BMW 2002 tii Neuaufbau, Teil 3

BMW wagte ein Experiment. Aus Ersatzteilen aufgebaut, so die Vorgabe, sollte ein neuer 2002 tii entstehen. Das ist gelungen - mit rund zehn Prozent, die aus einem Schlachtfahrzeug stammen. Denn eine lückenlose Ersatzteilversorgung ist wirtschaftlich nicht darstellbar: 

Wenn die Nachfrage nach extrem aufwändig zu fertigenden Teilen wie einer Rohkarosserie gleich null ist, wird sie BMW auch zukünftig nicht in der Preisliste führen.

Um genau dieses Teil jedoch entbrannte eine spannende Diskussion. Die Mobile Tradition nutzte für den neuen Wagen eine Rohkarosserie, die noch zu Lebzeiten der 02er-Serie gefertigt und verkauft, jedoch nie eingesetzt wurde und deswegen noch ohne Fahrgestellnummer war.

Tadelloser Zustand

Der TÜV bescheinigte dem Neuaufbau einen tadellosen Zustand ebenso, wie er den nahezu ausschließlichen Einsatz von Neuteilen vermerkte. Mit der Fahrgestellnummer hatte der Prüfer kein Problem: Sie stammte aus dem geschlachteten 2002 tii, der nicht lieferbare Teile spendierte. Nachweislich hatte BMW dessen Karosse verschrottet. Nur das herausgetrennte Blechstück mit der Nummer überlebte. Diese Nummer wurde in den neuen 2002 tii eingeschlagen.

Eine legitime Maßnahme: Sofern dem Neuteil noch keine Fahrgestellnummer zugewiesen worden war, darf die Nummer des alten Chassis übertragen werden, falls die Behörde dessen Vernichtung nachvollziehen kann.

Genau das ist beim 2002 tii geschehen. Dennoch verweigerte Holz dem 2002 tii eine Zulassung mit Baujahr 1973 und ließ ihn als 2006 gebautes Automobil eintragen.

Ausnahmegenehmigung aus Oberbayern

Weil der tii nicht den aktuellen Bauvorschriften entspricht, musste BMW bei der Regierung von Oberbayern eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Sie sorgt für erhebliche Konsequenzen, indem sie die Nutzung des 2002 tii auf die Einsätze beschränkt, die auch mit einer roten 07er-Nummer zulässig wären.

Zudem ist sie nicht übertragbar und gilt allein in Deutschland. Und das, obwohl er ein normales schwarzes Kennzeichen trägt und das Finanzamt die reguläre Kfz-Steuer eintreiben wird. Obwohl alle Regeln zum Chassistausch eingehalten wurden, musste BMW die bereits eingeschlagene Fahrgestellnummer ungültig stempeln und bekam eine so genannte Technische Prüfnummer zugewiesen.

Die Hürden des H-Kennzeichens

Die Begründung: "Ein kompletter Zusammenbau aus Teilen, gleichgültig ob alt oder Original-Ersatzteil, führt immer zu einem Eigenbau", so Behörden-Chef Holz. Dem entgegen steht jedoch die gängige Praxis, die der Gesetzgeber keinem Autobesitzer untersagt: Jedes Einzelteil darf prinzipiell gegen einen baugleichen oder entsprechend freigegebenen Ersatz getauscht werden.

Unter bestimmten Voraussetzungen gilt dies sogar für das Chassis. Die juristisch relevante Identität ist nicht veränderbar, auch nicht das sich daraus ableitende Baujahr. Selbst mit einem neuen Chassis bleibt das Auto ein BMW 2002 tii, Baujahr 1973. Weil das so ist, könnte der neue 2002 tii sogar die Hürden des H-Kennzeichens nehmen. Denn der BMW erfüllt die Voraussetzungen, die in den Begutachtungsrichtlinien des § 21 c genannt werden.

Weder Änderungen zum Original noch Umbauten stören seinen Auftritt. Im Gegenteil: Er enthält vermutlich mehr BMW-Teile als viele andere 2002 tii.

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Thomas Wirth

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