das Visa-Maß aufgebohrten Zylindern des Entenmotors hat Christoph Frisch aus Langgöns weniger gute Erfahrungen gemacht. "Die Standfestigkeit lässt zu wünschen übrig", sagt er. Und verhehlt auch nicht, dass durch das Motortuning die Ente eigentlich um einen Teil ihres Charakters beraubt wird.

Und wer tüchtig Zusatz-PS unter die Haube packt, der kommt im Prinzip auch nicht um eine entsprechende Anpassung der Bremsen herum. Um eine höhere Endgeschwindigkeit zu erreichen, kämen dann noch ein Fünfganggetriebe oder zumindest eine längere Achsübersetzung in Betracht.

Ganz zu schweigen vom Fahrwerk, das mit speziellen Federn und Dämpfern ebenfalls auf das zusätzliche Temperament abgestimmt werden müsste. Doch dann stellt sich die Frage, ob ein strammer Galopp wirklich die richtige Gangart für eine Ente ist.

Foto

Hardy Mutschler

Datum

13. Oktober 2004
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