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Fiat 500 Service-Station: Leichte Übung

Der Fiat 500 gehört zu den beliebtesten Kleinwagen der Oldtimer-Szene Szene. Die Instandhaltung und die Reparatur seiner Technikkomponenten stellt versierte Werkstätten vor geringe Probleme, was in Verbindung mit den günstigen Teilepreisen für erfreulich überschaubare Wartungskosten sorgt.

Die Zeiten haben sich geändert. Der Anteil an Hobbyschraubern unter den Fiat 500-Besitzern ist längst nicht mehr so groß wie früher. Viele, die sich heute einen klassischen Cinquecento kaufen, überlassen das Schrauben lieber einer Werkstatt. "Diese Kunden sind durchaus bereit, entsprechend Geld zu investieren, um ein zuverlässiges Auto zu besitzen", weiß Bernd Grosse von der Piccolo Box in Hennef. Wer aber nur ein begrenztes Budget zur Verfügung hat und nicht schrauben kann, interessiert sich natürlich sehr dafür, wie teuer die Werkstattaufenthalte seines kleinen Fiat werden können.

Blecharbeiten sind teuer

Das wichtigste bei einem Fiat 500 ist ein guter Zustand der Karosserie. Denn es gibt keine extra günstigen Stundensätze für die Reparatur von Kleinwagenblech, weshalb Arbeiten in diesem Bereich sehr teuer in Relation zum Fahrzeugwert ausfallen können. Doch wie sieht es mit der Technik aus?

Beginnen wir mit dem Antrieb, der sich beim Fiat 500 im Heck verbirgt. Es handelt sich um einen luftgekühlten Zweizylinder, dessen Kurbelgehäuse und Zylinderkopf aus Aluminium gefertigt sind, während die Zylinder aus Gusseisen bestehen. Die hängenden Ventile werden über Stoßstangen und Kipphebel von der im Kurbelgehäuse gelagerten Nockenwelle betätigt. Den Antrieb der Nockenwelle übernimmt eine Einfachkette.

Einfache Technik im Heck

Nach Abnahme der Motorhaube, wozu nur wenige Handgriffe nötig sind, ist das Maschinchen des Fiat 500 recht gut zugänglich. Es ist allerdings von einem für die Führung der Kühlluft nötigen Blechgehäuse umschlossen. Für die Luftzirkulation beziehungsweise Kühlung sorgt ein Gebläse, das vom Keilriemen angetrieben wird. Ähnlich wie beim VW Käfer wird die Spannung des Keilriemens mittels Distanzscheiben zwischen den beiden Riemenscheibenhälften beeinflusst.

Ein Wechsel des Riemens funktioniert problemlos. Das gilt auch für das Ersetzen der Zündkerzen, "allerdings sollte man eine für den Kerzenwechsel geeignete Nuss mit einer Haltefeder für die Zündkerze verwenden, damit diese nicht versehentlich in den Lüfterkasten fällt", sagt Klaus Steiner aus München, der seit fast 40 Jahren an Fiat 500 schraubt.

Günstige Wartung

Die Wartungsarbeiten am Motor des Fiat 500 fallen alle günstig aus (siehe Tabelleunten), daher wollen wir nur einige Besonderheiten herausstellen. So erscheint beim jährlich empfohlenen Ölwechsel kein Ölfilter auf der Rechnung. Der Fiat-Motor besitzt nämlich am hinteren Zapfen der Kurbelwelle einen Ölschleuderfilter, in dem die Fremdkörper durch die Fliehkraft aus dem Öl gefiltert werden. Klar, irgendwann muss dieser Filter auch einmal gereinigt werden, aber weil er wegen der hinteren Traverse nicht so einfach zugänglich ist, "erledigt man diese Arbeit zum Beispiel bei einem fälligen Austausch der Steuerkette", erklärt Steiner.

Die Steuerkette, die ohne Spanner auskommen muss, hält nach seinen Erfahrungen etwa 60.000 bis 70.000 Kilometer. Die dann anstehende Reparatur gehört zwar zu den teureren beim Fiat, fällt aber mit um die 200 Euro immer noch sehr günstig aus. Bei dieser Arbeit werden natürlich die verschlissenen Kettenräder mitgewechselt.

Leichter Ölverlust ist bei luftgekühlten Motoren normal

Der Kunde sollte sich auch immer überlegen, wann er die Beseitigung von Motorölverlust an seinem Fiat 500 in Auftrag gibt. "Grundsätzlich sind luftgekühlte Motoren höheren thermischen Schwankungen ausgesetzt, und da kann man schon mal das eine oder andere sich davonschleichende Tröpfchen Öl akzeptieren", beruhigt Steiner. Manchmal rührt das Öl nur von einer nicht korrekt montierten Ventildeckeldichtung.

Ein größerer Reparaturaufwand ist jedoch nötig, wenn der Simmerring des hinteren einteiligen Gleitlagers der Kurbelwelle undicht ist oder die Papierdichtung beim Tragkörper des Kurbelwellenlagers des Fiat 500.

