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Katalysator-Nachrüstung: Alles für die Kats

Mit der leidigen Feinstaub-Diskussion ist auch wieder die Katalysator-Nachrüstung für Klassiker ein Thema. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Nur wenige Fahrzeuge lassen sich für eine Plakette nachrüsten.

Feinstaub und drohende Fahrverbote

Wenn derzeit allenthalben heftig um Feinstaub und drohende Fahrverbote für Autos ohne Katalysator diskutiert wird, bleibt Uwe Sontheimer ganz gelassen. Der 43-jährige Manager eines Stuttgarter Software-Unternehmens hat seinen Mercedes 280 CE aus der W123- Baureihe beim Katalysator-Pionier Paul Wurm auf einen geregelten Kat umrüsten lassen. Mit dieser Anlage, die inklusive Einbau laut Liste 1.995 Euro kostet, schafft das 1982 erstmals zugelassene Coupé die Euro 2-Abgasnorm und erhält damit, so sieht es die Feinstaubverordnung derzeit vor, eine Feinstaubplakette. Mit dieser wird Sontheimer auch in Zukunft in so genannten Umweltzonen fahren dürfen - so diese denn von den Städten und Gemeinden ausgewiesen werden.

Doch der Manager ist ein Außenseiter. Zum einen, weil er zur Minderheit derer gehört, die ihren Klassiker mit einem Katalysator nachrüsten - und weil er ebenso zur Minderheit derer zählt, die dazu überhaupt die Möglichkeit hat, dies zu tun.

Komplizierte Gesetzgebung

Die Möglichkeiten zum Nachrüsten sind äußerst beschränkt - und dennoch ist technisch vieles möglich, wenn nur die Gesetzgebung nicht so kompliziert wäre. Denn es reicht nicht aus, einen geregelten Kat in ein Auto einzubauen und sich das von einer Werkstatt bestätigen zu lassen.

Entscheidend ist, dass die in den Euro-Normen festgelegten Grenzwerte für Schadstoffemissionen eingehalten werden und so eine andere Schlüsselnummer in die Fahrzeugpapiere eingetragen wird.

Steuervorteil und frei Fahrt dank Nachrüst-Kat

Als Folge winken dann nicht nur Steuervorteile, sondern auch die Erteilung einer der neuen Feinstaubplaketten, mit denen man in den zukünftigen Umweltzonen fahren darf. Hier nimmt das Drama seinen Lauf. Denn nachgerüstete Autos müssen beim Abgas auf das Niveau gehoben werden, das bis vor einiger Zeit noch für Neuwagen bestand.

Schlüsselnummer 77 = Umweltzonen tabu

Zudem wird für jeden Fahrzeugtyp ein aufwendiges und vor allem teures Abgasgutachten nötig. Vor zehn Jahren ließ sich der Gesetzgeber auf leichte Vereinfachungen ein. Damals wurde die Schlüsselnummer 77 ausgerufen, die auf Abgaswerten der Euro 1-Norm basiert und sogar bei baugleichen Motoren über Modellgrenzen hinweg auf artverwandte Typen übertragen werden konnte. Doch der nachhaltige Nutzen dieser Regelung ist zweifelhaft. Katalysator-Pionier Paul Wurm kritisiert: "Die 77er-Regelung hat die Nachrüstung für Old- und Youngtimer in eine Sackgasse manövriert, weil schon kurz danach neue Regelungen für die Differenzierung zu Euro 2 und D3 getroffen wurden."

Die Konsequenzen sind heute in aller Härte spürbar: Nach derzeitigem Stand der Dinge bleibt jenen Oldtimer- Besitzern, die ihren Klassiker auf Kat nachgerüstet haben und mit der Euro 1-ähnlichen Schlüsselnummer 77 in den Papieren eintragen ließen, künftig nur der Bonus niedrigerer Kfz-Steuern. Eine Feinstaubplakette bekommen sie aber nicht - für sie bleiben Umweltzonen tabu.

"Bleibt zu hoffen, dass das letzte Wort in Sachen Fahrverbot für die Schlüsselnummer 77 noch nicht gefallen ist", erklärt Alexandra Bartsch von der GAT-Zentrale im westfälischen Gladbeck. Vielleicht, meint sie, könne massiver Protest seitens der betroffenen Autobesitzer auf der politischen Ebene etwas bewirken.

Wenig umweltfreundliche Regelung

Doch nach heutigem Stand der Dinge schliddern die auf Euro 1 nachgerüsteten und mit der Schlüsselnummer 77 versehenen Autos an der Feinstaubplakette vorbei. Für Ulrich Spannagel, Chef von Matrix Engineering in Fürstenfeldbruck, eine unverständliche Regelung. "Die Umrüstung vom Zustand ohne Kat auf einen Euro 1-Kat bringt der Umwelt viel mehr als die Verbesserung von Euro 1 auf Euro 2."

Die Masse macht’s - billiger

Um die Kraftfahrzeugsteuer zu drücken, wurde im Internet eine Seite eingerichtet, um gleich Gesinnte zu finden (www.euro2-umruestung.de). "Wir wollen mindestens 15 bis 20 Interessenten eines bestimmten Modells sammeln, damit dann eine Aufrüstung gestartet werden kann", erklärt Initiatorin Claudia Münchow.

Nachrüster Paul Wurm hat derweil schon bewiesen, dass beim Nachrüsten Kat-loser Autos mehr geht. Die von ihm umgerüsteten Mercedes-Modelle erfüllen mindestens die Euro 2-Norm. Für einige liegt sogar ein Gutachten nach der D3-Norm vor, und der Mercedes 560 SEC aus der W126-Familie schafft mit einem Wurm-Kat sogar die D4-Norm.

Schon in der ersten Hälfte der Neunziger hatte Wurm für mehrere Klassiker Mustergutachten erstellt. Der kleine Fiat Topolino gehörte ebenso dazu wie Citroën DS oder die Pagoden-Baureihe. "Diese Autos sind mit der Schlüsselnummer 14 eingetragen und erhalten heute eine Feinstaubplakette", erklärt Wurm. Auf Basis bestehender Gutachten könnte, nachdem jahrelang keine Nachfrage bestand, das Angebot wieder reaktiviert werden - vorausgesetzt, es findet sich eine gewisse Anzahl nachrüstwilliger Interessenten.

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Hardy Mutschler
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