Auch die Dichtungen der Stößelrohre leiden unter den Temperaturschwankungen und lassen dann das Öl passieren. Auf jeden Fall sollte man sich aus Kostengründen grundsätzlich mit seiner Werkstatt abstimmen, wann und in Verbindung mit welchen anderen Arbeiten die Beseitigung von Ölverlust beim Fiat 500 am besten erledigt wird.

Experten erkennen durchgeblasene Kopfdichtung am Laufgeräusch

Sollte die Zylinderkopfdichtung des Fiat 500 defekt sein, ist mit Ausgaben von um die 250 Euro zu rechnen. Ein geschultes Ohr kann diesen Schaden an einem zischenden Geräusch im Motorraum erkennen. Die Fiat-Konstrukteure haben sich nämlich ein Kanalsystem am Zylinderkopf und den Zylinderlaufbuchsen ausgedacht, durch das bei einer durchgebrannten Zylinderkopfdichtung die Verbrennungsgase zu einer Hohlschraube und dann ins Freie gelangen, statt via Warmluftkanal in den Passagierraum. Und das Austreten der Gase aus der Hohlschraube ist dann als Zischen zu hören.

Die Zündanlage des Fiat 500 verhält sich unauffällig. Es ist lediglich zu beachten, dass manche im 500 montierten Zündverteiler seitlich einen separaten Öler haben, den man nicht vernachlässigen darf.

Die verbauten Fallstromvergaser benötigen keine besondere Pflege, und wegen der Luftkühlung muss sich kein Fiat 500-Fahrer um undichte Wasserpumpen oder Kühler Gedanken machen. Es gibt allerdings einen rechts in der Motorummantelung sitzenden Thermostat zur Regelung der Luftkühlung, der dazu eine Klappe verstellt. Bei manchen 500ern ist er kaputt. Man kann ihn aber für etwa 100 Euro austauschen lassen.

Nicht ganz billig wird es, wenn es dem Fiat 500 trotz intaktem Motor an Vortrieb mangelt, sprich, wenn er nicht vom Fleck kommt. Dann steht der Einbau neuer Achswellen an. Diese sind im Ausgleichsgetriebe durch Gleitsteine gelenkig gelagert. Hier kann es zwar mit der Zeit zu Spiel kommen, doch verantwortlich für den Stillstand des Fiat sind die verschlissenen Verzahnungen am anderen Ende der Welle. Der Austausch beider Wellen kostet um 300 Euro, weil laut Steiner das Getriebe ausgebaut und zerlegt werden muss.

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Problem Achsschenkel

Kommen wir zum Fahrwerk des Fiat 500. Der Cinquecento hat vorn und hinten Einzelradaufhängung. An der Vorderachse wurde eine Querblattfeder vorgesehen, die auch die Funktion eines Stabilisators übernehmen kann. Sie ist mit den unteren Augen des Achsschenkelträgers verbunden.

An den oberen Augen ist ein Querlenker befestigt, genauer gesagt, sind es zwei Lenker, verbunden durch eine Querlenkerachse. Im Vorderachsbereich des Fiat 500 kommen Silentblöcke und Gummi zum Einsatz, die natürlich dem Verschleiß unterliegen und irgendwann einmal ausgetauscht werden müssen.

Ebenfalls dem Verschleiß unterliegt der Achsschenkelbolzen des Fiat 500, doch hier lässt sich die Abnutzung hinauszögern, wenn regelmäßig die vorhandenen Schmiernippel mit Fett versorgt werden. In ganz alten Betriebsanleitungen steht übrigens etwas von Öl zu lesen, doch tatsächlich hilft hier nur Fett. Die Achsschenkel gibt es komplett im Austausch zu kaufen, weshalb sich niemand die Arbeit macht, neue Achsschenkelbolzen zu montieren und zeitaufwändig mit der Reibahle herumzuhantieren.

Fiat 500 mit lückenloser Ersatzteilversorgung

Die Hinterräder des Fiat 500 sind jeweils an einer Schwinge aufgehängt, die in zwei Silentbuchsen lagert. Damit die Buchsen nicht zu sehr auf Torsion beansprucht werden, sollte man die Befestigungsbolzen nur bei exakt senkrecht stehenden Rädern festziehen. Manchmal sind aber nicht nur die Buchsen verschlissen, sondern auch die Schwingen marode, weil der Rost an ihnen genagt hat, so dass sie komplett ausgetauscht werden müssen. Das ist zumindest von der Ersatzteillage her ohne Weiteres machbar. Überhaupt präsentiert sich die Versorgung mit Teilen überraschend lückenlos, derzeit mangelt es nur an Zündschlössern mit Lenkradschloss, "die daher in gebrauchtem Zustand schon über 100 Euro kosten können", so Bernd Grosse.

Für dieses Geld bekommt man auch die Bremsbacken an einer Achse gewechselt. An Vorder- und Hinterachse wird der Fiat 500 mittels Trommelbremsen verzögert, deren Beläge man nicht selbst aufklebt, sondern komplett mit den Backen einkauft. Die Handbremse wirkt auf die gleichen Beläge der Hinterachse wie die Fußbremse, allerdings gehört es zum regelmäßigen Service, alle Übertragungselemente der Handbremse zu pflegen und gängig zu halten.

Günstige Reparaturkosten

Wer sich angesichts der unkomplizierten Technik des Fiat 500 zum Selberschrauben verführen lässt, sollte es nicht allzu locker angehen. Denn auch beim 500 gibt es Feinheiten zu beachten, die blauäugige Heimwerker überfordern.

Als Beispiel führen die befragten Experten den Wechsel der hinteren Radlager an (je zwei Kegelrollenlager), wo es auf das richtige Rolldrehmoment ankommt. Eine Abstandshülse übernimmt dabei die Funktion einer Schrumpfhülse. Das Anziehen der Mutter erfolgt progressiv, und ein Spezialwerkzeug hilft beim Einstellen und Einhalten eines gewissen Rolldrehmoments, damit die Lager nicht sofort wieder fressen.

Wie eingangs erwähnt, bringen aber viele mittlerweile ihren Fiat lieber in die Werkstatt. Und das kann man sich angesichts der günstigen Teile- und Reparaturkosten durchaus leisten. Nur wenn man ein Exemplar mit einem Wartungs- und Reparaturstau erwischt, summieren sich die vielen Einzelpositionen zu einer stattlichen Summe. Aber das lässt sich bereits im Vorfeld durch einen intensiven Check des Kaufobjekts vermeiden.

Motor Klassik-Service-Tipp Fiat 500

Am wichtigsten ist ein guter Zustand der Karosserie. Die Technik ist dagegen relativ pflegeleicht, allerdings sollte man das regelmäßige Abschmieren der Achsschenkel nicht vergessen. Ein jährlicher Check in der Werkstatt hilft unangenehmen Überraschungen vorzubeugen und hält den Fiat 500 fit.

Wer ganz gern selbst ein wenig schraubt, findet bei den zahlreichen Fiat 500 Clubs, die man leicht über die Suchmaschinen im Internet ausfindig machen kann, bereitwillige Helfer. Den einen oder anderen Tipp lässt sich auch aus dem Forum www.500forum.de gewinnen. Natürlich existiert über den Fiat jede Menge hilfreiche Literatur. Einiges davon ist sogar als Download auf der sehr informativen Internetseite www.500er-fiat.de verfügbar.

Fiat 500 - Service und Kosten
Arbeiten am Motor Zirka-Preise (Alle Preise sind lediglich Richtwerte. Sie können je nach Ersatzteilpreisen und nötigen Zusatzarbeiten sowie den jeweiligen Stundensätzen der Werkstatt deutlich abweichen
Keilriemenwechsel 20 Euro
Motorölwechsel (je nach Ölsorte) 40 Euro
Zündkerzenwechsel 15 Euro
Neuer Unterbrecherkontakt plus Einstellung der Zündung und Verteilerprüfung ab 50 Euro
Ventilspiel prüfen und einstellen ab 50 Euro
Neuen Luftfilter montieren 20 Euro
Prüfen und Einstellen des Vergasers ab 20 Euro
Benzinpumpe erneuern 60 Euro
Thermostat wechseln oder überholen ab 100 Euro
Neuer Auspuff ab Krümmer mit Haltebügeln ab 150 Euro
Kupplungswechsel plus Ausrücklager ab 230 Euro
Motorüberholung, je nach Aufwand 800 bis 1.500 Euro
Arbeiten an Fahrwerk, Bremsen etc. -------------------------------
Überprüfen und Einstellen der Achsgeometrie und Einstellen der Achsgeometrie 100 Euro
Lenkung ersetzen im AT ab 200 Euro
Lenkungszwischenhebel (Umlenkhebel) erneuern ab 60 Euro
alle Spurstangengelenke vorn ersetzen mit Vermessen ab 200 Euro
Neue Achsgummis bzw. -Buchsen vorn ab 150 Euro
Neue Achsgummis bzw. -Buchsen hinten ab 200 Euro
Beide Achsschenkel vorn ersetzen (AT) ab 280 Euro
Beide Hinterachsschwingen erneuern 350 bis 400 Euro
Einbau neuer Stoßdämpfer rundum ab 300 Euro
Wechsel der Bremsflüssigkeit 50 Euro
Austausch eines Radlagers vorn/hinten 70/80 Euro
Wechsel der Bremsbeläge vorn/hinten 80/100 Euro
Wechsel der Bremsflüssigkeit 50 Euro
Radbremszylinder vorn ersetzen (AT) ab 100
Sonstige Arbeiten --------------------------------
Simmerring am Differenzial erneuern (ohne Getriebeöl) 130 Euro
Getriebeüberholung, je nach Aufwand ab 500 Euro
Neue Antriebswelle (AT) montieren ab 300 Euro

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FACT

Datum

21. Oktober 2013
Dieser Artikel stammt auf Heft Motor Klassik 09/2012.
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